FeedEvreux
VerkehrBrockhaus 1882

Evreux, Hauptstadt des franz. Depart. Eure, 108 km im WNW. von Paris, an der Linie Paris-Cherbourg der Französischen Westbahn, die hier nach Louviers abzweigt, und an dem linksseitigen Eurezufluß Iton, in einem anmutigen, fruchtbaren Thale gelegen, ist der Sitz eines Bischofs, eines Tribunals erster Instanz, eines Handels⸗ und eines Friedensgerichts. Es befindet sich hier ein Lyceum, ein großes und ein kleines Priester⸗, sowie ein Lehrerseminar, eine Kammer für Künste und Manufaktur⸗ sowie eine andere für Ackerbau, eine öffentliche Bibliothek von 20000 Bänden und ein Stadtarchiv, ein botan. Garten, ein Museum für Antiquitäten, eine Gesellschaft für Ackerbau, eine Societät für Künste und Wissenschaften, zwei große Hospitäler, ein Departementsgefängnis und ein Irrenhaus. Die Stadt zählt (1876) 11453 (als Gemeinde 14627) E., die sehr gewerbfleißig sind. Besonders berühmt ist die Fabrikation von Werkeugen und Pumpen, auch die Eisengießerei und iatern ebenso wird die von Strumpfwaren, von ostrich und Wenihten betrieben. Außerdem bestehen Getreidemühlen, Ciderpressen, Sämischleder⸗ und Lohgerbereien u. s. w. Zugleich ist E. der Mittelpunkt eines starken Gewürzhandels und eines lebhaften Handels mit Korn und andern Landesprodukten. Sehenswerte Gebäude sind die imposante Kathedrale mit einem 71 m hohen Turme und 23 Kapellen, der große, 44 m hohe Uhrturm (15. Jahrh., neuerdings restauriert), die Abteikirche des heil. Taurin (romanisch, aus dem 11. Jah der bischöfl. Palast (15. Jahrh.), die Präfektur, die jetzt in eine Kaserne umgewandelte Abtei St.⸗Sauveur und die Promenaden. Von dem berühmten, kaum 1 km südwestlich liegenden Lustschloß Navarra, welches 1330 von Johanna von Navarra errichtet, 1686 von Mansard für den Herzog Gottfried Moritz von Bouillon umgebaut und mit schönen Park⸗ und Gartenanlagen umgeben war, ist nur noch ein 1749 erbauter Pavillon ubrig, ugen auch von den alten Mauern, Türmen und sonstigen Befestigungswerken der Stadt nur noch weniges zu sehen. Bei dem 8 km im Ostsüdosten gelegenen Dorfe Vieil-Evreurx finden sich viele Überreste aus der röm. + namentlich eines großen Theaters, eines Palastes, eines Aquädukts u. s. w., die der Stadt Mediolanum Aulercorum (auch Civitas Ebroicorum) im Lande der Aulerci Eburovices zugeschrieben werden und für das Museum zu E. ausgebeutet worden sind. E. (mittellat. Ebroica) ist jedenfalls sehr alt und tte in den engl.⸗franz. Kriegen des 12. bis 15. ahrh., sowie in den Hugenottenkämpfen viele riegslasten zu tragen. In der Merovinger⸗ und Karolingerzeit war es der Mittelpunkt des Pagus Ebroicensis (oder Ebroicinus), des spätern Ländchens Evrecin. Herzog Richard I. von der Normandie verlieh E. als Grafschaft gegen das Ende des 10. Jahrh. seinem mit der schönen Gonnor erzeugten Sohne Robert. Zu Anfang des 12. Jahrh. wurde dieselbe an das Haus Montfort vererbt, von dem sie König Philipp II. August von Frankreich erkaufte. König Philipp IV. gab sie als Apanage an seinen Bruder, den Prinzen Ludwig, zu dessen Graf sie 1316 zur Pairie erhoben wurde. Der Graf Philipp von E. erheiratete mit Johanna, der einzigen Tochter König Ludwigs X., das Königreich Navarra. König Karl III. von Navarra vernuschte 1404 die Grafschaft E. nebst andern Besizungen gegen das neugebildete Herzogtum Nemours an König KarlVI. von Frankreich. Karl VII. gab sie 1426 an Johann Stuart, Grafen von Darnley, nach dessen Tode (1429) sie von der Krone wieder eingezogen wurde, und Karl IX. verlieh sie als Pairie-Herzogtum an seinen Bruder, den Herzog von Alencon, nach dessen Ableben sie 1584 abermals an die Krone zurückfiel. Das Schloß Navarra wies Napoleon I. zuerst dem Könige Ferdinand VII. von Spanien, dann der Kaiserin Josephine an. Vgl. Le Brasseur, «Histoire civile et ecclésiastique du comté d'I.„ (1722); Masson de St.⸗Amand, „Essais historiques sur L'ancien comté de la ville d'E.v (1813 u. 1815); A. Guilmeth, «Notice historique sur la ville d'E.v (1835).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 462Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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