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ErdkundeBrockhaus 1882

Evöra, Cidade und Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts, sowie der ganzen Provinz Alemtejo in Portugal, Sitz eines Erzbischofs und Endpunkt eines Zweigs der Portugiesischen Südostbahn, liegt in 278 m — auf einem flachen Hügel, in einer fruchtbaren Ebene voller Orangen, Olbäume, Zargen und Wein, die der zum Sado üent arrama durchströmt, und nimmt sich von fern wegen ihrer vielen Kirchen, Türme und stattlichen Gebäude sehr malerisch aus. Mittlere Temperatur 16,25 C., Maximum 39,9“, Minimum —0,2*; Regen 743 mm. Die Stadt zählt (1878) 13 046 C. und ist von alten verfallenen Mauern und modernen, jedoch unvollendeten Festungswerken umgeben und von einem, auf dem höchsten Punkte sich erhebenden alten Kastell verteidigt, weshalb sie für eine Hil und gilt. Zeitweis ist sie königl. Residenz ewesen und nennt sich deshalb noch ezweite Stadt ortugalsv. Ihr Inneres besteht aus engen, krummen und schmutzigen Gassen, mit hohen, zum Teil ot. Häusern. Chemals besaß sie eine (1550 vom ardinal-Infanten Heinrich gestiftete) Universität, welche im 18. Jahrh. zugleich mit dem Jesuitenorden, dem sie übergeben war, noben demn wurde. Jetzt bildet sie ein Kollegium, neben dem noch ein theol. Seminar besteht. Die Bibliothek enthält 25000 Druckwerke und 2000 Manuskripte, und das Gemälde-Museum ist eins der interessantesten in Portugal. Von den 13 Mönchsklöstern liegen die meisten in Ruinen, die übrigen dienen andern Zwecken; dagegen bestehen noch 8 Nonnenklöster. Von den 5 Pfarrkirchen zeichnet sich die erzbischöfl. Kathedrale durch Größe und prachtvolle Ausstattung aus. Andere merkwürdige Bauwerke sind die Kirche des Augustinerklosters Nossa 3961967 da Grafa mit kunstvollem, flachem Gewölbe, das Franziskanerkloster mit seiner Begräbniskapelle, der sog. Casa dos Ossos, deren Gewölbe von acht mit Menschenschädeln und Gebeinen besetzten Pfeilern getragen wird, der 4 km lange, von Sertorius erbaute röm. Aquädukt (Agua da prata), einer der merkwürdigsten in Europa, welcher die Stadt noch jetzt mit Trinkwasser versieht. Auch sind noch die lüberreste eines Dianentempels vorhanden, die jetzt als Schlachthaus und Fleischhalle dienen. Vor der Stadt liegt die Kartause Scala Coeli mit prächtiger Kirche. Die in der Umgegend von E. und Beja gefundenen röm. Altertümer sind in ein Museum vereinigt. Die Stadt besitzt ein großes Hospital, sowie ein Stift für adelige Fräulein und hält 2 lich um Johanni eine stark besuchte Messe. Sie fabriziert grobes Tuch, Baumwollwaren, Hüte, Leder. Die Gegend liefert gute Rotweine; bei Commenda und Sobra wird Kupfer gewonnen. Das 1540 gegründete Erzbistum umfaßt mit den Bistümern die Provinzen Alemtejo und Algarve. E. ist der uralte Waffenplatz Ebura, der als röm. Municipium wegen der von Cäsar verliehenen Coateraert den Namen Liberalitas Julia führte. päter erscheint es als got. Bistum unter dem Namen Ebora (Elbora). Vom westgot. Könige Siebet 617 befestigt, wurde die Stadt 712 von den auren erobert und Jabura genannt, diesen aber von dem 1162 gestifteten christl. Ritterorden 1166 entrissen, der sich seit 1166 nach dieser Festung, seit 1211 nach Aviz benannte. An 16. Jahrh. war es ein Herzogtum der Silva. Nur 28 Em im Nordnordosten liegt in 476 m Höhe an der Serra Ossa die Stadt Evoramonte, eine Villa von 1200 E., mit Mauern und einem Kastell, bekannt durch die daselbst 26. Mai 1834 abgeschlossene Konvention Dom Miguels, kraft deren er auf den Thron von Portugal verzichtete und das Land verließ. — Der Distrikt Evora zählt auf 7096,53 q4km (1878) 106858 E., mithin 15 E. auf 1 qkm.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 462Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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