Ewald (Georg Heinr. e ausgezeichneter deutscher Orientalist und Bibelforscher, geb. 16. Nov. 1803 zu Göttingen, wo er auch as Gymnasium besuchte und (1820—23) seine Universitätsstudien machte. Noch als Student trat er mit der Schrift Die Komposition der Genesisv (Braunschw. 1823) hervor. Er wurde zuerst Lehrer am Gymnasium zu Wolfenbüttel, Ostern 1824 Repetent der kheol. Fakultät, 1837 außerord., 1831 ord. Professor der Philosophie und 1835 Nominalprofeffor der orient. Sprachen zu Göttingen. Reisen zur Benutzung der orient. Handschriftenschätze führten ihn 1836, 1829 und 1836 nach Berlin, Paris und Italien. Als einer der sieben göttinger Professoren, welche gegen die Aufhebung des hannov. Staatsgrundgesetzes protestierten, wurde er 12. Dez. 1837 seines Amtes entsetzt, wodurch er Muße zu einer neuen wissenschaftlichen Reise nach England erhielt, und folgte 1838 einem Rufe als ord. Professor an die philos. Fakultät nach Tübingen, aus welcher er 1841 in die theologische übertrat. Die Berührungen, in die er da IIos mit Katholiken, Neupietisten und Hegelianern (Baur, Vischer u. a.) kam, veranlaßten ihn zu wiederholten Streitschriften, deren letzte „liber meinen Weggang von der Universität Tübingen, mit andern Zeitbetrachtungen» (Stuttg. 1848) war. Im J. 1848 kehrte in seine frühere Stellung nach Göttingen zurück. E.s Arbeiten über hebr. Sprache, Exegese des Alten Testaments und Geschichte des israel. Volks haben epochemachend gewirkt. Die wichtigsten sind: «Kritische Grammatik der hebr. Sprache Epz. 1827), die er als 4Ausführliches Lehrbuch der hebr. Sprachen wiederholt neu bearbeitete (S. Aufl., Gött. 1870) und der er die «Hebr. Sprachlehre für Anfänger » (4. Aufl., Gött. 1874) folgen ließ; ferner das «Hohe Lied Salomos Gött. 1826), «Die poetischen Bücher des Alten Bundesv (4 Bde., Gött. 1835 -37; Bd. 3, 2. Aufl. 1854; Bd. 1 u. 4 in 2., Bd. 2 in 3. Aufl., 1866 fg.) und «Die Propheten des Alten Bundes » (2 Bde., Stuttg. 1840; 2. Aufl., 3 Bde., Gött. 1867 fg.); endlich die Geschichte des Volkes Israelo (7 Bde., Gött. 1843 — 59; 3. Aufl. 1864 fg.), zu deren zweitem Bande die «Altertümer des Volkes Israelo (3. Aufl., Gött. 1866) einen Anhang bilden. Hieran reihen sich viele Werke zur Kritik und Exegese des Neuen Testaments, nämlich der «„Commentarius in Apocalypsin o (Lpz. 1828), „Die drei ersten Evangelien» (Gött. 1850; vollständiger in 2. Auflage: «Die drei ersten Evangelien und die Apostelgeschichte o, 2 Bde., Gött. 1871 —72), „Die Sendschreiben des Apostels Paulusv (Gött. 1857), «Die Johanneischen Schrifteno (2 Bde., Gött. 1861—62), 4Sieben Sendschreiben des Neuen Bundesy (Gött. 1870) und «Das Sendschreiben an die Hebräer und Jakobos Rundschreiben» (Gött. 1870). Die theol. Ergebnisse seiner exegetischen Forschung und seine ganze Auffassung der biblischen Religion hat E. schließlich niedergelegt in der «Theologie des Alten und Neuen Bundes (4 Bde., Lpz. 1871—78). Auch über das Buch Henoch, das vierte Buch Esra, die Si⸗ — hat er in besondern Schriften gehandelt. ußerdem hat E. den übrigen orient. S rachen, besonders dem Arabischen, Aramäischen, Ithiopischen, Phönizischen, Persischen und Sanskrit eingehende Studien gewidmet. Bedeutend für ihre Zeit (namentlich durch die rationelle Behandlung des Gegenstandes) waren seine Grammatica critica Iinguae arabicae (2 Bde., Lpz. 1831—33), De metris carminum arabicorumv (Lpz. 1825), über einige ältere Sanskritmetra (Gött. 1827), sowie Abhandlungen zur orient. und biblischen Litteratur (Bd. 1, Gött. 1832). Andere Beiträge zur orient. und biblischen Litteratur legte er in der (Zeitschrift für Kunde des Morgenlandes» (zu der er den Plan entworfen), den Abhandlungen v der Göttinger Societät der Wissenschaften (seit 1835), den 4Göttinger gelehrten Anzeigen» (seit 1823) und in seinen «Jahrbüchern der biblischen Wisfenschafto (Bd. 1—12, Gött. 1849—65) nieder. In den „Sprachwissenschaftlichen Abhandlungen» (Gött. 1861 6³² wozu «Über die geschichtliche Folge der semit. Sprachen» (Gött. 1871) kommt, suchte er einen neuen Weg für den Nachweis der Verwandtschaft aller großen Sprachstämme der Erde zu bahnen. Ebenso ausgedehnt und einflußreich als seine schriftstellerische war E.s Wirksamkeit als Univer-Rud durch eine Menge bedeutender Gelehrter ind durch ihn gebildet. Seit 1862 hat er sich auch an den kirchlichen Kämpfen Hannovers durch Wort und Schrift beteiligt und war als gewähltes Mitglied der Siechenaat 1863 Mitbegründer des neuen hannov. Kirchengesetzes, eine Zeit lang auch für den Deutschen Protestantenverein thätig und in dessen engerm Ausschusse. Verhängnisvoll wurde für ihn der Deutsche Krieg von 1866 und die Einverleibung Hannvers in Preußen. Wegen Verweigerung des Huldigungseides wurde er 1867 emeritiert und ihm im Okt. 1868 sogar die venia legendi entzogen. Herausgerissen aus seiner gewohnten akademischen Thätigkeit, trat er nun offen als Gegner der neuen Ordnung der Dinge auf und kämpfte teils durch zahlreiche Flugschriften, teils als dreimal gewählter Vertreter der Stadt Hannover im Norddeutschen und im Deutschen Reichstage gegen dieselbe an. E. starb 4. Mai 1875 an einer Herzkrankheit zu Göttingen.