Georg (der Heilige), in der röm. Kirche gewöhnlich Ritter Sanet Georg, in der griech. G. der Siegbringende genannt, stammte nach der Legende aus einer vornehmen Familie in Kappadocien, trat ins röm. Heer und stieg unter Diocletian rasch zu hohen Stellungen empor. Als der Kaiser begann, die Christen zu verfolgen, verwies ihm G. seine Grausamkeit und erlitt deshalb am 23. April 303 den Märtyrertod. Er wird gewöhnlich dargestellt als ein schöner Schimmel wie er in ritterlicher Rüstung auf einem Schimmel sitzt und mit der Lanze einen Drachen durchbohrt. Diese Darstellung mag ursprünglich symbolisch gedacht und unter dem Drachen der Teufel gemeint sein. In der Legenda aureay des Jakob de Voragine (gest. 1298) findet sich zuerst die Erzählung, G. habe einen Lindwurm erstochen, welcher die Königstochter Aja (Cleodolinde) zu verschlingen im Begriff war. Im Morgenlande genoß der heilige G. von früh an allgemeine Verehrung und hieß hier häufig der «Erzmärtyrerv. In Konstantinopel waren ihm mehrere Kirchen erbaut; eine derselben lag am Hellespont und dieser wurde darnach «Arm St. Georgso benannt. Im Abendlande war der heilige G. bereits im 6. Jahrh. bekannt; besondern Aufschwung nahm aber seine Verehrung in den Kreuzzügen. Die Kreuzfahrer betrachteten ihn als ihren Schutzpatron und glaubten mehrfach seine besondere Unterstützung zu erfahren, vor allem unter Richard Löwenherz. Deshalb beschloß ein Nationalkonzil zu Orford 1222, sein Gedächtnistag, der 23. April, solle im ganzen Lande gefeiert werden und Eduard III. stellte 1330 den neu gestifteten Hosenbandorden unter seinen Schutz. Genua wählte Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VII. ihn zum Schutzpatron, und das Großfürstentum Moskau, sowie später das russ. Kaiserreich nahm den Ritter G. mit dem Lindwurm in sein Wappen auf. (S. Georgsorden.) Im 14. Jahrh. nannte die fränk. Ritterschaft einen Bund, welchen sie unter sich schloß, Georgengesellschaft, weil sie den heiligen G. zum Patron wählte. In Schweden bildete sich 1392 eine große Vereinigung des Adels unter dem Namen des Georgenschildes. Beide Genossenschaften vereinigten sich, doch entstand bald ein Streit, wer das Georgenbanner tragen dürfe, bis man dahin übereinkam, es solle täglich wechseln. Zum Kampfe Vad die Ungläubigen begründet, dienten diese zerbände später auch der Verteidigung der Vorrechte des Adels gegen die wachsende Macht der Städte. Kaiser Friedrich III. stiftete 1468 einen geistlichen Ritterorden des heiligen Georg, welcher kämpfen sollte zur Ehre Gottes, der heiligen Jungfrau, des kath. Glaubens und des Hauses Osterreich. Papst Paul II. bestätigte ihn. Er hatte seinen Sitz zu Mühlstädt in Kärnten. Die Mitglieder verpfichteten sich zum Gehorsam, zur Keuschheit und zum Kampf gegen die Türken. Nur zu bestimmten Zeiten trugen sie Ordenstracht, bestehend aus einem weißen mit rothem Kreuze versehenen Gewande. Im 16. Jahrh. ging der Orden ein; das Hauptkloster kam an die Jesuiten. Die Güter fielen an die Krone. Auch in Bayern gab es einen geistl. Ritterorden des heiligen G. Dessen Ursprung ward bis in die Zeit der Kreuzzüge zurückgeführt auf die Herzöge Otto III. und Eckhard. Kaiser Maximilian I. stellte ihn wieder her, doch geriet er abermals in Verfall, bis Kurfürst Karl Albrecht (später Kaiser Karl VII.) ihn als Ritterorden erneuerte. (S. Georgsorden.)