Ewald (Johs.), einer der originellsten dän. Dichter, wurde 18. Nov. 1743 zu Kopenhagen geboren, wo sein Vater, Enevold C., Prediger und Direktor des Waisenhauses war. Nachdem er im 11. Jahre den Vater verloren, kam er in die Schule zu Schleswig. Als er in seinem 15. Jahre die Universität zu Kopenhagen beziehen sollte, erweckte der Heldenruhm Friedrichs d. Gr. seine Lust zu kriegerischen Thaten so ubrr daß er mit seinem ältern Bruder nach Hamburg entwich und von hier sich nach Magdeburg begab, wo er in ein Infanterieregiment eintrat. Später ging er zu den Osterreichern über, wurde erst Tambour, achten Unteroffizier und nahm an mehrern Schlachten von 1759 bis 1760 teil. Durch seine Familie losgekauft, kehrte er nach Kopenhagen zurück, wo er sich der Tähalne widmete und 1762 das Examen bestand. Unglückliche Liebe riß ihn jedoch aus dieser Bahn. Er gab sich dann mit Eifer dem Studium der ältern und neuern —. hin, unter welchen Klopstock namentlich durch den „Messias v einen entscheidenden Einfluß auf seine ästhetische Richtung gewann. Durch eine Allegorie, Der Tempel des Glücks», lenkte E. zuerst die Aufmerksamkeit auf 79• besonders aber machte seine Trauercantate bei dem Tode Friedrichs V.y (1766) großen Eindruck. überhaupt zeigte er sich im Lyrischen unübertrefflich. Formgewandt wie wenige und der Sprache efuhle. beherrschte er den Ausdruck der tiefsten Gefühle. Zumal auf dem Felde des lyrischen Dramas erntete er verdientes Lob. In Adam und Eva» (1765, umgearbeitet 1769) wird allerdings die Darstellung der gewaltigen Idee noch nicht ganz gerecht. Bei der in Prosa geschriebenen Tragödie »Rolf Krage» (1770) läßt 9 das Studium Shakspeares nicht verkennen. „Balders Todo (1773) ist ein ausgezeichnetes Kunstwerk in objektiv ⸗plastischer Form. Das vorzüglichste von E.s Dramen ist das vorwiegend lyrische «Die Fischer » (1778), in dem die Enfachheit der Exposition um so chse den Schmelz der dichterischen Bearbeitung durchscheinen läßt. Auch als komischer Dichter erwarb sich E. einen Namen; doch ist es nicht sowohl der leichte, treffende Witz, als das objektiv Lächerliche in Situationen und Charakteren, welches seine Arbeiten in diesem Genre, 3. B. „Die brutalen Klatschero (177½0 und «Harlekin Patrioty (1772), auszeichnet. Ein Anhänger des Gullberoschen Ministeriums, wurde er von dem Guldbergschen (1773) zurückgesetzt; auch die Unterstützung, welche ihm die Regierung in seinen letzten Jahren gewährte, war nur gering. Ge-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. zwungen, mit Gelegenheitsgedichten seinen Unterhalt zu suchen, geriet er in ein unordentliches Leen. Von seinen Verwandten verlassen, gepflegt von einer mildthätigen Frau, starb er zu Kopenagen 17. März 1781. Die frühern Ausgaben einer poetischen Werke (4 Bde., Kopenh. 1781— 91; 2. Aufl. 1814—16) sind durch die neue kritische von Liebenberg (S Bde., Kopenh. 1850 — 55) entric ge geworden. E·s Leben ist von M. Hammeri geschrieen (2. Aufl. 1861).