FeedExner (Wilh. Franz)
TechnikBrockhaus 1882

Exner (Wilh. Franz), ausgezeichneter Technolog, 9. April 1840 in Gänserndorf in Niederösterreich als der Sohn eines Beamten der Nordbahn geboren erhielt eine sorgfältige Erziehung, besuchte das Polytechnische Inftitut in Wien und wurde, nachdem er, erst 19 Jahre alt, die Lehramtsmettte für Maschinenlehre und darstellende Geometrie bestanden, für den Unterricht in den technischen Fächern an der Realschule in Elbogen (Böhmen) angestellt; von 1865 bis 1868 wirkte er in der gleischen Eigenschaft an der Oberrealschule in Krems. Im J. 1869 organisierte er den neuerrichteten Lehrstuhl für Ingenieurwesen und mechan. Technologie an der k. k. Forstakademie Mariabrunn und wurde 1875 als Professor derselben Fächer für die forstliche Fakultät der k. k. Hochschule für Bodenkultur in Wien berufen, welche Stellung er noch heute einnimmt; von 1881 bis 1882 fungierte er als Rektor der genannten Anstalt. E. entwickelte eine rege litterarische Thätigkeit als Technolog und gehört in dieser Beziehung der von C. Hartig begründeten Richtung an. Besondere Neigung wendete er dem gewerblichen Unterricht zu, für welchen er namentlich als Inspektor der Fachschulen (seit 1874), sowie als Vizepräsident des Niederösterreichischen Gewerbevereins sehr verdienstlich wirkte. Im Verein mit Bahans u. a. gründete er 1879 das technolog. Gewerbemuseum in Wien, eine rasch aufblühende, eigenartig organisierte Musteranstalt, deren Direktor er noch jetzt ist. E. wurde bei fast allen internationalen Ausstellungen der Neuzeit (1862 in London, 1867 in Paris, 1873 in Wien, 1878 in Paris) zu Vertrauensposten berufen und hatte namentlich 1873 und 1878 eine hervorragende Stellung als Juryreferent. Im J. 1881 ernannte ihn der Kaiser von Osterreich zum Hofrat; im Sommer 1882 wählte ihn der größte österr. Wahlbezirk (Sernals) in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats, wo er der deutsch-liberalen Partei angehört. Besondere Aufmerksamkeit hat C. als praktischer ö Ingenieur und als Schriftsteller der Holzbearbeitung, der Tapeten⸗ und Steinindustrie, sowie der Korbflechterei zugewendet und ein spezielles Verdienst hat er sich durch die Förderung der Hausin⸗[ dustrie in Ssterreich erworben. Sein litterarisches Hauptwerk ist: „Werkzeuge und Maschinen zur Holzbearbeitungs (3 Bde., Weim. 1878), dessen 3. Band gemeinschaftlich mit Karl Pfaff verfaßt ist. Andere Werke von ihm sind: Das Holz als Roh⸗⸗ stoff für das Kunstgewerber (Weim. 1869), (Die Tapeten⸗ und Buntpapierindustries (Weim. 1869), „Die Kunsttischlerei» (Weim. 1870), Der Aussteller und die Ausstellungen (Weim. 1873), «Studien über das Rotbuchenholzo (Wien 1875), Holzhandel und Holzindustrie der Ostseeländerꝰ, gemeinsam mit G. Marchet als das Ergebnis einer Studienreise nach den deutschen und russ. Ostseeprovinzen, Hamburg, Schweden und Dänemark im Auftrag des österr. Ackerbauministeriums veröffentlicht (Weim. 1876), 4Das Biegen des Holzes» (Weim. 1876), Die mechan. Hilfsmittel des Steinbildhauerso (Wien 1877), Das moderne Transportwesen im Dienste der Land⸗ und Forstwirtschafto (Weim. 1877), „Die Handsägen und Sägemaschineno (Weim. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 480Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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