Engerth (Wilh., Freiherr von), einer der bedeutendsten Ingenieure der Neuzeit, geb. 26. Mai 1814 in Pleß in Preußisch-Schlesien, wo sich sein Vater als Hofmaler des Herzogs von Anhalt-Köthen aufhielt. Nach beendeter Schulzeit erlernte er das Maurerhandwerk praktisch und absolvierte hierauf, um sich dem - zu widmen, vom J. 1834 an das Polytechnikum und die Akademie der Künste in Wien. Nachdem er bereits verschiedene Bauten auf den Gütern poln. Edelleute ausgeführt und in Galizien zahlreiche Aufträge erhal—⸗ ten hatte, gab er seine Stellung als Architekt auf und kehrte an das wiener Polytechnikum zurück, um sich dem Maschinenfach zuzuwenden. Im J. 1840 erhielt er an dieser Anstalt die Stelle eines Assistenten der Mechanik und vier 8 Pr. später an der technischen Schule in Gratz die Professur der Maschinenlehre. Beim Bau der Semmeringbahn nach Wien berufen, um über die infolge eines Preisausschreibens der österr. Regierung ausgestellten Lokomotiven sein Urteil abzugeben, fand er teine derselben für die steilen en Gebieas und scharfen Kurven dieser schwierigen Gebirgsbahn geeignet und bemühte sich infolge dessen selbst um die Lösung der Aufgabe. Es gelang ihm im J. 1850, eine Maschine zu konstruieren, bei welcher das Gesamtgewicht von Maschine und Tender für die Sytem nutzbar gemacht war. Nachdem sein System der Tenderlastzuglokomotive für den Betrieb der Semmeringbahn angenommen worden war, fand dasselbe in Österreich, Frankreich und der Schweiz mehrfache Anwendung und ist noch jetzt als System Engertho auf vielen deutschen Bahnen in Gebrauch. In demselben Jahre trat E. als technischer Rat in die damalige k. k. Generaldirektion der Kommunikation ein: 1851 ging er als Preisrichter zur ersten Weltausstellung nach London, 1854 als solcher zur deutschen Industrieausstellung nach München. Im J. 1853 wurde er als Vorstand der Abteilung dr Betriebsmechanik ins Handelsministerium berufen und 1855 übernahm er die Stelle eines Centraldirektors für den technischen Betrieb der österr. Stagtseisenbahngesellschaft, deren Generaldirektor er später wurde, in welcher Stellung er eine rastlose Thätigkeit nicht allein zu Gunsten technischer Reformen, sondern auch zur Verbesserung der Lage von Beamten und Arbeitern entfaltete. Bei Gelegenheit der zweiten pariser Weltausstellung im J. 1855 erhielt E. für Fortschritte im Lokomotivbau die große Goldene Ehrenmedaille und den Orden der Ehrenlegion; vom Niederösterreichischen Gewerbeverein wurde ihm die große Goldene Medaille zuerkannt. Nachdem er 1859 noch Mitglied der Ministerialkommission für die Zollrevision gewesen war, verließ er 1860 den Staatsdienst mit dem Titel Regierungsrat. Ein besonderes Verdienst erwarb sich E. durch seine dhrer Löfung die Frage der Donauregulierung ihrer Lösung näher zu bringen. Als Mitglied der für diesen Zweck niedergesetzten Kommission war er 1867—68 Berichterstatter für das Komitee derselben und trug durch die in seinem meisterhaften Exposé enthaltenen Vorschläge wesentlich zur erfolgreichen Durchführung der Regulierungsarbeiten bei, wofür ihm 1869 Titel und Charakter eines k. k. Hofrats verliehen wurde. Nach seinem Projekt wurde 1872 —73 zur Bekämpfung der alljährlichen überschwemmungen eine Absperrvorrichtung im wiener Donaukanal ausgeführt; das Schwimmthor bei Nußdorf, durch welches das Eindringen des Eises in den Donaukanal verhindert wird, ist E.s Erfindung. Der Kommission für die Ile in Wien ange an der k. k. technischen Hochschule in Wien angehörend, wirkte E. mit Eifer und Umsicht für die Organisation der technischen Studien in Gsterreich. Bei der wiener Weltausstellung von 1873 mit der Oberleitung der großen Ausstellungsbauten betraut, entledigte er sich dieser Aufgabe in glänzendster Weise und fungierte zugleich als Chef des gesamten Ingenieurwesens, sowie bei der Jury der Ausstellung als Gruppenpräsident. Im J. 1874 wurde er zum lebenslänglichen Mitglied des österr. Herrenhauses ernannt und 1875 als Ritter der Eisernen Krone zweiter Klasse in den Freiherrenstand erhoben. E. ist Mitglied des österr. Reichsrats, sowie zahlreicher technischer Gesellschaften. Fachwissenschaftliche Artikel und Vorträge von ihm finden sich in der Zeitschrift des genannten Vereins und in einzelnen Broschüren. 2914