FeedExtrakt
NaturlehreBrockhaus 1882

Extrakt (lat.) nennt man im engern Sinne ein pharmaceutisches Präparat, das man erhält, indem man Pflanzensubstanzen mit irgend einem Lösungsmittel, gewöhnlich mit Wasser oder mit Alkohol auszieht und die erhaltene Flüssigkeit bis zu einer gewissen Konsistenz, welche man die Extraktkonsisten Caft er abdampft, oder indem man den gepreßten Saft einer Pflanzensubstanz durch Abdampfen konzentriert. Die E. enthalten daher immer nur diejenigen Bestandteile der organischen Substanz, welche in dem eigenen Safte der letztern oder in dem verwendeten Auflösungsmittel löslich und während des Abdampfens nicht verflüchtigt worden sind. Da aber viele der auszuziehenden Stoffe flüchtiger Natur sind, so ist ein großer Unterschied, ob das E. bei hoher oder bei niedriger Temperatur bereitet worden ist. Je nachdem man als Auflösungsmittel Wasser, Wein oder Weingeist angewendet hat, unterscheidet man wässerige C. (Extracta aquosa), weinige und geistige C. (Extracta vinosa und spirituosa). In einigen Fällen wendet man auch zum Ausziehen Ather an. Die aus dem Saft durch Eindampfen bereiteten E. heißen, wenn sie aus Fruchten (Pflaumen, Tamarinden) oder Beeren oder gewissen Wurzeln (Wacholderbeeren, Möhren) dargestellt wurden, Fruchtmark (Pulpa) oder Mus (Rob). Je nachdem die E. aus bittern, färbenden, gerbstoffhaltigen, gummigen oder Uch Witt Stoffen dargestellt worden sind und folglich Bitterstoffe, Pigment, Gerbstoff, Gummi, Harz u. s. w. enthalten, unterscheidet man bittere, färbende, gerbende Ertrakte u. s. w. Farbeholzextrakte (wie Blauholzextrakt) und gerbende E. (wie Eichenrindenertrakt, Knoppernextrakt) werden jetzt zu technischen Zwecken fabrikmäßig dargestellt. Bezüglich der Konsistenz der E. unterscheidet man dünne, von der Dichtigkeit des frischen Honigs, dicke, welche sich nach dem Erkalten nicht mehr ausgießen lassen, und trockene C.; bezüglich der Bereitungsart warm und kalt bereitete (Extracta via calida und via frigida parata). Das Ausziehen der Pflanzensubstanzen ge-I t häufig nach der Verdrängungsmethode durch ie Realsche und Romershausensche Luftpresse, die Abdampfung am zweckmäßigsten bei möglichstem Abschluß der Luft. Wenn bei der Bereitung der E. der Luftzutritt nicht sorgfältig vermieden wurde, so bildet sich auf der Oberfläche der Lösung des E. eine Haut, die sich unter fortwährendem Absatze stets erneuert; man nannte diesen Absatz früher Apothema. Am besten nimmt man das Eindampfen in der Vacuumpfanne vor. Als Arzneimittel betrachtet, sind die E. äußerst unsichere Präparate mit wechselnden Bestandteilen. Konzentrierte Nahrungsmittel und Genußmittel werden gleichfalls E. genannt, so das Fleischextrakt (. d.), das Milchextralt oder die kondensierte Milch und das Malzextrakt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 491Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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