FeedFalnn
ErdkundeBrockhaus 1882

Falnn, Hauptstadt der schwed. Landschaft Dalarna oder Dalekarlien (s. d.) oder des Falu-Län (häufig auch Stora Kopparbergs-Län genannt), liegt in einem Thale zwischen den Seen Warpan, Tisken und Runn, an der Schwedischen Nordbahn, in einer öden und felsigen Gegend, ist Bergstadt und Sitz des Landeshauptmanns. Der Ort zählt (1881) 7413 E., hat eine höhere Gelehrtenschule, ein 1822 gestiftetes Lehrinstitut für praktische Bergwissenschaften, bis 1869 Staatsschule, jetzt von der Societät der Bergwerksbesitzer unterhalten, mit Laboratorium und verschiedenen Sammlungen. Es befindet sich hier das ehemals reichste Kupferwerk in ganz Schweden und vielleicht an Ausdehnung das größte der Erde, von Gustav Adolf die Schatzkammer des Reichs genannt. Die Grube (Stora Kopparberget), westlich vor der Stadt gelegen, besteht aus einer offenen Pinge, Stöten genannt, einem Abgrunde, entstanden im 17. Jahrh. und namentlich 1687 durch den Einsturz vieler alter Grubenbaue, deren Spuren an dessen senkrechten Wänden noch sichtbar sind. Die Grube ist 350 m lang, 195 mebreit und 88 mtief, sodaß die Bergleute an den meisten Stellen beim Tageslichte arbeiten können. Unten am Boden, den eine Masse von ungeheuern Schutthaufen bildet, befinden sich die Eingänge zu den weit tiefern, jetzt im Betriebe ½ Gruben. Im Sommer und Herbst 1876 sind nochmals ausgedehnte Einstürze vorgekommen. Außer den merkwürdigen, von Wasser getriebenen Maschinen enthält das Kupferbergwerk noch mehrere andere Sehenswürdigkeiten, wie den in den Felsen gehauenen Ratssaal, ein Zimmer für das ehemalige Grubengericht, den Kirchensaal, eine mineralog. Bibliothek, ein reiches Mineralienkabinett. Seit 1716 ist das Bergwerk im Besitz einer großen Aktiengesellschaft, deren Kapital sich auf 1200 Aktien verteilt, der aber auch bedeutende Wälder, mehrere Eisenbrüche und eine Anzahl von 60— 70 Hoh-⸗ und Schmelzöfen der Umgegend gehören. Die Ausbeute an Kupfer war früher viel bedeutender als jetzt, und Atvidaberg in Ostergötland lieferte vor einigen Jahrzehnten bei weitem mehr. Die Ausbeute betrug 1650, wo das Bergwerk zu F. in seiner Blüte stand, Über 65000 Ctr. Garkupfer, 1881 aber (außer 4 Pfd. Gold und 1079 Pfd. Silber) nur 14 736 Ctr. Garkupfer. Außerdem wird Schwefel und viel Vitriol gewonnen. Auch sind mit der Kupfergrube eine vorzügliche Schrotfabrik, sowie Anstalten zur Bereitung von Vitriol, Schwefel und Braunrot verbunden. Die Stadt F. ist regelmäßig gebaut, hat lange und breite, sich rechtwinkelig schneidende Straßen, sechs Plätze, zwei Kirchen, aber ein durch den Hüttendampf verursachtes sehr finsteres Ansehen. Doch gilt die Gegend so wenig für ungesund, daß man sie vielmehr bei ansteckenden Krankheiten als Dule por W betrachtet, sowie auch der Dampf das olz vor Würmern und Fäulnis bewahrt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 556Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 9

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6