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TechnikBrockhaus 1882

Farbe für Buchdruck. Die schwarze Farbe (Buchdruckschwärze) besteht hauptsächlich aus Leinölfirnis und Ruß. Das Verfahren zur Gewinnung des letztern in den Fabriken ist folgendes. Bei der Verbrennung von kohlenstoffreichen Substanzen unter gehemmtem Luftzutritt entsteht Rauch und Ruß. Der Ruß setzt sich an kältern Orten als eine lockere, glanzlose, pulverige Masse (Flatterruß), an wärmern als eine glänzende, dichte schwarze Masse (Glanzruß) ab. Als Material dienen harzreiches Holz, Kienholz (daher auch Kienruß), Harze, Rückstände der Pechsiederei, Teer, Teeröle, Coks u. s. w. Als Apparat dient ein Schwelofen, der an einer Seite eine dicht schließende Thür und an der Decke eine große viereckige Offnung hat, über welcher ein hoher kegelförmiger Sack aus starker, doch sehr lockerer Leinwand oder Flanell befestigt ist. An diesem sammelt sich der Ruß und muß von Zeit zu Zeit abgeklopft werden. Nach dem Erkalten des Ofens wird zuerst der am Boden liegende Ruß herausgekehrt und hierauf der an den Wänden hängende gesammelt. Der feinste Ruß ist der Lampenruß. Er wird vermittelst Öllampen in einer den Luftzutritt hemmenden Vorrichtung erzeugt, gegen deren mit Wasser kalt ge-Wu ab Deckel die Flamme schlägt und daran den Ruß absetzt. Der zur Druckfarbe benötigte Firnis wird hergestellt, indem man altes Leinöl in Gefäßen mit festschließendem Deckel so lange kocht, bis dasselbe die Konsistenz des Sirups angenommen. Durch das Kochen werden die Schleimteile niedergeschlagen, durch welche die Farbe nicht trocknen und außerdem schmieren würde. Um nun Buchdruckfarbe herzustellen, muß der Ruß mit dem Firnis in Verbindung gebracht werden. Dies geschieht in den Fabriken durch Farbereibmaschinen, in denen beide Bestandteile vermischt durch immer enger gestellte Walzen hindurchgeführt werden. Die Feinheit der Farbe bemißt man nicht allein nach der Qualität des darin enthaltenen Rußes, sondern mehr danach, wie oft die Farbe durch die Reibwalzen der Maschine gegangen. Die bunten Druckfarben werden von den Fabriken als trockene (mineralische oder Erdfarben) oder zu Teig angeriebene geliefert und sind in diesem Fall von dem Buchdrucker zum Druck derart zu präparieren, daß man sie entsprechend mit Firnis sättigt und fein reibt. Die Fabriken liefern aber auch gleich in dieser Weise fertig präparierte Farben, die man also nach kurzem Durchreiben sofort verwenden kann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 568Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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