FeedFarre (Jean Joseph)
GeschichteBrockhaus 1882

Farre (Jean Joseph), franz. General und Kriegsminister, geb. 5. Mai 1816 zu Valence im franz. Depart. Dröme, wurde auf der Polytechnischen Schule für den Geniedienst vorgebildet und trat jung als Offizier in die franz. Armee ein, in welcher er bei Ausbruch des Kriegs gegen Deutschland 1870 als Oberst die Stelle des Geniedirektors in Lille bekleidete. Nach dem Sturz des Kaiserreichs betraute ihn die Regierung der nationalen Verteidigung unter Ernennung zum Bridegeneral mit dem Auftrag, die in den nördl. partements vorhandenen Streitkräfte zu organisieren, über welche 22. Okt. General Bourbaki den Oberbefehl übernahm; F. wurde dessen Chef des Stabes. Als General Bourbaki 19. Nov. nach dem südl. Frankreich berufen wurde, überließ man F. den Oberbefehl über die aus drei schwachen Divisionen 4½ Nordarmee, welche in Stärke von 30000 Mann und 50 Feldgeschützen bei Amiens stand und noch nicht operationsfähig war. F. — vor Amiens eine für sein Heer zu ausgedehnte Verteidigungsstellung zwischen dem Cellebach und Villers-Bretonneur, ließ dieselbe verschanzen und erwartete den Angriff der unter General Manteuffel von Metz heranrückenden Erdeutschen Armee. Am 27. Nov. 1870 wurbeide Flügel der franz. Stellung angegriffen (. Amiens), worauf F. gegen Abend den Rückzug auf das rechte Ufer der Somme antreten und während der Nacht auch Amiens räumen ließ. Die franz. Nordarmee ging bis nach Arras zurück und trat 3. Dez. unter den Befehl des aus Algerien herzuberufenen Generals Faidherbe, bei welchem F. bis zum Schlusse des Kriegs als Stabschef verblieb. Im J. 1875 wurde F. zum Divi-Lenumg des ernannt und 23. Sept. 1880 mit der itung des Kriegsministeriums betraut. In die⸗ —* ½ entwickelte F. große Thätigkeit für ie Republikanisierung des Offizierkorps und entfernte alle als Legitimisten oder Bonapartisten bekannten Persönlichkeiten aus den einflußreichen Stellungen, hatte jedoch keine glückliche Hand in der Auswahl der zu deren Ersatz bestimmten Offiziere und erwies sich schließlich bei der Vorbereitung des Feldzugs gegen Tunesien derartig unfähig auf organisatorischem Gebiete, daß sich sein Verbleiben im Ministerium nicht länger rechtfertigen ließ. F. trat deshalb 10. Nov. 1881 in den Ruhestand und hielt sich seit dieser Zeit von polit. Thätigkeit fern. ere Parasange oder Agatsch, Namen des bis ins J. 1874 gesetzlich gewesenen Meilenmaßes in der Türkei und in Persien, die Wegstunde vorstellend, nach den früher üblich gewesenen Meilensteinen so benannt, s. Agatsch. In Armenien gingen 25 F. auf den Beineände Während das eigentliche türkische F. eine Länge von 5001 m war, ist das persische F. eigentlich eine Strecke von 6000 Zer der P. (königl. Zer) = 6720 m, bezeichnet aber in der Praxis Entfernungen von sehr verschiedenen Größen und wird (als sog. «leichtes F.v) durchschnittlich 5065 m, in manchen Gegenden jedoch u 12000 Schritten = ungefähr 6110 m gerechnet. Auf eine Tagereise (Mänzil) rechnet man in Persien im Durchschnitt 5½ bis 6 der erstern, kleinern F. Im Altertum galt das arabische und persische F. 3 arab. Meilen oder 18 000 Fuß = 5760 m, das armen., syr. und ägypt. 3 armen. Meilen oder 3600 Schritt 6480 m. Das ursprüngliche F. der Perser, Chaldäer, Phönizier etc. begriff 250 Schebel oder 10000 ägypt. königl. Ellen = 5250 m. arsäninseln, eine Gruppe kleiner Eilande im südl. Teile des Roten Meeres, im ONO. der Dahlakinseln, zwischen 16· 300 und 17² nördl. Br., 49 km von der Küste Arabiens entfernt, gegenüber von Dschisan, dem Hafen von Abu-Arisch. Die beiden eghir sind von kleinen Inselchen, sowie von einigen hundert Korallenriffen umgeben. ärse, s. Ferse. arsel, 71. Fa s. Frasil. arseng, s. Farsang. arsistan (Far per. Provinz W. im O. an Kirman und Laristan, im N. an Frak Ad Meerim W. an Chusistan, im S. an den Persischen Meerbusen und hat ein Areal von 137660 qkm. Die Provinz steigt terrassenförmig vom Meere zur Hochebene auf und ist der von der Natur am meisten bevorzugte Teil Persiens, aber noch sehr unbekannt und unerforscht. Die reichbewässerten Thäler gehören zu den fruchtbarsten Gegenden der Erde, wie das von pers. und arab. Dichtern als irdisches Paradies gepriesene Schabbevan. Nur der heiße Küstenstruch „Deschistan oder Germasir genannt, zeigt außer einigen Palmen keinen Pflanzenwuchs. Hinter demselben erhebt sich das Land zum Tengsir (Land der Pässev), dann zum Serhad oder Serdsir (akaltes Lando) und zuletzt zur er Prestaf Unter den Flüssen sind der Sefidrud, der Bend und der in den Salzsee Bachtegan mündende Bendemir die bedeutendsten. Das Klima ist, die Küste ausgenommen, gemäßigt und gesund, der Sommer sehr Pöstt der Winter sehr kalt, aber Frühling und Herbst östlich. Man baut Reis, Obst, Datteln, Wein, Oliven, Baumwolle, hochgeschätzten Tabak, gewinnt Cochenille, Seide und Rosenöl. Manche der Einzweige sind noch in Thätigkeit. Die Zahl der Einwohner wird mit Einschluß der Provinzen Chusistan und Laristan auf 1 Mill. geschätzt. Die Städtebewohner sind iranischen Stammes, die ländlichen Hirtenstämme, kurdische Luren, zerfallen in die 10—12000 Seelen zählenden Mamazenis, zwischen Schiras und der Küste, und die mehr als 30000 Seelen zählenden Kughelus, nördlich von erstern. Hauptstadt ist Schiras, Haupthandelsstadt Abuschehr (s. d.). F. ist das alte Persis, das Stammland der alten Perser, von deren Städten Perse-Huin (s.d.) und Pasargadä sich hier noch großartige uinen finden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 590Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6