Faß ist der Name eines an mehrern Orten Deutschlands früher gebräuchlich gewesenen Getreide⸗ und Flüssigkeitsmaßes von verschiedener Größe, dann auch eines ältern Flüssigkeitsmaßes in OÖsterreich, Ungarn und im schweizer Kanton Freiburg und eines ebensolchen Maßes in einigen russ. Plätzen. In Deutschland (seit 1872), Osterreich-Ungarn (seit 1876) wurde das F. durch das neue, französische metrische System verdrängt, im Kanton Freiburg (1840) durch den kleinern Muid (Saum, Ohm), in den betreffenden russ. Städten (1845) durch das russ. Maß. In Deutschland ist F. nach dem Gesetz eine (aber nur amtlich vorkommende) Bezeichnung für das Hektoliker von 100 Litern beim Trockenmaße. 1) Getreidemaß. In Hamburg und Altona war das F. von 2 Himten oder Himpten seit Mai 1844 dem preuß. Scheffel gleich 2770,742 pariser Kubikzoll oder 54,9615 1, vorher aber = 3872 hamburger Kubikzoll 2658,45 pariser Kubikzoll 52,½j½4 1 0,959J%½7 neue F. In Lübeck war das F. zweierlei: im Großverkehr für Weizen, Roggen, Gerste und Erbsen 437¼ pariser Kubikzoll oder 8,6735 I, im Großhandel für Hafer und auf dem Markte für alle Früchte 498 pariser Kubikzoll 9,s7ss 1. Im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin war das F. oder Viertel (Vehrt) zu 4 Spint oder Metzen vom gesetzlichen Landes⸗ oder rostocker Maß 708 mecklenburger Kubikzoll 509 pariser Kubikzoll = 10,097 1, vom wismaren Maß = 482½ pariser Kubikzoll = 9,571 1 — fast ½ rostocker F. 2) Flüssigkeitsmaß. In Preußen war beim Biermaß das F. von 2 t ⸗ 200 Quart = 12800 preuß. Kubikzoll 11544¾ pariser Kubikzoll 229 J. In Leipzig (bis Ende Okt. 1858) war beim Weinmaß das F. von 5 leipziger Eimern = 19120 pariser Kubikzoll 379 ½ I, beim Spiritusmaß im Großhandel das F. von 3 dresdener Eimern 10187,7 pariser Kubikzoll = 202,s7 I, dem preuß. Orhoft (von 206,105 ]) gleichgerechnet, beim Biermaß das F. von 2 Vierteln, 4 t oder 6 Eimern — 26221,7 pariser Kubikzoll 520½ 1. In Dresden und seit 1. Nov. 1858 in ganz Sachsen war das F. für Wein u. s. w. von 6 dresdener oder sächs. Eimern oder 432 Kannen — 30 752,35 sächs. Kubikzoll 20375,4 pariser Kubikzoll 404,17 I, das F. für Bier von 2 Vierteln, 4 t oder 5¾ Weineimern oder 420 Kannen = 29898,12 sächs. Kubikzoll 19809,4 pariser Kubikzoll = 392,95 1. In Bayern (mit Ausnahme der Rheinpfalz) hatte das F. Bier 24 Visiereimer oder 1536 Maß 66048 bayr. Decimalkubikzoll 82778,4 pariser Kubikzoll 1642,03 1. In Hamburg begriff das F. Thran 7½ Stechkannen oder 1¼ alte Thrantonne ⸗ 7412½ pariser Kubikzoll oder 147 I, und sie wurde an Gewicht zu 270 jetzigen deutschen Pfd. oder 135 kg gerechnet. In Lübeck war das F. für Branntwein dem Weinorhoft gleich, 11002/ pariser Kubikzoll oder 218¼ 1, das F. für Bier von 4 Ankern oder 20 Vierteln 7512,32 pariser Kubikzoll oder 149,02 1. In Ssterreich begriff das F. für Wein 10 Eimer oder 400 Maß = 17,2 wiener das F. für Bier 2 Eimer oder 80 Maß = 8,584 wiener Kubikfuß = 5705,58 pariser Kubikzoll 113,16 1. In Böhmen war bis Ende Mai 1856 (Termin der ausschließlichen Gültigkeit der —5 wiener Maße) das F. von 4 Eimern für alle Flüssigkeiten 172,s wiener Maß 12323/ pariser Kubikzoll = 244/8 J. In Ungarn kamen drei verschiedene Weinmaße des Namens F. vor: das oberungar. F. oder tokayer Weinfaß von 2½¼ ungar. oder preßburger Eimern oder 176 Halben (ungar. Jeze), das erlauer F. von 3 ungar. Eimern oder 192 Halben und das gönczer F. von 2½ ungar. Eimern oder 160 Halben (in der Praxis in Preußen 128 preuß. Quart gerechnet); der ungar. Eimer von 64 Halben war = 54,13711 2729,186 pariser Kubikzoll = 38,2669 wiener Maß oder 0,95 667 wiener Eimer, und man rechnete in der Praxis urh wohl 100 ungar. Eimer = 94 wiener Eimer. Im schweizer Kanton Bern war das agemeinev F. von 4 Saum, 16 Brenten (Eimer) oder 400 Maß (Pinten) = 33 700 pariser Kubikzoll oder 668½ 1, das Landfaß 1½ gemeine F., 6 Saum, 24 Brenten oder 600 Maß, sonach = 50550 pariser Kubikzoll oder 1002/ 1. Kanton Freiburg war das Flüssigkeitsmaß örtlich sehr verschieden; das F. oder die Fahrt von 16 Brenten (Eimern) oder 400 Maß war in der Stadt Freiburg = 31496 pariser Kubikzoll oder 624,77 1⸗ 416½ jetzige schweizer Maß (Pots), in Greyerz (Gruyeres) 50360 pariser Kubikzoll oder 998,96 1. In Livland war in Riga das F. Branntwein 105 neue Stof oder 87½ Pegelstof oder Visierstof 8171 ½ russ. oder 01 bikzoll 133,90 1 6750 ½ pariser Kubikzoll, in Pernau das F. Bier und Branntwein 128 dasige Stof 8320 pariser Kubikzoll oder 165,4 J. * Narwa (im Gouvernement etersburg war das Flüssigkeitsmaß dem von Pernau gleich. In Estland hatte das F. Branntwein 130 revaler Stof 9337,9 russ. oder engl. Kubikzoll =153,011⸗ 7714,½2 pariser Kubikzoll. Das Fäßchen Blech enthält in Deutschland 450 Blatt. Das Fäßli für Kalk war ehemals im schweizer Kanton Bern eine Kiste von 2½ berner Fuß, Länge und Breite und 2½¼ Fuß Höhe, also von 131½ Kubikfuß = 340½ 1. Ebenda enthielt das Fäßlein für Gips 7 Eimer oder Brenten Flüssigkeitsmaß oder 21 gehäufte berner Mäß Trockenmaß = 14% berner Kubikfuß oder 37515 1. assa (Val di), deutsch Fassa-oder Evasthal, heißt die oberste Stufe des vom Avisio durchflossenen Thals in der tirol. Bezirkshauptmannschaft Cavalese, ein malerisches Hochthal, 25 Em lang, 1—2 km breit, 121500 m über dem Meere gelegen, umgeben von den schroffen Dolomit⸗ und Porphyrgipfeln der Marmolata (3494 m), der Monzoniberge, des Langkofels und des Rosenartens. Das Thal bildet einen eigenen Gerichtsbezirk, dessen Hauptort Vigo di Fass a 1262 m über dem Meere an der rechten Thalseite liegt, und zählt (1880) 4402 meist Viehzucht und Holzhandel treibende Einwohner ladinischen Stammes. Die wilde Großartigkeit der Landschaft, verbunden mit dem Reichtum an seltenen Mineralien und Pflanzen, machen Val di F. zu einem der interessantesten Thäler Tirols; der wichtigste Punkt für den Touristenverkehr ist nächst Vigo di F. das Dorf Campidello, 1386 meüber dem Meere, 10 km oberhalb Vigo an der Mündung des Duronthals gelegen. Mit dem Etschthal ist F. durch den Paß über die Seisseralp und den Caressapaß (1686 m), mit dem Grödnerthal durch das Sellajoch (2230 mj verbunden, mit dem Thal des Cordevole durch den Fedajapaß (2041 m). Thalabwärts führt von Vigo an eine Poststraße. Der Fluß des Thals, der Avisio, entspringt aus den Gletschern der Marmolata, fließt zuerst nach NW., biegt bei Campidello nach SW. um und behält im allgemeinen diese Richtung bei, bis er nach etwa 100 km langem Laufe sich in der Nähe von Lavis in die Etsch ergießt. Aus seiner obersten Thalstufe tritt er bei Moéna (1181 m) in die zweite Stufe, das Fleimserthal oder Val di Fieme; dasselbe ist bis Val Floriana gegen 38 km lang, breiter und besser angebaut als das Fassathal. Sein Hauptort Cavalese (s. d.) ist mit Neumarkt im Etschthale durch die Poststraße über das Joch von San-Lugano (1094 m), den Hauptverkehrsweg des Avisiothals, verbunden. Die unterste Thalstufe, von Val Floriana bis Lavis (206 m über dem Meere) 34 Em lang, heißt Val Cembra, deutsch Zimmerthal, ist eng und wild, von Lavis aus auf holperigem Fahrwege schwer zugänglich; darin sind die Hauptorte Cembra (1641 C.), Sitz des Bezirksgerichts, und Segonzano (1821 C.). Das Zimmerthal fällt mehr dem Etschthal au und Keboört auch zur Bezirkshauptmannschaft Trient. Die Bewohner des Fleimser-und Zimmerthals sind jetzt ital. Zunge, während früher eine große Schichte deutsch war. Alle drei Thalstufen haben zusammen eine Bevölkerung von 31 968 E. Vgl. reshfield, Italian Alpso (Lond. 1875). „Fastbinder, soviel wie Böttcher oder Küfer, ein Handwerker, welcher Fässer verfertigt. (S. Faßfabrikation.)