Fatum (lat., Mehrzahl Fata), d. h. Schicksal, ist der Ausdruck für die einem dunkeln Gefühl entsprungene und nicht klar durchdachte Vorstellung von einer in der Welt waltenden, aber auf kein bestimmtes Subjekt zurückzuführenden, unvermeidlichen und unentfliehbaren Vorherbestimmtheit aller Ereignisse, welche die menschliche Freiheit insofern aufhöbe, als auch ein anderes absichtliches Handeln nach dieser Ansicht keine andern als eben die vorherbestimmten Wirkungen hervorgebracht haben würde. Der Glaube an ein F. ist eine uralte Vorstellungsweise, die sich deshalb so leicht erzeugt, weil einzelne Handlungen und Thätigkeiten gegen den Gang der Ereignisse im großen oft sich als ohnmächtig zeigen und zu einem der Absicht entgegengesetzten Ziele führen. So mythologisierten die Griechen das Schicksal als eine unbegreifliche dunkle Macht, der selbst die Götter unterthan seien. Dabei wurde der Begriff des F. aber selten streng festgehalten, sondern bald mit dem Begriffe des natürlichen, durch Ursachen vermittelten Zusammenhangs der Ereignisse vermischt, bald durch den Begriff einer moralischen, in ihrer Vernünftigkeit notwendigen Ordnung der Dinge veredelt, wie bei den griech. Dichtern und den Stoikern, bald als metaphysische und ontologische Notwendigkeit des (ndlin as. Seins gedacht, wie bei Leibniz, bald endlich als göttliche Vorherbestimmung (s. Prädestination) aufgefaßt, vermöge welcher das, was jedem beschieden sei, unvermeidlich eintrete. Letzteres geschieht im mohammed. Fatalismus und in der Prädestinationslehre des Augustinus, nach welcher für jedermann sein seliges oder unseliges Endziel, das er einst erreichen wird, von vornherein auf unveränderliche Art durch göttlichen Ratschluß vorgezeichnet steht, ohne daß er etwas dazu oder dagegen vermag, weil all sein Denken, Glauben und Thun nur mit zu dem gehört, was eben dieser Ratschluß über ihn verhängt hat.