Fortuna, bei den Griechen Tyche, die Göttin des Zufalls, des Glücks, nach Hesiod eine Tochter des Okeanos, nach Pindar, der ihr auch die Be— Moren o der Städte zuschreibt, Schwester der kören oder Parzen, steht dem eigentlichen Schicksale oder Fatum, das seine Herrschaft nach fester Bestimmung übt, entgegen, insofern sie gesetzlos wirkt, nach Laune bald gibt, bald versagt, und bald Freude, bald Trauer verursacht. Sie hatte an vielen Orten Heiligtümer, so zu Smyrna, zu Pharä in Messenien, in Clis, in Sikyon, Argos, Theben, wo sie Plutos, den Gott des Reichtums, als Knaben auf dem Arme trug. In Italien war der Dienst der F. sehr alt und äußerst ausgedehnt. In Rom, wo die Göttin viele Tempel in und außerhalb der Stadt besaß, wurde F. unter vielen Namen verehrt, z. B. als F. Equestris, Virilis, Publica, Privata, Muliebris u. s. w. Die Göttin des Zufalls im eigentlichen Sinne des Wortes hieß Fors Fortuna. Der Göttin des Staatswohls, der F. publica, stand die der Einzelnen, die P. privata gegenüber, welche in eine zahllose Menge einzelner F. zerfällt, indem ihr die Namen einzelner Familien und Personen oder Grundstücke beigelegt wurden. Die F. equestris war die des Ritterstandes, die F. muliebris die der Frauen. Ferner gab es z. B. eine F. des heutigen Tags, der günstigen Gelegenheit, hujusce diéi, eine gnädige F., F. obsequens, eine Göttin der glücklichen Rückkehr, E. redux u. s. w. Eine eigene Bedeutung erhielt die F. Virilis, nämlich als Frauenglück bei Männern. Außer Rom wurde sie besonders zu Antium und Präneste verehrt; im erstern Orte erteilten die beiden F., welche dort verehrt wurden, durch die Bewegungen Orakel, welche ihre auf Bahren getragenen Bildsäulen machten, im letztern bekam man Orakel durch Stäbchen mit eingeschnittener Schrift. Die künstlerische Darstellung vob bei der Tyche und dann ebenso bei F. durch Attribute entweder wie durch das Steuerruder ihre lenkende Gewalt, oder wie durch das Füllhorn ihren Reichtum an Gaben, oder auch wie durch eine Kugel ihre Flüchtigkeit hervor. Häufig legte man ihr mehrere Attribute zugleich bei. Die F. R d. h. die erstgeborene, welche auch in Rom als P. publica primigenia verehrt wurde ward zu Präneste mit Jupiter und Juno als ihren Kindern an ihrer Brust dargestellt, die eine F. zu als Matrone gebildet. — F. ist auch der Name des 19. Asteroiden. (S. Pianeten)