FeedFeen
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Feen sind geisterhafte weibliche Wesen der roman. und kelt. Volkssage, in denen sich verschiedene mythische Gestalten mischen. Sie sind ebenfalls in die deutsche Volkspoesie eingedrungen und haben sich hier mit den altgerman. Nornen zu F. vermischt. Sie erscheinen in älterer Zeit bald als Feie, bald als Feine. Zu den F. gehören: 1) die alten drei roman. Schicksalsgöttinnen, die tria fata, von denen die F. auch den Ramen haben (tata, proveng. fada, span. hada, frz. fée). Mit diesen mischten sich die drei matres oder matronae, mütterliche Schutzgöttinnen kelt. Ursprungs. So wie die german. drei Nornen sich in jüngerer Zeit vervielfachten, thaten es auch diese fata und matres. In den Besuchen, welche die F. namentlich in der Neujahrsnacht den Häusern der Menschen abstatten, sowie in ihrer Teilnahme an dem %½ der Kinder leben die Erinnerungen dieser Klasse fort. Der böse Zug des Lebens wird gewöhnlich durch eine böse F. vertreten. 2) Weibliche Elementargeister, die vorzüglich gern im Walde, in Hügeln und Felsen und an Gewässern leben. Sie lieben den Tanz, dessen Spur die Feenringe (cereles des tées) gleich unsern deutschen Elben⸗ und Hexenringen, verraten, und werden oft waschend naberr wonach sie ihr Linnen an den Steindenkmälern trocknen, in denen sie auch wohnen (grottes oder chambres aux fées). Verschiedene Orte, namentlich alte Schlösser, wurden als Feenorte genannt. Berühmt war besonders der Wald Brecheliant in der Bretagne und die sagenhafte Insel Avalon im Ocean. Als Königin der F. wird im 13. Jahrh. die Domina Habundia (Dame Abonde) genannt, welche schon im Namen auf die Segensfülle deutet, welche dieses Geschlecht spenden kann. Franz. Namen der F. sind auch divesses, dames blanches, bonnes dames, bonnes et franches pucelles. Endlich 3) standen menschliche Weiber im Rufe, F. zu sein; diese unterste Art berührt sich mit den Hexen. Schon frühzeitig bemächtigte sich die Poesie des überaus reichen Stoffs, welcher in den Feensagen liegt. Bereits in den breton. Lais un den franz. Fabliaux tritt das hervor. Bedeutender erscheint dieses Element in einigen Romanen: dem Lancelot au lac, dem Vsaie le Tristes und der Melusiney. Die ital. Dichter des 15. und 16. Jahrh. benutzten die F. reichlich. Auch das eigentliche

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 635Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sagen & Mythen 6