FeedFeige
PflanzenreichBrockhaus 1882

Feige, Feigenbaum (Ficus), Pflanzengattung aus der Familie der Moreen, deren zahlreiche Arten, lauter Holzgewächse, teils mächtige, teils mittelgroße und unansehnliche Bäume, teils Sträucher und Kletterpflanzen, in der tropischen und warmen gemäßigten Zone beider Hemisphären einheimisch sind und in den Wäldern der Tropengegenden eine hervorragende Rolle spielen. Sie enthalten, wie die meisten Moreen, einen weißen, an Kautschuk reichen Milchsaft, haben abwechselnde, dünnhäutige und im Herbste abfallende oder lederartige, immergrüne, kuhie Blat oder handförmig gelappte, rauhe oder kahle Blätter und sind daran sicher zu erkennen, daß am Ende der Zweige eine spitze, grüne Knospe sich befindet, die aus einem oder mehrern zusammengerollten Nebenblättern besteht, unter denen ein oder mehrere Blätter liegen. Bei der Entfaltung der letztern fallen die Nebenblätter ab. Blüten im gewöhnlichen Sinne bringen die Feigenbäume nicht hervor, sondern es wachsen unmittelbar aus den Zweigen, oft aus den Blattachseln keulen-oder umgekehrt-eiförmige Körper hervor, welche, an Größe mehr und mehr zunehmend, sich unmittelbar zur sog. Frucht umgestalten. Es sind dies hohle Blütenträger (s. Fei-Hohlunn e welche im Durchschnitt eine innere Höhlung erkennen lassen, deren Innenwandung zahllose, äußerst kleine und einfach gebildete Blüten, und zwar eingeschlechtige, trägt. Jede Blüte besitzt ein dunnhäutiges, krichtersörmiges „gezähntes Perigon, das entweder drei Staubgefäße oder einen nicen Biutet mit einem Griffel birgt. Die männichen Blüten stehen in dem hohlen Blütenträger oberst, die weiblichen zu unterst. Nach dem erbluhen schwillt die Wand des Blütenträgers fleischig an, wobei sich in ihr oft Zucker bildet. Aus dem Fruchtknoten entsteht ein sehr kleines, einsamiges Nußchen. ie wichtigste Art der Gattung ist der gemeine Feigenbaum (F. carica J.). Dieser wahrscheinlich im Orient ursprünglich einheimische Baum findet sich gegenwärtig wild oder verwildert in allen Mittelmeerländern, wo er meist strauchartig oder als kleiner, krummstämmiger Baum in Hecken, an Waldrändern und Felsen vorkommt und nur kleine, ungenießbare Früchte trägt. Dagegen wird der kultivierte Feigenbaum in Südeuropa und allen wärmern Ländern bei gehöriger Pflege zu einem, wenn auch nicht hohen, aber wegen seiner breitästigen, malerisch geformten und schönbelaubten Krone Zweige su Baum. Die Rinde ist weißrau, die Zweige sind behaart, die Blätter herzörmig und drei⸗ bis fünflappig, schön grün, aber scharfhaarig. Die Früchte sind zuletzt birnförmig oder kugelig, sehr verschieden an Größe, Form und Farbung sowohl der Haut als des Fleisches, denn es gibt von diesem, seit den ältesten Zeiten kultivierten Baume zahllose Abarten, Spielarten und Varietäten. Die gemeine Feige ist im reifen Zustande äußerlich purpurblau und fein bereift, innerlich grünlichweiß. Ferner gibt es kleine weiße und kleine grünlichgelbe Feigen mit rotem Fleisch. Die große, weiße genueser Feige ist kugelig mit duünnem Stil, äußerlich weiß, inwendig rot. Diese und die Feigen von Savoyen gelten für die besten. Sicher aber stehen denselben die herrlichen Feigen von Malaga und überhaupt Andalusien nicht nach. Dort unterscheidet man namentlich zwei Hauptvarietäten, die Brebas (Frühfeigen) und Higos (gewöhnliche Feigen). Erstere, schon im Juli reifend, sind sehr groß, zarthäutig, birnförmig, außen violett, inwendig purpurrot, werden nur frisch verspeist und schmecken äußerst angenehm. Die andern, später reifenden, dickschaligen, mehr kugeligen werden getrocknet und kommen allein in den Handel. Berühmt ist seit alten Zeiten die Caprifikation der Feigen. Es gibt nämlich eine kleine Gallwespe (Cynips psenes J.), welche die Feigen des wildwachsenden Baums ansticht, um ihre Cier Fage viel gr Infolge davon wird die wilde eige viel größer und saftiger, auch zuckerreicher, als es sonst der Fall sein würde. Schon im Altertum hing man deshalb angestochene wilde Feigen an die Zweige der zahmen Feigenbäume, um deren Früchte durch die ausschlüpfenden Wespchen ebenfalls anstechen zu lassen, ein Verfahren, welches jetzt in allen Ländern, wo man den Feigenbaum als Obstbaum anbaut, angewendet und Caprifikation genannt wird, weil im Altertum der wilde Feigenbaum caprificus hieß. Die Kultur des Feigenbaums bildet in den wärmern Ländern einen sehr wichtigen Zweig der Obstbaumzucht, denn die Feigenfrucht ist dort nicht allein ein allgemein beliebtes Obst, sondern auch ein sehr einträglicher Handelsartikel. Der Baum macht wenig Ansprüche an den Boden, verlangt aber viel Wärme (sonnige Lage), Licht und Wasser und eine sorgsame Pflege, besonders hinsichtlich des Schnittes. In Deutschland wird er meist als Topfgewächs behandelt und muß in einem frostfreien Zimmer oder im Kalthaus überwintert, oder wenn man ihn in Staoh ein Lage im freien Lande stehen hat, gut in Stroh eingepackt werden. Die getrockneten Feigen kommen entweder an Schnüre gereiht (Kranzfeigen) oder in runde Schachteln (Trommelfeigen von Smyrna) oder in Kistchen verpackt (Malagafeigen) in den Handel und werden zu Desserts (Tafelfeigen) und zu arzneilichen Zwecken verwendet. Zu letztern nimmt man gewöhnlich die Kranzfeigen, welche aus geringern, dickschaligen Sorten bestehen. Man braucht die getrockneten Feigen unpräpariert oder in Milch gekocht als erweichendes und kühlendes Mittel bei entzündlichen Geschwülsten (Zahngeschwüren u. s. w.), Entzündung der Atmungsorgane namentlich der Kinder u. s. w. Zu der nämlichen Gattung gehören einige in ihrer Wachstumsweise dem Epheu sich anschließende Arten Chinas an, nämlich Ficus scandens, ein stark verästelter Strauch mit immergrünen ovalen oder elliptischen Blättern, welcher, gegen eine Mauer gepflanzt, diese in kurzer Zeit mit einem dichten Netze von Zweigen und Laubwerk überzieht, und F. barbata, von jener Art durch herzförmige, größere und schönere Blätter unterschieden, mit denen sie Mauern und kahle Felsen tapeziert. Beide werden dazu benutzt, die Mauern in Warm⸗ und in temperierten Häusern zu bekleiden, die erstgenannte, die härtere, in der Region der Orangen sogar im Freien. Auch hier, wie beim Epheu, sieht man an ausgewachsenen Individuen die jüngsten Zweige sich von der stützenden Mauer ablösen, sich aufrichten, blühen und fruchten. Von den übrigen Ficus-Arten ist noch erwähnenswert: F. elastica, die verbreitetste und volkstümlichste Stubenpflanze, welche in der That auch, in Ansehung ihres stattlichen Wuchses und ihrer prächtigen, großen, lederartigen, glänzendgrünen Blätter, sowie sonstiger Hne wenng ihres vorzüglichen Rufs würdig ist. Nur wenige andere Pflanzen gedeihen unter den ungünstigen Verhältnissen bewohnter Räume so gut und sind so genügsam wie P. elastica, der Gummi-⸗Feigenbaum. Soll er seinen schönen, schlanken Wuchs behalten, so müssen die in den Blattachseln sich entwickelnden Triebe zeitig en Manaels werden. Wird er so hoch, daß er wegen Mangels an Raum aufgegeben werden muß, so läßt man einige dieser Triebe auswachsen, bis sie vier bis fünf Blätter haben, und benutzt sie im Frühjahr als Stecklinge, indem man je einen in eine Flasche mit Wasser steckt und in ein sonniges Fenster stellt, worauf nach einem Monat aus der Schnittfläche kleine weiße Wurzeln in großer 4— sich entwickeln und er in einen Topf mit einer Mischung aus verwittertem Wandlehm, Laub⸗ und Heideerde gepflanzt werden kann. F. australis steht zwar an Größe und Schönheit der Blätter dem Gummi⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 638Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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