Morus L., Pflanzengattung aus der Familie der Urticaceen. Man kennt gegen ken Arten, die in den wärmern Gegenden der Alten und Neuen Welt vorkommen. Es sind Bäume oder Sträucher, welche Milchsaft enthalten. Die Blätter stehen alternirend und sind entweder ungeteilt oder dreilappig. Die Blüten sind monöcisch oder diöcisch, sowohl die männlichen wie die weiblichen sind zu ährenartigen Blütenständen, die einzeln in den Achseln der Blätter stehen, vereinigt; beide haben ein vierteiliges Perianth, die männlichen enthalten vier Staubgefäße, die weiblichen einen Fruchtknoten, auf dessen Scheitel ein fast bis zur Basis in zwei Aste geteilter Griffel aufsitzt. Das Perianth der weiblichen Blüte wird bei der Fruchtreife fleischig und umschließt beerenförmig die eigentliche nüßchenartige einsamige Frucht, sodaß der ganze Fruchtstand zu einer Scheinfrucht, ungefähr von dem Aussehen einer Brombeere, wird. Die bekanntesten und wichtigsten Arten sind der weiße und der schwarze Maulbeerbaum; der erstere, M. alba L., stammt höchst wahrscheinlich aus China, wo er auch bereits seit sehr langer Zeit, ebenso auch in Japan, kultiviert wird. Da die Blätter das beste Nahrungsmittel für die Seidenraupen sind, so ist die Kultur dieses Baumes jetzt eine sehr ausgedehnte. In Europa war schon zu Justinians Zeiten in Griechenland der Maulbeerbaum als Kulturpflanze bekannt; in Sicilien soll die Zucht der Seidenraupen um das J. 1148, in Toscana gegen 1340 eingeführt worden sein. Jetzt wird dieser Baum, außer in China und Japan, in Indien, Kleinasien, in ganz Europa bis nach dem südl. Schweden, sowie in wärmern Teilen Nordamerikas angebaut, größtenteils zur Zucht der Seidenraupen, häufig aber auch in Anlagen zur Herstellung von Gebüsch und Zäunen. Es gibt infolge der langen Kultur, die in China bis auf 4000 v. Chr. sich zurückführen lassen soll, eine große Anahl von Varietäten, die hauptsächlich in der Blatt22 voneinander abweichen. Die Früchte sind in der Regel weiß, doch kommen auch Abarten mit dunkelrot gefärbten Beeren vor, sie haben einen süßen, aber etwas faden Geschmack und werden sowohl frisch wie eingemacht als Obst gegessen, auch bereitet man aus ihnen Essig und Sirup. Aus der Rinde junger Zweige wird eine Faser gewonnen, die in der Papierfabrikation und zu Herstellung von Stricken u. dgl. Verwendung findet. Die andere Art, M. nigra L., wahrscheinlich in Persien und in andern Gegenden Kleinasiens einheimisch, ist ebenfalls schon seit langer Zeit in Kultur, die Blätter derselben dienen zwar auch als Futter für Seidenraupen, eignen sich jedoch hierzu nicht so gut wie die des weißen Maulbeerbaums; sie unterscheiden sich von den letztern, welche kahl sind, durch dichte Behaarung. Die Früchte haben fast die Farbe der Brombeeren, schmecken ebenfalls sehr süß, werden zu ähnlichen Zwecken wie die von M. alba verwandt und dienen auch zum Färben des Weins; früher waren sie offizinell. Der schwarze Maulbeerbaum ist jedenfalls schon früher aus dem Orient nach Europa gekommen als der weiße, denn schon die alten Griechen und Römer kannten denselben als Kulturpflanze. Außer den beiden genannten Arten werden noch einige andere als Zierpflanzen für Anlagen kultiviert, besonders eine nordamerik. Art, M. rubra L., die das deutsche Klima besser verträgt wie die beiden vorigen; für die Zucht der Seidenraupen ist diese Art belanglos, sie hat hellrote ebenfalls süß schmeckende Früchte, die gegessen werden.