Deutschland hatte er eine furchtbare Macht zu bekämpfen, welcher die seinige, die nicht einmal die des Norddeutschen Bundes erreichte, durchaus nicht gewachsen war. Der frühere Beginn der franz. Rüstungen und die ohne vorhergegangene Verhandlungen erfolgte Kriegserklärung ließen in Deutschland die Besorgnis entstehen, daß die franz. Armee noch vor Beendigung der deutschen Mobilmachung die Grenze überschreiten würde. Alle Traditionen der franz. Kriegführung deuteten auf ungesäumten Angriff; aber dieser blieb aus; vierzehn Tage vergingen in Unthätigkeit, was besonders in Paris Staunen und Unwillen erregte. Die franz. Armee hatte zwar ihren Aufmarsch vollendet, war aber keineswegs operationsfähig, namentlich fehlte es noch an den erforderlichen Wumns und an Feldgerät für die Truppen. Der Kriegsplan war zu Anfang Juli dahinfestgestelltworden, daß zunächst 150000 Mann um Metz, 100000 Mann bei Straßburg und 50000 Mann als allgemeine Reserve bei Chälons versammelt und die iatdandun dieser Truppen während des Aufmarsches dur hgeführt werden sollte. Demmächst sollten die sieben in erster Linie stehenden Korps von Metz und Straßburg her in die bayr. Pfalz einrücken und den Rhein bei Maxau überschreiten. Der weitere Vormarsch sollte zwischen Rastatt und sart a. M n hindurch in der Richtung auf Frankfurt a. M. stattfinden, wo man der norddeutschen Armee eine Schlacht zu liefern gedachte, deren günstiger Ausgang die dauernde Neutralität Süddeutschlands und die aktive Teilnahme mehrerer auswärtiger am ar. (namentlich Ssterreichs und Dänemarks) am Kriege gegen den Norddeutschen Bund, wie man hoffte, herbeiführen würde. Man rechnete darauf, alsdann durch das Vorrücken des franz. Heers nach Mitteldeutschland, durch Insurgierung der neu erworbenen preuß. Provinzen und einen durch Landtruppen unterstützten Angriff der deutschen Küsten, namentlich der großen Handelsstädte, einen hinreichenden Druck auf die preuß. Regierung auszuüben, um dieselbe zum Abschuß des Friedens und zur Abtretung linksrhein. Landesteile 0 ohne eine zweite Hauptschlacht zu veranlassen. olitisch wie militärisch war die Kriegführung auf franz. Seite durchaus leichtfertig vorbereitet. Das deutsche Heer war aber dem französischen in jeder Hinsicht überlegen schon durch seine Grundelemente einer gesunden Volkskraft, sowohl in physischer als moralischer und intellektueller Beziehung. Die allgemeine Wehrpflicht, verbunden mit einer guten Volksschule, hatte im norddeutschen Heere durch alle Grade eine Intelligenz verbreitet, mit der sich keine andere Armee messen konnte; in Süddeutschland sollte sie ihre Früchte erst später tragen. Durch die vortreffliche Heeresorganisation war die ganze Volkskraft zur unerschöpflichen Quelle des Ersatzes für das Heer geworden, dem immer nur vollständig ausgebildete Mannschaften zugeführt wurden; gute Militärschulen, das Institut der Einjährig-Freiwilligen und die Einführung von Reserveoffizieren sorgten für den Ersatz des Offizierkorps und bewirkten eine umsichtige Führung auch der kleinsten Abteilungen im Gefecht; die Feldverwaltung war nach den Erfahrungen von 1866 au das zweckmäßigste eingerichtet und hat sich au 1870 unter den schwierigsten Verhältnissen bewährt; der Generalstab stand auf der Höhe seiner Bestimmung; vor allem aber war es die meisterhafte obere Heeresleitung, welche den Sieg in einer bisjetzt in der Kriegsgeschichte beispiellosen Weise an die deutschen Fahnen fesselte, und die 7 umsichtig vorbereitete Politik des Bundeskanzlers, welche fremde Einmischung fern zu halten und die Waffenerfolge auszunutzen wußte. Im Gegensatz zu Frankreich, wo die Truppen unausgerüstet nur schleunigst an die Grenze befördert wurden und dort 14 Tage stehen blieben, um erst mit Kriegsmaterial versehen zu werden, ging in