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GeschichteBrockhaus 1882

Fraucs-Tireurs hießen während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 die franz. Freikorps, welche außer den kaiserl. Truppen und Mobilgarden zur Führung des kleinen Kriegs gegen das deutsche Heer aufgeboten wurden. Schon zur Zeit, als Marschall Niel die Reorganisation des franz. Heerwesens vorbereitete, bildeten sich, angeregt durch die 1867 wegen der Luxemburger Frage angeregten Kriegsaussichten, in Frankreich Schützengesellschaften unter der Bezeichnung Sociétés des P.v, welche sich mit guten Hinterladern gleichmäßig bewaffneten und regelmäßige Waffenübungen ab hielten. Derartige Gesellschaften bestanden in rößerer Zahl namentlich in den Depart. Aisne, Meurthe, Moselle, Vosges, Haut-Rhin und Bas-Rhin; doch blieben dieselben, entgegen dem Wunsche der Regierung, völlig unabhängig und außer Verbindung mit der Armee. Beim Einmarsch der deutschen Truppen rief ein Dekret des Kaisers die F. zu den Waffen, ein Regierungserlaß vom 29. Sept. stellte dieselben dem Kriegsminister zur Verfügung, und durch Dekret vom 4. Nov. 1870 wurden dieselben den Armeekorps oder Territorialdivisionen zugewiesen, mithin Soldaten im Sinne der deutschen Heerführung. Sie kämpften vorzugsweise gegen Transporte und die der Armee folgenden Nachschübe aller Art, sowie gegen schwächere Abteilungen der auf franz. Gebiete verwendeten Besatzungstruppen, gegen Kuriere, Reisende, Bahnzüge, Magazine u. s. w., waren anfangs fast ohne jeden festern Zusammenhalt, dabei größtenteils nicht uniformiert, sehr verschiedenartig bewaffnet und ohne militärische Disciplin. Sie besaßen keine Trains und lebten ausschließlich von Requisition, beziehungsweise Plünderung, weshalb sie bald der Schrecken des eigenen Landes wurden. Namentlich von Mitte Sept. 1870 ab vermehrte sich ihre unhs infolge des von Gambetta ergangenen Aufrufs sehr bedeutend und nötigte, trotz der geringen Tüchtigkeit der meisten dieser Korps, die deutsche Armee zu starken Entsendungen, wodurch die eigentliche Feldarmee beträchtlich geschwächt wurde. Dies wurde namentlich mit Beginn des Winters sehr lästig, da dieser die Verwendbarkeit der zahlreichen und vor Paris u. s. w. entbehrlichen Reiterei beschränkte und die Entsendung von Infanterie zum Schutze der Verbindungen in größerm Umfange notwendig machte. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß bei denjenigen Individuen des franz. Volks, welche sich F. nannten, alles, Herkommen, Bildung, Bekleidung, Bewaffnung, Alter, ihre Zwecke selbst und Absichten verschieden waren; gemeinsam hatten sie nur den Haß und die Erbitterung einer durch die Leiden des Kriegs aufgereizten Bevölkerung; Rationalität und selbst Sprache waren nicht dieselben, da sich schließlich Ausländer in Menge den F. angeschlossen hatten. Ihrem Auftreten nach teilten sich die F. in vorübergehend thätige und in ständige. Erstere bestanden zumeist aus den Bauern, die, von Fanatikern aufgehetzt oder durch Requisitionen zur Verzweiflung getrieben, in blauer Bluse und Holzpantoffeln jede Gelegenheit benutzten, um aus dem Hinterhalte auf feindliche Soldaten zu schießen oder gar dieselben im Schlase zu ermorden. Die ständi-F. erhielten mit der Zeit militärischen Wert owie bessere Bewaffnung und schlugen sich schließlich einigemal sogar mit hervortagender Tapferkeit. Jene stehen völlig außerhalb des Völkerrechts, und es kann die äußere Form einer Einberufungsordre in der Tasche oder gewisse, nur auf kurze Entfernung sichtbare Abzeichen, welche sie beliebig an- und ablegen, bei vorkommender Gefangennehmung denselben völkerrechtlich nie ein Schutzmittel gegen Kugel oder Strang sein. Selbst die zweite Gattung von F. unterliegt völkerrechtlich der gleichen Behandlung, wenn nicht in unzweideutiger Weise festgestellt ist, daß eine den Gesetzen des Landes entsprechende Einberufung und Einregistrierung, also eine förmliche Aufnahme in das organisierte Heer, stattgefunden hat. (Innocenzo da). Broueter, (Innocenzo), ital. Maler, s. Imöla ranêker, schöne, von Kanälen durchschnittene Stadt in der niederländ. Provinz Friesland, an dem Trekschuitenkanal zwischen Harlingen und Leeuwarden und an der Linie Harlingen-Nieuwe Schans (Ihrhove) der Niederländ. Staatsbahnen, mit (1876) 6643 E., war ehemals Sitz einer Universität, die 1585 von den Rrei Ständen auf Veranlassung des Prinzen Wilhelm Ludwig, Grafen von Nassau, gestiftet, 1811 aber von Napoleon J. aufgehoben und 1816 in ein Athenäum verwandelt wurde, welches 1843 dasselbe Los wie die ältere Universität traf. Das Universitätsgebäude wurde r eine Dicteit bentt benutzt. Eine eigentümliche erkwürdigkeit besitzt die Stadt in einem Planetarium, welches Eise Eisinga, ein Bürger von F., 1774—81 anfertigte. Dasselbe ist nebst der Wohnung des Künstlers jetzt Staatseigentum.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 68Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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