FeedFeldtelegraphie
VerkehrBrockhaus 1882

Feldtelegraphie heißt die gesamte Thätigkeit der Telegraphen im Dienste der Militärbehörden im Kriege. Den eigentlichen Feldtelegraphentruppen fällt hierbei insbesondere die Verbindung des Hauptquartiers mit den operierenden Armeekorps und Divisionen zu, während das den Etappenbehörden beigegebene Telegraphenpersonal die rückwärtigen Verbindungen und Anschlüsse an die bestehenden Linien herzustellen und in Betrieb zu halten hat. Die F. soll bei den in vorderer Linie operierenden Korps ihre Linien möglichst bis an die dem Feinde zunächst stehenden Abteilungen vorschieben, um wichtige, bei den Vortruppen eingehende Nachrichten schnell an das Hauptquartier zu befördern. Bei Einschließung und Verteidigung fester Plätze läßt sich dies unschwer erreichen und gewährt bei der gewaltigen Ausdehnung der großen Waffenplätze der Neuzeit dem Oberkommando der Einschließungstruppen vorzugsweise Vorteil, da es nur auf diesem Wege möglich ist, rechtzeitig an den bedrohten Stellen die zur Abwehr großer Ausfälle erforderlichen Truppen zu versammeln. Im Bewegüngskriege vermag die F. mit ihren Fahrzeugen nicht nur ohne besondere Schwierigkeiten den Truppen zu folgen und die höhern Kommandobehörden untereinander telegraphisch zu verbinden, sondern es wird in neuester Zeit auch mit Erfolg angestrebt, die Vorposten durch elektrische Telegrahan mit ihren Truppenkörpern zu verbinden. Man hat hierzu in neuester Zeit gern telephonische Verbindungen gewählt, weil diese sich in außerordentlich kurzer Zeit herstellen lassen und der ganze für sie erforderliche Bedarf an Leitungsmaterial auf leichten tragbaren Rollen, der Ranm elbst aber in einem gewöhnlichen Tornister Raum findet und in jedem, für Menschen überhaupt gangbaren Gebäude Verwendung finden kann. onst wird das für Feldtelegraphenleitungen erforderliche Material auf besondern von Pferden gezogenen Materialwagen, im Gebirge auf dem Rücken von Maultieren befördert, während die Telegraphenapparate (am besten Morse-Schreibtelegraphen) in besondern Stationswagen untergebracht werden. Auch Spiegelinstrumente, bei denen man das reflektierte Sonnenlicht oder künstlich erzeugte Lichtstrahlen zum Geben von Signalen benutzt, haben sich praktisch bewährt, wo die Luft trocken und durchsichtig war. Die Russen verwendeten solche Signalapparate in Centralasien und Chiwa, die Briten in Afchanistan, Zululand, Transvaal und am Kap, die Franzosen in Algerien und Tunesien, die Esterreicher in Bosnien. Auch optische Signale anderer Art (farbige Flaggen oder Scheiben verschiedener Form, in Frankreich auch Metallbuchstaben auf dunkler Unterlage) lassen sich bei klarer Luft mittels guter Fernrohre auf ziemlich weite Entfernungen für Zwecke der F. verwerten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 660Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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