Feldbefestigung, passagere, flüchtige Befestigung hat einen nur vorübergehenden Zweck, welcher durch die jeweilige Kriegslage bedingt ist, und wird innerhalb der Zeit und mit den Mitteln ausgeführt, welche im Feldkriege zur Verfügung stehen. (Vgl. Befestigungskunst.) Die Bedeutung der 1 geht in der Regel nicht über den einzelnen Gefechtstag hinaus, oft ist sie nur auf wenige Stunden des Kampfes eingeschränkt. Die Zeit zur Herrichtung der F. ist in der Regel sehr gering, namentlich im Bewegungskriege und zumal in der Offensive, wo es sich nur um Stunden und Bruchteile von Stunden handelt, während dieselbe im Defensivverhältnis ein bis zwei Tage betragen kann. Die Mittel beschränken sich, was das Material betrifft, auf das, was auf dem Kampffelde oder in der Nähe desselben sich vorfindet, als Erde, Strauchwerk, Rasen, Holz, Eisenschienen; die Werkzeuge sind einfachster Natur und werden entweder als tragbares Schanzzeug von den Truppen mitgeführt oder auch durch Requisition von der Bevölkerung aufgebracht. Die Ausführung der F. geschieht in der Regel durch die Truppen, deren Zwecken sie dienen soll (Infanterie, Feldartillerie); zur Leitung ausgedehnter und Ausführung solcher Arbeiten, welche eine gründlichere Vorbeveitung bedürfen, sowie zur Verwendung als Vorarbeiter und Aufseher kann das Personal der technischen Feldtruppen (Genie, Pioniere) benutzt werden. Die F. wird gewöhnlich in die formelle und die angewandte eingeteilt. Die formelle Feldbefestigung betrachtet die Elemente der F. ohne Rücksicht auf einen bestimmten Fall; die angewandte Feldbefestigung betrachtet deren Anwendung mit Rücksicht auf einen bestimmten Zweck und ein gegebenes Terrain. Die Anlagen der F. zerfallen in Deckungen und Hindernisse. Die Deckungen dienen entweder zu Schutz und Wehr, d. h. sie sollen gegen Einsicht und Feuer des Gegners sichern und zugleich den möglichst günstigen Gebrauch der eigenen Feuerwaffen zulassen, oder sie dienen nur im Sinne der Sicherung. Die erstern heißen Schutzwehren, die letztern tote Deckungen. Deckungen werden in der F. entweder neu aufgeführt oder man formt vorhandene Terraingegenstände, wie Mauern, Dämme u. dgl. zu solchen um. Der Neubau von Deckungen findet vorherrschend in Erde statt und zwar als eingeschnittene Brustwehren (s. d.). Nach dem Zwecke unterscheidet man Deckungen für einzelne Schützen und Schützenlinien (Schützengräben), Deckungen für geschlossene Abteilungen (Stützpunkte und Feldschanzen) und Deckungen für Feldgeschütze und deren Protzen (Geschützdeckungen). Die Schützengräben zerfallen in einfache und verstärkte. Erstere sind je nach der Art des Anschlags des Schützen verschieden und zerfallen demnach in solche für liegende (s. Tafel: Feldbeestigung, Fig. J), für knieende (Fig. 2) und für tehende Schützen (Fig. 3). Bei allen dreien ist der Stand des Schützen vertieft, am meisten bei 3, am wenigsten bei 1. Die Schützengräben für liegende Schützen bilden kein Hindernis für die Bewegungen anderer Truppen und erfordern den geringsten Zeitaufwand zu ihrer Herstellung, doch wird das von denselben ausgehende Feuer am ehesten durch Erhebungen im Vorterrain maskiert. Ein Graben nach Profil 1 kann bei disponibel werdender Zeit leicht in einen solchen nach Profil 2 und 3 umgewandelt werden. Je nach der Bodenart beläuft sich der Zeitaufwand für Profil 1 auf 15—40 Minuten, bei Profil 2 auf 30—75 Minuten, bei Profil 3 auf 1—2½ Stunden. Die verstärkten Schützengräben (Fig. 4) haben hinter dem Stand des Schützen, der sich auf dem gewachsenen Boden befindet, einen Deckungsgraben, der einen aufrecht stehenden Mann vollständig nach außen deckt. Für die (nicht feuernden) Unterstützungstrupps kann man in ähnlicher Weise Deckungsgräben als tote Deckungen anlegen. Für die unthätigen Mannschaften lassen sich in den Deckungsgräben an einzelnen Stellen Eindeckungen mittels Balken oder Eisenschienen (Unterstände) zum Schutz gegen Shrapnelfeuer anbringen. Die Schützengräben werden da angelegt, wo im Gefecht die Schützenlinie aufgestellt wird. Ihr Grundriß ist im allgemeinen die gerade Linie, doch hat sich derselbe der Gestaltung des Terrains anzupassen; an wichtigen Zugängen ist kreuzendes Feuer erwünscht, daher der Schützengraben leicht nach innen einzubiegen. An passenden Terrainstellen, wie an Bergabhängen, können sie auch etageförmig über-⸗ und hintereinander liegen. Das Profil des Schützengrabens deckt nur gegen Gewehr⸗ und flaches Shrapnelfeuer; eine Zerstörung durch Feldgranaten ist nicht ausgeschlossen, erfordert aber bei der großen Ausdehnung der Linien einen bedeutenden Munitionsaufwand. Stützpunkte werden angelegt, um ausgedehnten Schützengräbenlinien an besonders wichtigen Stellen eine erhöhte Widerstandskraft zu verleihen. Sie haben eine langgestreckte abgerundete Form und an der Rückseite (Kehle) einen Deckungsgraben, in welchem Unterstände liegen. Stützpunkten gibt man gewöhnlich das Profil Fig. 4. Sie sind meistens für eine Kompagnie berechnet. In Fig. 14 ist ein isolierter Stützpunkt mit rückwärts seitwärts angelegten Schützengräben dargestellt. Selbständige Verteidigungsposten von einer gewissen Ausdehnung werden Schanzen genannt. Zum Zweck und im Charakter der F. angelegt, heißen sie Feldschanzen. Man unterscheidet offene und geschlos-H1 sene Schanzen, je nachdem sie nur teilweise, oder allseitig von widerstandsfähiger Brustwehr umschlossen sind. Die nicht geschlossene (rückwärtige) Seite der offenen Schanzen heißt Kehle. Liegt in l dieser eine Brustwehr von minderer Widerstandsfähigkeit, so entsteht die halbgeschlossene Schanze. Der Grundriß der Feldschanzen hat nur aussprin⸗[ gende Winkel, d. h. die Linien stoßen so zusammen, l daß die konkave Seite des Winkels dem Verteidiger zugekehrt ist. Niemals beträgt der ausspringende Winkel weniger als 120 Grad, um die unbestrichenen Räume möglichst gering zu halten und die Enfilade der Linien zu vermeiden. Die vorkommenden Formen sind für offene oder halbgeschlossene Schanzen die Flesche (Fig. 10), Halbredoute oder Frontalwerk Fig. 11) und Lünette (Fig. 12), für geschlossene die vier⸗, fünf⸗ und sechsseitige Redoute (Fig. 13). Bei der Flesche heißen die beiden Linien Facen, ebenso die vordern Linien der Lünette, die seitlichen“ Linien der letztern nennt man Flanken. Bei der Halbredoute spricht man von Frontlinie und Flanken. Gegenwärtig legt man Feldschanzen nur als-Halbredouten (Fig.7/oder Lünetten, mit schwächerer Kehlbrustwehr an. Sie sind für eine bis zwei Kompagnien Infanterie berechnet; zur Aufnahme von Geschützen werden sie nicht mehr eingerichtet. Das Profil (Fig. 6) deckt gegen anhaltendes Feuer aus Feldgeschützen. Die Erde wird aus einem vordern und einem hintern Graben entnommen, von denen ersterer ein gewisses Hindernis bildet, letzterer dem unthätigen Verteidiger Sicherung gewährt, die noch durch angebrachte Unterstände erhöht werden kann. Der feuernde Verteidiger steht auf einem angeschütteten Bankett (s. d.), wodurch er eine freiere Beherrschung des Vorterrains als bei Schützengräben erlangt. Vorwärts des vordern Grabens ist eine Erdanschüttung, das Glacis, welches zur Anbringung von Hindernismitteln dienen kann. Auf den Flanken liegen Deckungen gegen Seitenfeuer oder Traversen (s. d.). Das Glacis und die Contrescarpe des vordern Grabens können auch eventuell für Herstellung einer vordern und zugleich niedern Feuerlinie benutzt werden. Die innere Brustwehrböschung und die Stufen zum Bankett erhalten der Steilheit halber eine Bekleidung von Flechtwerk, Faschinen oder Rasen. Der Eingang liegt in der Kehlbrustwehr und wird durch eine Barrieère oder ein leicht wegnehmbares Verhau (aus Baumästen) gesperrt. Bei günstigen Bodenverhältnissen kann die Halbredoute in Fig. 7, was die Erdarbeit betrifft, durch zwei vierstündige Schichten von je 500 Mann hergestellt werden. Für den Bau der Unterstände wie der Hindernismittel sind noch 500 Mann zu rechnen und können diese Arbeiten mit Ausnahme des großen Unterstandes in der Kehle mit der zweiten Schicht beendet werden. Die Entwickelung der Feuerlinie ist 180 m, die Besatzung eine Kom-Irint zu 250 Mann; der gesamte Arbeiterbedarf eträgt also das Sechsfache der Besatzungsstärke. Bei ungünstigen Bodenverhältnissen und wenn keine Ablösung der Mannschaften möglich ist, wächst der Zeitbedarf erheblich, und wird hierdurch die Anwendung der Feldschanzen sehr häufig unmöglich sein. Eine Notwendigkeit ihrer Anlage tritt nur in ebenem oder flach geböschtem Terrain ein. Geschützdeckungen werden für jedes einzelne Geschütz ausgehoben, nach Profil Fig. 5. Jeder Geschützstand hat quadratischen Grundris mit rückwärtiger Einfahrt. Bei genügender Zeit werden u beiden Seiten jedes Standes Deckungsgräben ür die Bedienung ausgehoben. Der Zeitbedarf zum Bau ist etwa ½ — Stunde. Für die Protzen können seitwärts und rückwärts der Batterie Deckungsgräben angelegt werden. Was die Benutzung vorhandener Terraingegenstände als Schutzwehren betrifft, so eignen sich hierzu zunächst Gräben und Dämme, bei welchen nach Bedarf Banketts zur Aufstellung der Schützen anzubringen sind. Hecken erhalten Erdanschüttungen rückwärts (Fig. Moder vorwärts, da sie an sich nur gegen Sicht decken. Haben Mauern eine geringere Höhe als die Anschlagshöhe des Mannes (13Im), so muß der Stand entsprechend vertieft werden. Bei größerer Höhe werden Scharten eingebrochen, beziehungsweise Banketts oder Stellagen angebracht, auch kann Etagenfeuer vorbereitet werden (Fig.8). Handelt es sich um Einrichtung von Gebäuden, so ist es wesentlich die Eingänge zu schließen und zu verrammeln, die Fenster zu versetzen und in den Versatz der Fenster und Thüren Scharten einzuschneiden, erforderlichenfalls auch in die Umfassungsmauern Schießluken zu brechen. Das Vorfeld aller Verteidigungsanlagen muß, wenn es die Zeit erlaubt, von den die Aussicht behindernden und dem Feinde Deckung gewährendenGegenständen innerhalb wirksamer Gewehrschußweite befreit werden. Um dem Gegner das Vorrücken innerhalb letzterer zu erschweren, sind Hindernismittel (s. d.) im Vorterrain anzubringen oder vorhandene Terrainhindernisse zu verstärken. Die angewandte Feldbefestigung beschäftigt sich mit der Ergänzung von Gefechtsstellungen durch die Mittel der formellen F. Insbesondere kommen hier die Befestigung von Höhen, Vertiefungen, Wäldern, Ortschaften, die Befestigungen an Flußlinien und die Befestigung von Brücken in Betracht. Bei Höhen wird gewöhnlich der vordere Rand mittels Schützengräben zur Infanterieverteidigung eingerichtet. Zur Bestreichung der wichtigsten Annäherungsrichtungen mittels Artillerie werden Geschützdeckungen errichtet. Auf einzelnen besonders beherrschenden Höhen legt man künstliche Stützpunktean. Vertiefungen, wie Thäler, Gründe, werden vom rückwärtigen Rande aus verteidigt, der ähnlich wie bei Höhen einzurichten ist. Bei Wäldern handelt es sich darum, dem feindwärts gelegenen Saume erhöhte Verteidigungsfähigkeit zu verleihen, was entweder durch vorwärts angelegte Schützengräben oder durch Verhaue im Waldrande mit dahinter gelegener Erdanschüttung (wie bei Hecken, Fig. 9) geschieht. Im Innern sind Verkehrswege anzubringen. Hat der Wald Blößen, welche der Front parallel laufen, so ist deren rückwärtiger Rand, ähnlich wie der Waldsaum, als Abschnittssteltung einzurichten. Bei Dörfern müssen die den vordern Rand bildenden Einfriedigungen und Gebäude zur Infanterieverteidigung eingerichtet werden. Die Eingänge sind durch Schützengräben oder verteidigungsfähige Barrikaden zu sperren, Lucken durch Hindernismittel zu schließen. Finden sich im Innern freie Plätze oder breite der Front parallele Straßen, so sind deren rückwärtige Ränder als Abschnittsstellung einzurichten. Besonders feste Gebäude in dem dem Feinde abgekehrten Dorfteil sind zu einer gesonderten Verteidigung im Sinne der Reduits (s. d.) vorzubereiten; sie tragen sehr zu einer zähen Behauptung der Ortschaft bei. Wichtig ist es auch für Verbindungswege im Innern des Dorfs zu sorgen. An Flußlinien werden ur Beherrschung der wahrscheinlichen Übergangsstellen Schützengräben, Geschützdeckungen oder Stützpunkte auf dem diesseitigen Ufer angelegt, alle Üübergänge zerstört und die lbergangsmittel in Sicherheit gebracht. Sollen Brücken nur gegen Zerstörung gedeckt werden, so genügen Brückensicherungen auf dem jenseitigen Ufer in Gestalt natürlicher oder künstlicher Stützpunkte. Ist gleich-Titis die Ermöglichung des Übergangs größerer ruppenmassen angesichts des Feindes beabsichtigt, so bedarf es einer weit vorgeschobenen im Bogen Daten Du Verteidigungsstellung, einer unmittelaren Brückensicherung auf beiden Ufern und der —4— von Batterien auf dem diesseitigen Ufer. (S. Brückenkopf.) Litteratur. Außer den im Artikel Woephergungskunst angeführten Werken sind noch hervorzuheben: Brialmont, Küber Befestigungen im