Mobilisierung oder Mobilmachung nennt man die Summe der Thätigkeit, durch welche ein Heer aus dem Friedensstande auf den Kriegsfuß gesetzt wird. Schon im Frieden muß dazu alles vorbereitet sein. Das Kriegsmaterial an Waffen, Munition, Fahrzeugen, Bekleidungs- und Armaturgegenständen u. s. w. ist allezeit vollzählig zu erhalten. Die Pferde im Lande sind verzeichnet. Die Reservemannschaften, durch deren Einberufung die Truppen die Kriegsstärke erreichen, sowie die Wehrleute (beim Vorhandensein einer Landwehr) sind in sorgfältig kontrollierten Listen geführt. Die Festungen, die Plätze für Depöts und Magazine sind im guten baulichen Zustande zu halten u. s. w. Im Kriegsministerium ist ein Mobilmachungsplan bis in das Detail ausgearbeitet. Die Repartition der Leistungen des Landes, die Einberufung und Zahl der zu stellenden Kombattanten, Handwerker und Pferde, ihre Überweisung an die Truppenteile, die Orte, wo die letztern ihre Kriegsformationen annehmen, der Empfang von Material und Munition, die Bildung der in der Heimat verbleibenden Ersatzabteilungen, welche den Abgang der mobilen Truppen stets zu decken bestimmt sind, die Formationen der Trains, der Munitionskolonnen, der Brückenequipagen u. s. w. wird genau im voraus bestimmt. Neben dieser Sorge für die aktiven Truppen wird auch auf die notwendige Verstärkung der Intendantur, welcher die Verpflegung obliegt, des Medizinalwesens und aller Zweige der Feldadministration Bedacht genommen. Der sekretierte Mobilmachungsplan ist den Truppenkommandos, welche die Ausführung eintretendenfalls zu bewirken haben, mitgeteilt, damit nur der Be⸗ . gegeben zu werden braucht, um die M. in kürzester Frist ohne Verwirrung und viele Rückfragen zu vollenden. Zuweilen geht der vollen M. der Zustand der Kriegsbereitschaft voraus, in welchem die Truppen auf Kriegsstärke gesetzt werden, ohne daß schon alle Neuformationen an Trains und Administrationen u. s. w. erfolgen. Bei der M. werden dann Feld-⸗, Ersatz- und Besatzungstruppen formiert, eine Stellvertretung für die ins Feld rückenden Militärbehörden angeordnet und die Feldadministrationen eingerichtet, wozu auch die Feldtelegraphie, Feldeisenbahnabteilungen und Feldpost gehören. Die mobilen Truppen treten dann in ihren Brigade-, Divisions-⸗, Korpsverband und werden bei verschiedenen Kriegstheatern einer größern Macht auch in mehrere Armeen zusammengezogen, wobei zuweilen neue Formationen eintreten. Eine zweckmäßige Friedensorganisation ist die Kriegsformation in verjüngtem Maßstabe; je mehr sich beide nähern, je besser die Vorbereitungen für den übergang getroffen, um so schneller geht die M. von statten, und alle Erfahrungen beweisen, daß selbst ein Vorschub von 24 Stunden in Beendigung der M. von entscheidendem Einfluß auf den Ausgang des Feldzugs werden kann. Vorteilhaft ist es, wenn die Organisation auch die M. einzelner Teile (Korps, Divisionen) gestattet, ohne dadurch die spätere M. der übrigen Teile zu beeinträchtigen.