Bourgogne (Louis, Herzog von), Enkel Ludwigs XIV., geb. 6. Aug. 1682 zu Versailles, nach dem Tode seines Vaters, des Dauphin Louis (1711), Thronfolger, war als Zögling des Herzogs von Beauvilliers und Fenelons, wenn man den Ausführungen Saint-Simons glauben darf, ein merkwürdiges Beispiel Ih die Macht vernünftiger Erziehung über natürliche Leidenschaften. Ursprünglich allen Lastern und Excessen haltlos ergeben, soll er allein durch die Kunst jener Pädagogen das Ideal sittlicher Führung in sich ausgebildet haben, wie Fnelon im MTélémaquey es vorgezeichnet hat milde, maßvoll und bescheiden geworden sein, ußfertig und von einer Demut und Selbstkritik, die fast über die Grenzen seiner Stellung hinausing. Saint-Simon, der die Kontraste liebt, wird ie Farben sehr stark aufgetragen haben; das Bild B.s in den spätern Jahren hatte aber jedenfalls ausgeprägte Züge christl.⸗Kath. Wandels und stach darum seltsam ab gegen die glänzende Frivolität des versailler Hofs. B. erschien dort wie ein Sonderling, der nicht an seinem Platze war: eine unscheinbare, etwas verwachsene Figur, stets in deh gekehrt, mit seinen gelehrten Gedanken und religiösen übungen beschäftigt, die er aufs ängst-Deßon beobachtete, scheu gegen die Damenwelt und besonders darum oft verspottet, unpopulär, ohne Kraft und Initiative. Trotz dieser Eigenschaften ward B. von dem Könige mehrmals, nominell wenigstens, an die Spitze der Armee gestellt: 17013, wo er einige Erfolge hatte, und 1708, wo hingegen durch seine unsichere Haltung die Schlacht bei Oudenaarde und danach das feste Lille verloren Le „Die Erwartungen, welche man nach dem ode seines Vaters an ihn knüpfte, vernichtete sein eigener plötzlicher Tod: im Febr. 1713 rafften ihn zugleich mit seiner Gemahlin, der Prinzessin Adelaide von Savoyen, und zwei seiner Söhne die Röteln hinweg. Nur der dritte Knabe, ebenfalls erkrankt, ward gerettet: Ludwig XV., damals ein Kind von zwei Jahren. Vgl. Proyart, «Vie du Dauphin, pére de Louis XVy (2 Bde., Par. 178²).