FeedFerdinand II.
GeschichteBrockhaus 1882

Ferdinand II., röm.⸗deutscher Kaiser, 1619— 37, ein Sohn des Erzherzogs Karl, Herzogs von Steiermark, des jüngern Bruders Maximilians I., war 9. Juli 1578 zu Gratz geboren. Mit dem glühendsten Hasse gegen die Protestanten von seiner Mutter, Maria von Bayern, erfüllt und 1590 —95 zu Ingolstadt zugleich mit Maximilian von Bayern von den Jesuiten erzogen, hatte er 1598 zu Loreto vor dem Altare das feierliche Gelübde gethan, den Katholizismus um jeden Preis wieder zur alleinherrschenden Religion in seinen Staaten zu erheben. Er begann auch gleich nach dem Regierungsantritt in seinen Erbländern Steiermark, Kärnten und Krain den Protestantismus gewaltsam zu unterdrücken und versuchte, als er noch bei Lebzeiten des kinderlosen Kaisers Matthias zum König von Böhmen und von Ungarn ernannt worden war, ein Gleiches in Osterreich und Böhmen durchzusetzen. Die Böhmen jedoch, auf Rudolfs II. Majestätsbrief sich stützend, widersetzten sich ihm mit Gewalt, rusteten Truppen und zogen unter des Grafen Thurn Anführung s ogar bis vor Wien, mußten aber, durch eine Diversion des niederländ. Feldherrn Bouquoi genötigt, unverrichteter Sache zurückkehren. Hierdurch gewann F. Zeit, trotz aller Widersprüche der Union und der Böhmen 1619 seine Kaiserwahl durchzusetzen. Die Böhmen erklärten ihn zwar ihres Throns verlustig und wählten in Verbindung mit den Ständen von Schlesien, Mähren und der Lausitzen den Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem König; doch mit Hilfe der kath. Ligue und des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen wurde dieser nach kurzem Kampfe besiegt. Böhmen verlor nun alle seine Privilegien. Durch Hinrichtungen, Güterkonfiskationen und Vertreibung unzähliger Familien wurde das unglückliche Land zum Gehorsam, durch Einführung der Jesuiten und die härtesten Verfolgungen gegen die Protestanten zum Katholizismus zurückgeführt. Die Kurwürde der Pfalz übertrug F. 1622 ungeachtet des Widerspruchs der Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, von denen er den letztern durch Wallenstein zu zwingen, den erstern durch Verpfändung der Lausitzen zum Schweigen zu bringen wußte, eigenmächtig dem Herzog von Bayern, der ihm gegen Böhmen so nachdrücklich Beistand geleistet hatte. Zugleich verpflanzte er den Krieg, der mit Unterwerfung der Böhmen eigentlich beendigt war, in das übrige Deutschland, wodurch derselbe den Charakter eines Religionskriegs erhielt und zum Dreißigjährigen Kriege (s. d.) erwuchs. Den Fortschritten seiner beiden Generale Tilly und Wallenstein trat zwar in Verbindung mit den Ständen des niedersächs. Kreises Christian IV. von Dänemark entgegen, aber bei Lutter am Barenberge geschlagen, mußte derselbe bald Frieden schließen. Die beiden Herzöge von Mecklenburg, welche dem König Christian Hilfe geleistet, wurden nun auf F.s Betrieb in die Acht erklärt und Wallenstein zum Lohn für seine Dienste mit ihren Ländern belehnt. Dagegen scheiterte F.s Plan, sich der dep Belene. schaft auf der Ostsee zu bemächtigen, an der Belagerung Stralsunds, welches durch die Hansestädte kräftig unterstützt wurde. Im Vertrauen auf das errungene Übergewicht erließ F. 1629 für Deutschland das Restitutionsedikt (. d.), durch welches er den Protestanten alle ihre seit beinahe 100 Jahren erkämpften Vorteile mit einem mal wieder zu entreißen gedachte. Doch bald hinderte ihn die Entlassung Wallensteins, welche die Reichsstände zu Regensburg erzwangen, sowie die Gegenwirkung Richelieus, der alle polit. Triebräder in Bewegung setzte, um die Macht des Hauses Osterreich zu beschränken, den Kaiser an weitern Fortschritten. Zugleich stellte sich diesem in dem Könige Gustav Adolf (. d.) von Schweden, welcher als Retter des Protestantismus auftrat und die prot. Fürsten und Stände unter seiner Leitung vereinigte, ein Feind entgegen, der ungeachtet Wallensteins Wiederernennung zum Feldherrn durch entscheidende Siege und Eroberungen die Kriegserfolge des Kaisers vernichtete und nach seinem Heldentode bei Lützen in Axel Orenstjerna und den Generalen Bernhard von Weimar, Horn, Baner und Torstenson gewaltige Stützen der schwed.⸗deutschen Gegenmacht Huterlies. Nach Wallensteins Ermordung gewann F. zwar durch Gallas 1634 die Schlacht bei Nördlingen und mit diesem Siege Sachsens Rücktritt vom schwed. Bündnisse; aber die Lendlih d überlegenheit der schwed. Generale, sowie endlich Frankreichs öffentlicher Anteil an dem Kampfe gegen das habsburg. Haus brachten den Sieg der Waffen wieder so weit auf die Seite der Protestanten, daß F., als er 15. Febr. 1637 nach mehrjähriger Krankheit an der Wassersucht starb, bereits die Hoffnung aufgegeben hatte, seine Absicht jemals zu erreichen. Im persönlichen Verkehr war dieser fanatisch-kath. Fürst behäbig und freundlich: ein zärtlicher Gatte und Vater, gutmütig gegen seine Umgebung bis zur schlaffen Nachgiebigkeit, die ihm oft genug durch Unordnungen und Unterschleife gelohnt wurde; nach außen freigebig, lebte er für sich einfach, stets in den Geschäften thätig, ohne sich doch zu ihrer Beherrschung erheben zu können. Seine Erholung war die Jagd und die Musik, daneben übungen bigotter Frömmigkeit, während er jeder wissenschaftlichen Anregung fremd blieb. Auch seine Politik ist weniger durch ihn als seine Räte, besonders Eggenberg, Trauttmansdorff u. a., gemacht worden. Vgl. Khevenhüller, KAnnales Ferdinandeiv (12 Bde., Lpz. 1721—26); Hurters umfangreiche Geschichte Kaiser F.s II. und seiner Eltern» (11 Bde., Schaffh. 1850 — 64) ist eine Apologie vom ultramontanen Standpunkte aus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 680Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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