Ferrocyan, FeC, No, ein vierwertiges Radikal, welches im freien Zustande nicht bekannt ist, aber eine lange Reihe von Verbindungen bildet, von denen das Ferrocyankalium oder das gelbe Blutlaugensalz (s. d.) und das Ferrocyaneisen oder das Berlinerblau (s. d.) die bekanntesten sind. Als vierwertiges Radikal verbindet es sich mit vier Atomen einwertiger oder mit zwei Atomen zweiwertiger Elemente; so ist das Ferrocyankalium (EeC, N.)Ka, das Ferrocyanzink (FeC, N.)Zne. Man kann diese Verbindungen auffassen als Doppelsalze von Eisencyanür mit Cyankalium, resp. Eisencyanürmit Cyan-Gegen diese Auffassung ist aber schon von Gay-Lussac Folgendes geltend gemacht: Die Ferrocyanide veralten sich in jeder Beziehung anders als die gewöhnlichen Doppelcyanide. Während die letztern durch verdünnte Säuren in der Kälte unter Freiwerden von Cyanwasserstoff leicht zersetzt werden, wird bei den Ferrocyaniden das außerhalb des Radikals stehende Metall durch vier Atome Wasserstoff ersetzt und Ferrocyanwasserstoffsäure (FeCe N40H, abgeschieden. Das im Radikal enthaltene Eisen zeigt nicht das Verhalten des gewöhnlichen Eisens gegen chem. Reagentien, es wird weder durch Schwefelammonium noch durch Kalihydrat nachgewiesen. Während alle Cyanverbindungen die heftigsten Gifte sind, sind die Ferrocyanverbindungen nicht giftig. Diese Gründe sind entscheidend genug, um die Ferrocyanide von den Cyaniden zu sondern und darin ein Radikal F. anzunehmen, welches sich den Halogenen anreiht. Der Ausgangspunkt zur Darstellung aller Ferrocyanverbindungen oder der Ferrocyanide ist das gelbe Blutlaugensalz (s. d.), welches technisch gewonnen wird. Allgemeineres Interesse besitzen außer diesem nur die Eisenverbindungen des F., welche als blaue Farbstoffe Verwendung finden. Die der Eisenoxydulreihe entsprechende Verbindung des F. muß bei der Vierwertigkeit desselben zwei zweiwertig wirkende Atome Eisen enthalten und also der Zusammensetzung (FeC N%)2Fe entsprechen. Dieses bildet sich als weißer, leicht zersetzbarer Niederschlag beim Vermischen einer Lösung von Blutlaugensalz mit einer Lösung eines Eisenoxydulsalzes. Daneben bildet sich aber ein ebenfalls weißer Niederschlag, in welchem nur die Hälfte der Affinitäten des F. durch ein zweiwertig wirkendes Eisenatom gesättigt ist, während noch außerdem zwei Atome Kalium an das F. gebunden sind, also (FeC, N.)Feka. Ebenso wie die Eisenoxydulsalze durch Aufnahme von Sauerstoff in Orxydsalze übergehen, so haben auch diese die Eigenschaft, in die den Oxydsalzen entsprechenden Ferrocyanide sich zu verwandeln. Da aber das die Eisenoxydsalze charakterisierende Doppelatom Eisen Fes sechswertig ist, so verbindet es sich mit dem vierwertigen F. derartig, daß die zwölf Affinitäten von zwei sechswertigen Doppelatomen Eisen mit drei vierwertigen F. zu der gesättigten Verbindung 3FeC6 Ne)2Fes sich vereinigen. Diese Verbindung, das gewöhnliche Berlinerblau, entsteht, indem man in verdünnte Eisenchloridlösung eine Lösung von Blutlaugensalz in solchen Mengen gießt, daß schließlich noch ein überschuß von unzersetztem Eisensalz bleibt. Durch anhaltendes Waschen mit Wasser ist der tiefblaue Niederschlag von anhängenden Salzen zu befreien. Eine kaliumhaltige Verbindung, welche auf ein Doppelatom Eisen zwei Atome Kalium und zwei F. enthält, also 2 FeC, N.) Ee, Ke, entsteht, wenn man in eine Blutlaugensalzlösung eine Lösung von Eisenchlorid gießt, dabei aber zuletzt das Blutlaugensalz vorwalten läßt. Dieses bildet ebenfalls einen blauen Niederschlag, der aber nur unlöslich ist, solange noch Salze vorhanden sind, sich nach dem Auswaschen jedoch in Wasser löst. In der wässerigen Lösung des so erhaltenen löslichen Berlinerblaus geben Salze einen blauen Niederschlag, derselbe wird auch durch Zusatz von Alkohol gefällt. errocyaneisen ist Berlinerblau (s. d.). bes. s. Blutlaugensalz gelbes).