FeedFieber (kebris intermittens)
HeilkundeBrockhaus 1882

Fieber (kebris intermittens), dessen bekanntester Repräsentant das Wechselfieber ist, besitzt die Eigentümlichkeit, daß bei ihm Fieberanfälle (sog. Paroxysmen) mit völlig fieberfreien Tagen (Apy⸗ —7 in einer meist genau eingehaltenen Reihenfolge abwechseln. Bei einem solchen Fieberanfall, der oft mit einem heftigen Schüttelfrost beginnt, steigt die Temperatur gewöhnlich sehr rasch, binnen ein bis zwei Stunden auf eine Höhe von 40—41 J. erhält sich auf dieser Höhe einige Stunden und fällt dann während eines Zeitraums von acht bis zehn Stunden stufenweise zur Normaltemperatur erab. Derartige Fieberanfälle können sich entweder täglich einstellen, sodaß die fieberlose Zeit kaum einen halben Tag dauert (sog. Quotidianfieber), oder aller zwei Tage, mit einem ganzen fieberfreien Tag dazwischen (sog. Tertian fieber), oder aller drei Tage, mit zwei fieberlosen Tagen dazwischen (sog. Quartanfieber) u. s. w. Im allgemeinen ist die Gefahr eines solchen intermittierenden F. geringer als die eines nachlassenden oder gar anhaltenden Fieberverlaufs, da der Körper sich während der fieberlosen Zeit einigermaßen erholen kann. 4) Das wiederkehrende oder rekurrierende Fieber (febris recurrens), eine seltener vorkommende Fieberform, zeichnet sich dadurch aus, daß auf einen länger (durchschnittlich fünf bis sieben Tage) dauernden Fieberanfall eine ebenso lange dauernde fieberfreie Zeit fonn worauf lötzlich und unerwartet statt der gehofften Geneung ein erneuter Fieberparoxysmus folgt. Am ausgesprochensten indet sich dieser Fiebertypus beim sog. Rückfallstyphus. (S. Febris recurrens.) Eine rudimentäre Fieberform stellt das sog. ephemere Fieber (kebricula) dar, welches sch durch seine außerordentlich kurze Dauer auszeichnet und trotz seiner oft beträchtlichen Höhe (bis 40,5 C. und darüber) meist schon nach wenigen Stunden, spätestens nach einem Tage ohne weitere eichen einer Allgemeinstörung und ohne weitere olgen wieder verschwindet. Ein solches ephemeres F. entsteht gewöhnlich bei empfindlichen Personen (Kindern, Derante Rekonvaleszenten auf ganz geringfügige Veranlassungen hin, welche bei er] kräftigern Individuen eine Störung der Konstitution nicht hervorbringen. 32 Abgesehen von den oben angeführten Fiebere typen, deren Unterschiede hauptsächlich in den vernschiedenen Ursachen des hervorragendsten Fieber⸗ ). symptoms, der Temperatur, begründet sind, hat esman von alters her noch drei verschiedene Fieberarten aufgestellt, die durch das Überwiegen gewisser 3ssanderer Symptome einen eigenartigen Charakter „ darbieten: 1) Das entzündliche Fieber oder „Reizfieber (kebris erethica), welches bei ausge— 3dehnten schweren Entzündungen (wie der Lungen⸗ „und Rippenfellentzündung) und bei sonst kräftigen „Personen vorkommt und sich durch hohe Bluttem1fperatur, durch anhaltenden oder schwach nacheIlassenden Fiebertypus, harten, vollen Puls, lebhaft tgerötetes Gesicht, heftigen Durst, stark sedimentie⸗ „renden Harn, Unruhe und Delirien des Kranken zu erkennen gibt. Die Aussicht auf Genesung ist im allgemeinen beim entzündlichen F. günstig, vorausgesetzt, daß der Kranke hinreichend kräftig ist. 2) Das nervöse Fieber (tebris adynamica), welches sich vorwiegend bei zarten oder durch vorausgegangene Krankheiten geschwächten oder durch das Alter erschöpften Personen vorfindet, zeichnet sich durch große Hinfälligkeit und Schwäche, außerordentlich frequenten, kleinen Puls, schlaffes, einefallenes Gesicht, Delirien und Schlaflosigkeit, ewüs durch starke Schweiße aus; trotz der hohen Temperatur des Rumpfes fühlen sich die Extremitäten kühl an, und häufig besteht große Neigung um Aufliegen (s. d.). Die Vorhersage ist bei die2 ieberart in der Mehrzahl der Fälle ungünstig, weil der Kranke zumeist außerordentlich erschöpft und sein Organismus nicht im Stande ist, die durch das F. gesetzten Störungen zu überwinden. 3) Das Zehrfieber oder hektische Fieber (tebris hectica) zeigt sich bei den verschiedensten Auszehrungskrankheiten, namentlich bei der chronischen Lungenschwindsucht, sowie bei innern und äußern Eiterungen und Verschwärungen und gibt sich gewöhnlich dadurch zu erkennen, daß der Kranke trotz guten Appetits und reichlicher Nahrungszufuhr auffallend abmagert und sichtlich abzehrt. Gewöhnlich bietet das Zehrfieber einen stark und unregelmäßig nachlassenden Fiebertypus (hohe Abend- und niedrige Morgentemperaturen) dar; der Kranke fröstelt, hat gerötete und heiße Wangen, heiße Hände, matte Augen, wird in den frühen Morgenstunden von starken und quälenden Schweißen mit dem nachfolgenden Gefühl großer Ermattung befallen; auch stellen sich nicht selten reichliche erschöpfende Durchfälle ein. Die Vorhersage ist meist ungünstig, weil das Zehrfieber meist sehr lange andauert und daher auch mit einer beträchtlichen Konsumtion des Körpers verbunden ist. Die Frage nach den eigentlichen Ursachen und der Entstehung des F. hat von jeher das lebhafte Interesse der Arzte und Pathologen erregt, wurde aber erst in den ersten Decennien des 19. Jahrh. dadurch wesentlich gefördert, daß die Ansicht der ältern Schulen, wonach das F. eine ei enartige und selbständige, nicht von anatomischen Veränderungen abhängige Störung der Lebenskräfte sei, durch Broussais, Schönlein u. a. wirksam bekämpft und der wichtige Nachweis gefuhrt wurde, daß sich bei jedem F. eine örtliche Organerkrankung, ein Krankheitsherd auffinden läßt, von dem aus sodann durch Vermittelung des Blutes der Gesamtorganismus in der dem F. eigentümlichen Weise beeinflußt und verändert wird. Weitere Untersuchungen haben gelehrt, daß durch den üÜbertritt von fiebererregenden oder pyrogenen Stoffen, mögen dieselben nun, wie die verschiedenartigen Entzündungsprodukte, Eiter, zerfallende Gewebsmassen u. dgl., von einem im Körper bestehenden Krankheitsherd stammen oder, wie die Ansteckungsstoffe der Infektionskrankheiten, von außen her in den Körper gelangen, eine eigentümliche gärungsartige Veränderung des Blutes bedingt wird, welche ihrerseits wiederum eigenartige Wirkungen auf das Nervensystem, insbesondere auf denjenigen Teil des Nervencentralapparats, welcher der normalen Wärmeregulierung des tierischen Körpers vorsteht, ausübt und dadurch eine ganz beträchtliche Steigerung der Wärmeproduktion zur Folge hat. Die Einzelheiten dieses Vorgangs sind noch nicht genauer bekannt; nur so viel steht fest, daß durch das Fieberblut das im verlängerten Mark gelegene wärmeregulierende Nervencentrum übermäßig erregt und infolge dessen eine lebhafte, alle Gewebe des Körpers mehr oder minder betreffende Steigerung des allgemeinen Stoffwechsels hervorgerufen wird, mit welcher eine entsprechende Steigerung der Wärmeproduktion verbunden ist. Da nun aber mit dieser vermehrten Wärmebildung wieder, wie im normalen Zustande, eine vermehrte Wärmeabnahme Hand in Hand geht, so muß eine mehr oder weniger beträchtliche Uberheizung des Blutes und sämtlicher Organe und damit der ausgesprochene Symptomenkomplex des F. die unausbleibliche Folge sein, die so lange andauert, als gewisse pyrogene (fiebererregende) Stoffe im Blute eirkulieren und durch das letztere eine übermäßige Erregung jenes für die Wärmeregulierung des Körpers so wichtigen Nervencentrums veranlassen. Hinsichtlich der Bedeutung des F. und seiner Folgen für den Gesamtorganismus ist zu betonen, daß jedes F. an sich gewisse, nicht zu unterschätzende Gefahren für den Körper mit sich bringt, die um so größer und ernstlicher sind, je länger anhaltend und je kontinuierlicher sein Verlauf ist und je höhere Temperaturen dabei erreicht werden. Zunächst erfolgt durch die mit jedem F. verbundene Beschleunigung des Stoffwechsels und den erhöhten Eiweißumsatz eine beträchtliche Konsumtion und Entkräftung des Körpers, welche um so schwieriger zu bekämpfen ist, als durch die gleichzeitig vorhandene Verdauungsschwäche und Appetitlosigkeit die Nahrungsaufnahme meist auf das äußerste beschränkt wird; weiterhin entstehen aber auch durch jede anhaltende überheizung des Blutes schwere Ernährungsstörungen und pathol. Veränderungen (sog. parenchymatöse Entartungen) der verschiedensten lebenswichtigen Organe, des Gehirns, der Leber und Nieren, des Herzfleisches u. a., durch welche die befallenen Organe für ihre Verrichtungen mehr oder minder unfähig und wodurch unter Umständen leicht Lähmung des Herzens oder des Centralnervensystems und damit plötzlicher Tod herbeigeführt werden. Wegen dieser nachteiligen Wirkung auf die innern Organe sind länger anhaltende F. immer als eine ernste Gefahr für das Leben zu betrachten. Hohe Bluttemperaturen von 40 bis 41 C. vermag der Körper bei gleichmäßiger Andauer nicht länger als zwei, höchstens drei Wochen zu ertragen, während F. mit nachlassendem Fiebertypus, bei denen gegen Morgen ein erheblicheres Sinken der Körpertemperatur erfolgt, sehr viel länger ertragen werden, und intermittierende F., bei denen Rebertage mit ganz fieberfreien Tagen abwechseln, oft erst nach längerm Bestehen einen sichtlichen Einfluß auf die Ernährung und Konstitution des Kranken ausüben. Die Behandlung der Fieberkranken muß sich nach dem besondern Falle richten und geht in vielen Fällen mit der Behandlung der eigentlichen Krankheit Hand in Hand. Das Wechselfieber wird durch Chinin sicher geheilt, aber auch in andern Krankheiten kann durch große Dosen Chinin (2 bis 3 g und mehr) oder Salicylsäure die Temperatur vorübergehend erniedrigt und damit gewissen, durch die Überheizung des Blutes herbeigeführten Gefahren wirksam entgegengetreten werden. Ähnlich wirken Digitalis (Fingerhutkraut), Veratrin und starke Stuhlentleerungen. Das schnellste und wirksamste Mittel zur Herabsetzung der abnorm hohen Temperatur ist indessen das kalte Bad, welches schon Ende des 18. Jahrh. von dem Engländer James Currie vielfach angewendet, aber erst seit den neuerlichen Empfehlungen von Brand, Bartels, Liebermeister, von Ziemssen, Jürgensen u. a. allgemein eingeführt ist und die Sterblichkeitsziffer des Typhus, der Lungenentzündung und verschiedener anderer schwerer Fieberkrankheiten bedeutend herabgesetzt hat. Sowie die Temperatur 39,5 bis 40* C. erreicht, wird der Kranke in ein kaltes Vollbad von 16 bis 20 C. gesetzt und fünf bis zehn Minuten darin gelassen, sodann in ein Leintuch gewickelt, zu Bett gebracht und leicht zugedeckt. Dieses Verfahren ist je nach der Höhe und dem Typus des F. täglich drei⸗, viermal und selbst noch öfter anzuwenden und so lange hindurch fortzusetzen, bis das F. dauernd zu niedern Temperaturgraden herabsinkt. Bei Kindern und schwächlichen Kranken, welche kalte Bäder nicht vertragen, wendet man an deren Stelle mit großem Vorteil kalte Einwickelungen an; ein großes Leintuch, doppelt oder vierfach gelegt, wird mit kaltem Wasser durchtränkt, gut ausgerungen, auf einer wollenen Decke ausgebreitet und sodann der vollständig entkleidete Kranke zuerst in das nasse Tuch und dann in die wollene Decke eingeschlagen. Nach 10 bis 15 Minuten wird der Kranke herausgenommen und wieder frisch eingewickelt und die ganze Prozedur je nach der Höhe des vorhandenen F. drei-äbis siebenmal nacheinander vorgenommen. Hinsichtlich des allgemeinen diätetischen Verhaltens ist zu betonen, daß jeder Fieberkranke möglichst frühzeitig in Pflege genommen wird und während der ganzen Dauer des F. das Bett hütet, längeres Aufbleiben und Ankämpfen gegen die Krankheit, bn ein weiter Transport, selbst mit der Eisenbahn, wirken durchaus schädlich. Starke Sinneseindrücke (Geräusch, Licht) sind von dem Kranken möglichst fern zu halten; sein Lager muß bequem und nicht zu warm, das Krankenzimmer jederzeit gut ventiliert und nicht über 16 bis 17, C. temperiert sein. Mit besondern Schwierigkeiten hat die Ernährung des Fieberkranken zu kämpfen, weil wegen der meist auf das äußerste darniederliegenden Verdauung und der ungenügenden Absonderung der Verdauungssäfte Eiweißsubstanen und Fette in erheblichern Mengen von dem Fieberkranken nicht verarbeitet und verdaut werden können und zudem eher eine allgemeinere Steigerung des Stoffumsatzes und damit des F. bewirken würden. Man beschränke sich deshalb auf das Darreichen von Milch und Schleimsuppen aus dünnem Gerstenschleim, Hafergrütze, Gries und ähnlichen leicht verdaulichen, vorzugsweise sog. Kohlenhydrate enthaltenden Nahrungswutteln welche auch ohne Einwirkung der Verdauungssäfte einfach durch den Milchsäuregärungsprozeß schließ lich gelöst und in die Säftemasse aufgenommen werden können. Nur ganz allmählich und mit Vorsicht Eisth man zu kräftigern Nährstoffen (Fleischsaft, * chbrühen mit Ei, geschabtes Fleisch, leichte Mehlspeisen) über. Als Getränk dienen am besten einfaches kaltes Wasser, Brot-Soder Reiswasser oder säuerliche Limonaden. Bewußtlosen Fieberkranken sind öfters einige Löffel kalten Wassers in den Mund einzuflößen. Eine wichtige Rolle in der Fieberbehandlung spielen endlich die Reizmittel (starke Fleischbrühe „Wein, Cognac, schwarzer Thee), durch welche in Augenblicken der Gefahr der drohenden Erschöpfung oder Herzlähmung wirksam begegnet wird. Litteratur: Wunderlich, Die Eigenwärme in Krankheiten » (Lpz. 1868; 2. Aufl. 1870); Liebermeister, «Uber Wärmeregulierung und F. v und «Über die Behandlung des F.» in Volkmanns (Sammlung klinischer Vorträger (Opz. 1871—72); derselbe, KHandbuch der Pathologie und Therapie des F.» (Lpz. 1875); Buß, «über Wesen und Behandlung des F.y (Stuttg. 1878). ieber bei Haustieren kann ein selbständiges Leiden sein, meist ist es aber ** Erscheinung einer andern Krankheit. Die Ursachen des F. kennt man noch nicht genau, wohl aber die Erscheinungen desselben. Solche sind: gesteigerte Körpereigenwärme (bei Pferden beträgt die im Masdarm mittels Thermometer gemessene Temperatur in fieberhaften Zuständen mehr als 38,5C., bei Rindern mehr als 38,8“ C., bei Hunden und Schafen 190 als 40° C., bei Schweinen mehr als 39,6 C.), beschleunigter Puls (beim erwachsenen Hengst im F. mehr als 34, beim Wallach mehr als 38, bei der Stute mehr als 44, bei dem ausgewachsenen Rind mehr als 60, beim Schaf mehr als 70 bis 80, beim Hund mehr als 100 Schläge in der Minute), beschleunigte Atemzüge (beim erwachsenen Pferd mehr als 10 bis 12, beim Rind mehr als 18, bei kleinern Tieren mehr als 20 bis 25, beim Schwein mehr als 12 in der Minute), Wechsel von Frost und Hitze an der Körperoberfläche, gesträubtes Haar während des Fieberfrostes, Muskelzittern, Abgeschlagenheit und Mattigkeit, verringerter Appetit, doch meist Durst. Die gesteigerte innere Körpereigenwärme ist die Haupterscheinung des F.; ein fortgehendes Steigen der Temperatur bei einem kranken Tiere ist immer ein sehr schlechtes, jede Abnahme der über die Norm erhöhten Körpereigenwärme ein günstiges Zeichen; langes Stehenbleiben der Temperatur auf ungewöhnlicher Höhe ist ebenfalls ein ungünstiges Zeichen; bei heftigen Schmerzen tritt Steigerung, bei Lähmungen Erniedrigung der Körpereigenwärme ein. Man ist gewöhnt, zwei Hauptgruppen des F. der Haustiere zu unterscheiden, nämlich F. mit sthenischem Charakter, mit dem Charakter der Energie, und F. mit asthenischem Charakter, mit dem Charakter der Schwäche, die erste Art nannte man wohl auch Entzündungsfieber, die andere Schwäche⸗ oder Faulfieber. Das erstere otr mitihn beh dem aien besonders dadurch, daß der mit ihm behaftete fPatient einen raschen, harten, vollen und gespann3ten Puls und einen nur undeutlich oder gar nicht dfühlbaren Herzschlag, stark gerötete sichtbare „Schleimhäute, erhöhte Körpereigenwärme beobach⸗ „ten läßt, während bei dem Schwächefieber schneller, ekleiner, schwacher Puls, deutlich fühlbarer Herz11 der oft förmlich pochend und prallend ist, 1blasse, bleigraue oder blaurötliche oder gelbliche, tmit klebrigem Schleim bedeckte Schleimhäute, An⸗ „schwellungen an verschiedenen Stellen des Tieres, „große Hinfälligkeit und Kräfteverfall sich kundgeben. Der bei aßchen Berla Tierkrankheiten wegen des überaus raschen Hranct der meisten derselben noch allgemein gebräuchliche Aderlaß würde bei reinen Entzündungsfiebern am Platze sein, während er bei Schwächefiebern, wo er oft gern vorgenommen wird, da mit diesen behaftete kranke Tiere einen stark pochenden Herzschlag zu erkennen geben, gleichbedeutend mit Totschlag des Patienten wäre. Aufenthalt der fieberkranken Tiere in kühlen, mit guter Atmungsluft versehenen Ställen, Frottieren der Haut, kaltes Wasser als Getränk, in Form von Klystieren, Einwickelungen, Bädern, das Verabreichen von kühlend entzündungswidrigen Mitteln, wie Brechweinstein, Salpeter (bei einem Pferde z. B. 10 g Brechweinstein mit 30 g Salpeter in einen Stalleimer voll Wasser zu beliebiger Aufnahme innerhalb 24 Stunden; der Brechweinstein ist, ehe er dem Wasser zugesetzt wird, in heißem Wasser für sich zu lösen), wasserreiches oder grünes Futter, Kleie, kein Körnerfutter und nur wenig Heu als Nahrung werden bei Behandlung mit Entzündungsfiebern behafteter Tiere von Nutzen sein. Bei Schwäche-und Faulfiebern darf nie den damit behafteten Tieren Blut entzogen werden, und sind äußere Ableitungen, wie Haarseile und Fontanelle, möglichst zu meiden; es ist eine proteinreiche Nahrung bald zu verabreichen und sind im großen und ganzen Mittel anzuwenden, welche der Neigung zur Blutzersetzung entgegenarbeiten (Salicylsäure, salicylsaures Natron, Chinin, bittere und bitteraromatische Mittel, Eisenpräparate, Säuren u. dgl.), neben einem geeigneten diätetischen Verfahren, namentlich Unterbringung der Patienten in luftigen und leicht zu lüftenden Ställen, Angedeihenlassen besonderer Hautpflege durch öfteres Frottieren und Putzen des Patienten, Verabreichen reinen Trinkwassers und eines leichtverdaulichen, aber gut nährenden Futters. Bei sehr hoher Körpereigenwärme können kalte Einhüllungen, kalte Bäder, Begießen mit Wasser, kalte Klystiere u. s. w. dem kranken Tiere von wesentlichem Nutzen sein. Welche arzneilichen Mittel in Anwendung kommen müssen, laßt ich im allgemeinen nicht angeben, der konkrete Fall muß hierfür entscheidend sein. größerte, oft brotartig harte und durch ausgetretenen Blutfarbstoff schwarz Ra ud S Milz, wie sie durch langwierige Wechsel⸗ und Sumpffieber entsteht. Da eine derartig veränderte Milz sich an der Blutbildung nicht mehr beteiligen kann, so werden solche Kranke bei fortgesetzter Malariainfektion gewöhnlich sehr bald blutarm, mager und schließlich oft wassersüchtig.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 792Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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