FeedFidücit
HeilkundeBrockhaus 1882

Fidücit, bei Studentenkommersen bejahender Zuruf der Versammlung auf das „Schmollis o (Trinkgruß) des Präses. Fieber (Febris), eine krankhafte Störung des Allgemeinzustandes, bei welcher unter verschiedenen allgemeinen Erscheinungen die Eigenwärme des Körpers infolge einer abnormen Steigerung des Stoffwechsels höher ist als beim Gesunden, bei welchem sie 37,5 C. zu keiner Tageszeit überschreitet. Nur die Erhöhung der Eigenwärme ist charakteristisch für das Vorhandensein des F.; wo sie fehlt, darf F. nicht angenommen werden, auch wenn gewisse andere Erscheinungen, die Ktonen 56. gemäß gewöhnlich die fieberhaften Affektionen begleiten, wie Frost, Durst, Mattigkeit, Pulsbeschleunigung u. dgl., bei dem Kranken ie Temberaftewerden. Zu diesen allgemeinen, die Temperatursteigerung begleitenden Erscheinungen gehört eine oft beträchtliche Beschleunigung der Herzbewegungen und dadurch bedingte Vermehrung der Pulsschläge (um 10 bis 40, ja selbst bis 70 Schläge in der Minute); auch pflegt sehr bald eine erhebliche Steigerung der Atembewegungen einzutreten, durch welche bei Erwachsenen die Zahl der Atemzüge von 18 auf 20 bis 40, bei Kindern von 28 bis 35 auf 60 und daß Atemzüge in der Minute steigen kann, ohne daß eine krankhafte Affektion der Brustorgane vorhanden zu sein braucht. Weiterhin kommt es durch den störenden Einfluß des Fieberblutes auf die nervösen Centralorgane zu mannigfachen nervösen Erscheinungen: bei geringerm F. klagen die Kranken nur über ein unbestimmtes Gefühl allgemeinen Unbehagens, über Unlust zu geistiger Beschäftigung, Schwere und Eingenommensein des Kopfes, Kopfschmerzen, über das Gefühl von Schwäche und Hinfälligkeit, schlafen unruhig und werden vielfach durch ängstliche Träume gestört; bei stärkerm F. treten sehr oft Unruhe und Aufregung, Schlaflosigkeit, lautes Sprechen und Schreien, anhaltende Delirien mit Ideenflucht (sog. Fieberdelirien oder Fieberphantasien), oft auch Neigung zu Ohnmacht und Schwindel oder anhaltende Bewußtlosigkeit und Schlafsucht hinzu. Zu diesen nervösen Störungen gesellen sich mancherlei Störungen von seiten des Verdauungsapparats: Appetitlosigkeit, pappiger Geschmack, Verdauungsschwäche, Stuhlverstopfung und lebhafter Durst; bei länger bestehendem . wird die Ernährung in erheblichem Maße beeinträachtigt, und es schwindet nicht nur das Fett, sondern es werden auch die eiweißhaltigen Körperbestandteile in einem der Höhe der Fiebertemperatur entsprechenden Grade verbraucht. Sehr häufig beginnt das F. (die Temperatursteigerung) mit einem ausgesprochenen Frostgefühl, das sich selbst bis zum Schüttelfrost steigern kann; während eines solchen Fieberfrostes schaudert der Kranke beständig, wird von Gähnen, Zähneklappern und Zittern befallen und atmet oberflächlich und rascher, seine Haut ist kühl und bleich und bietet das charakteristische Aussehen der Gänsehaut dar. Ein solcher Fieberfrost dauert in der Regel nur kurze Zeit, eine halbe bis zwei Stunden, kann aber auch tagelang anhalten; gewöhnlich folgt hierauf ein lebhaftes Hitzegefühl (Fieberhitze), wobei das Gesicht stark gerötet erscheint, die Haut sich warm, selbst brennend heiß anfühlt und sich oft reichlicher Schweiß einstellt. Der gesteigerten Wrther,Loudentr entsprechend pflegt der Harn spärlicher, konzentrierter und dunkler zu sein. Die Dauer des Hitzestadiums ist eine sehr verschiedene, von einigen Stunden bis zu Wochen, selbst Monaten schwankend. Da die gesteigerte Temperatur das einzige sichere Zeichen ist, aus welchem das Vorhandensein von F. mit größter Bestimmtheit hervorgeht, so ist die Anwendung des Thermometers zur Messung der Körperwärme (Thermometrie) für die Erkennung und Behandlung der fieberhaften Krankheiten von der größten Bedeutung. Die Wichtigkeit der Thermometrie für die ärztliche Diagnostik ist erst verhältnismäßig spät erkannt worden; denn wenn auch schon im 18. Jahrhundert vereinzelte Arzte (Boerhave, van Swieten, de Haen) dem Verhalten der Eigenwärme im kranken Körper Beachtung geschenkt hatten, so wurde doch erst seit den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts durch die grundlegenden Beobachtungen und Arbeiten von Traube, Bärensprung, Wunderlich und H Schülern die Thermometrie zu einer wertvollen wissenschaftlichen Methode erhoben und gar bald von allen strebsamen und tüchtigen Arzten als eine wichtige Bereicherung der diagnostischen Hilfsmittel in der Praxis erprobt. Zur Messung der Blut- oder Eigenwärme bedient man sich sehr genau gearbeiteter Quecksilberthermometer, deren Skala in Fünftel⸗ oder Zehntelgrade eingeteilt ist, und die man am zweckmäßigsten in die vorher von Schweiß gereinigte Achselhöhle einlegt, worauf man die letztere durch festes Anlegen des Armes an die Brustwand schließt. Das Thermometer soll wenigstens 10 bis 15 Minuten in der festgeschlossenen Achselhöhle liegen bleiben und erst dann entfernt werden, wenn innerhalb fünf Minuten keine merkliche Steigung des Quecksilbers mehr erfolgt; man kann die Dauer der Messung dadurch etwas abkürzen, daß man vor dem Einlegen die Quecksilberkugel vorsichtig über einem Lichte anwärmt. Abgelesen wird natürlich das Thermometer, solange es noch in der geschlossenen Achselhöhle liegt. Wie oft täglich derartige Temperaturmessungen an dem Kranken vorzunehmen sind, hängt von der Natur der betreffenden fieberhaften Krankheit ab; gewöhnlich sind zwei es Messungen hinreichend, von denen die eine des Morgens zwischen 7 und 9 Uhr (zur Zeit der mutmaßlich niedrigsten Temperatur), die andere in den Nachmittagsstunden zwischen 4 und 6 Uhr (Zeit der mutmaßlich höchsten Tem peratur) vorzunehmen ist. Bei schweren Krankheiten kann es von großem Vorteil sein, die Eigenwärme aller zwei bis vier Stunden durch thermometrische Messung zu bestimmen. Bei länger anhaltenden Krankheiten pflegt man, um ein genaues Bild von dem Gange des F. zu erhalten, die sämtlichen Temperaturbeobachtungen auf einem System senkrecht sich schneidender Koordinaten mit Punkten zu bezeichnen, die letztern durch Striche zu verbinden und so eine graphische Darstellung des Teberverlaufs, die sog. Temperatur- oder Fieberkurve, zu geben, durch welche der Arzt oft schon auf den ersten Anblick hin über Art und Verlauf des F. und über die Notwendigkeit gewisser therapeutischer Maßregeln sich unterrichten kann. Nach der Höhe der beobachteten Temperatur unterscheidet man verschiedene Grade des F. Alle Temperaturen über 38,0·e C. sind durchaus fieberverdächtig; 38,0 bezeichnet man noch als hoch normal, weil diese Temperatur häufig bei nicht fieberhaft Erkrankten beobachtet wird; Temperaturen von 38,1 bis 38,5 heißen subfebril (dem F. nahestehend), von 38,8 bis 39,f leichtes F., von 39, bis 40,0 schlechthin F., von 40 bis 41 bis 42 hohes bis sehr hohes F. Steigt die Temperatur über 42 C. hinaus, so ist dies ein Zeichen des herannahenden Todes (sog. prämortale Temperatursteigerung); die höchste, überhaupt bei einem Lebenden kurz vor seinem Tode beobachtete Temperatur betrug 44,½ C. Die niedrigsten Temperaturgrade dagegen, welche bei Kranken gefunden wurden, betrugen 33 (in einigen wenigen Fällen selbst 25 C.); man bezeichnet ein so auffallendes, mit mancherlei gefahrdrohenden .½½½ verbundenes Sinken der Eigenwärme als Collaps (s. d.). Hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs des F. oder des Ganges der Eigenwärme während der ganzen fieberhaften Krankheit unterscheidet man drei verschiedene, mehr oder minder deutlich voneinander gesonderte Stadien: das Anfangsstadium, welches sich entweder allmählich, unter stufenweisem Ansteigen der Temperatur entwickelt oder ganz plötzlich mit einem heftigen Frost und darauf folgender rapider Temperatursteigerung beginnt, das Stadium der Fieberhöhe (Akme oder Fastigium), der vollsten Entwickelung des F., welches meist eine längere Dauer, von einigen Tagen bis drei Wochen und darüber besitzt und sich dadurch auszeichnet, daß die Temperatur, abgesehen von kleinern Schwankungen, sich während der ganzen Zeit auf annähernd gleicher Höhe erhält, und endlich das Stadium der Abnahme oder Entfieberung (Deferveszenz), während welches die erhöhte Temperatur dauernd wieder zur Norm zurückkehrt. Diese Entfieberung erfolgt entweder plötzlich, in raschem Zuge in Form einer sog. Krisis, wobei binnen wenigen Stunden die gesteigerte Temperatur und . zur Norm abfallen, der Kranke sich plößlich erleichtert fühlt, alle nervösen Symptome verschwinden und ein ruhiger, erquickender Schlaf sich einstellt, oder nach und nach, in langsamerm Zuge in Form einer sog. Lysis oder Lösung, bei er Ta die Temperatur stufenweise im Laufe einiger Tage, höchstens einer Woche bis zur Norm herabsinkt. In vielen Fällen tritt die Krisis ein, wenn der Krankheitsprozeß sein Ende erreicht hat, so bei den sog. akuten Exanthemen, (Pocken, Masern, Scharlach), wenn sich der Ausschlag völlig ausgebildet hat, bei der Lungenentzündung nach der Ausbildung des Exsudats in den Lungen u. s. w. An das Stadium der Entfieberung reiht sich schließlich das Stadium der Rekonvaleszenz oder Genesung an, welche je nach der Schwere und Intensität der vorausgegangenen Krankheit und je nach der Konstitution des Kranken eine verschieden lange Dauer in Anspruch nimmt. Wenn das F. im Stadium der Fieberhöhe schließlich nicht herabsinkt, sondern eine weitere Steigerung auf 42 C. und darüber erfährt, so ist ein tödlicher Ausgang des F. zu erwarten, da so hohe Temperaturen das Leben des Kranken auf das höchste gefährden. Außer den eben besprochenen Stadien, die eine jeden fieberhaften Krankheit zukommen, unterschei det man noch weiterhin gewisse typische Verlaufs sormen des F., sog. Fiebertypen, durch welch die Art und Weise des Fieberverlaufs an mehreri aufeinander folgenden Tagen veranschaulicht wird Man unterscheidet in dieser Beziehung folgende vier Fiebertypen: 1) Das anhaltende oder kon: tinuierliche Fieber (kebris continua), welches tagsüber nur sehr geringe Schwankungen darbietet, sodaß der höchste und tiefste Stand der Tem: peratur an einem Tage nicht mehr als höchstens 0,8˙ C. differiert; betragen die täglichen Temperaturschwankungen etwas mehr, etwa 0,5 bis 1,07, so pflegt man von einem subkontinuierlichen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 790Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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