Febris recurrens, Rückfallsfieber (engl. relapsing fever), eine epidemisch auftretende, typhusähnliche Infektionskrankheit, welche in Rußland, namentlich in Petersburg, 1864 und 1865 zahlreiche Opfer forderte. Anfänglich wurde sie für eine ganz neue Krankheitsform gehalten, doch fand man bald darauf, daß schon früher ähnliche Epidemien an verschiedenen Orten beobachtet worden waren: so namentlich in Dublin (1739), dreimal in Edinburgh (1817, 1842 und 1847); im J. 1847 war sie in London und in Schlesien aufgetreten. In der neuesten Zeit hat sie wiederholt in Rußland gewütet und hat sich außerdem, aber mehr sporadisch, über Teile von Deutschland und England ausgebreitet. da Deutschland sind namentlich in Prag, Breslau, eipzig und Berlin vom J. 1868 an kleinere Epidemien vorgekommen. as Krankheitsbild der Febris recurrens besteht vorzugsweise in starken und lange anhaltenden Fieberanfällen mit nachfolgenden heftigen Gliederschmerzen, Schlaflosigkeit und unterscheidend von andern Fieberformen ist die lange Dauer des Fieberanfalls (durchschnittlich 5— 7 Tage) und die beträchtliche völlig fieberfreie Zwischenzeit (meist 6—8 Tage), die zwischen dem ersten und einem zweiten Anfall gelegen ist. Diese Zwischenzeit ist so groß, daß der Kranke bei den gelindern Erkrankungsformen sich oft schon genesen fall w ehe sich der zweite, gewöhnlich kürzere Anall wiederholt. Selten tritt der Anfall mehr als zweimal ein. Der Tod kann während desselben oder nachher infolge der bedeutenden Entkräftung erfolgen. Die Mortalität schwankt in den verschiedenen Epidemien ungefähr zwischen 6 und 14 Proz. der Erkrankungsfälle. Die Ursachen der Febris recurrens liegen noch ziemlich im Dunkeln. Bemerkenswert ist, daß man die Epidemien häufig im Gefolge von Typhus⸗ und Cholera⸗-Epidemien oder während derselben beobachtet hat. Mit dem Fleckentyphus (Petechialtyphus) scheint die Krankheit sich öfter zu kombinieren, wenigstens ist in vielen Fällen ein ähnlicher fleckiger Ausschlag wie bei dieser Typhusform beobachtet worden. Anschwellungen der Milz werden ferner stets gefunden. Im Blute der Kranken finden sich nach der Entdeckung von Obermeier (1873) während des Fieberanfalls konstant zahllose sehr dünne, fadenähnliche spiralige Pilze (sog. Spirillen, zur Klasse der Bacterien gehörig), welche nur mit den stärksten Vergrößerungen zu erkennen und unzweifelhaft als die Träger des Kontagiums oder Ansteckungsstoffs zu betrachten sind. Zuweilen treten Gallenbestandteile in das Blut über (sog. biliöses Typhoid, biliöse Form der Febris recurrens), und zwar in so großer Menge, daß zahlreiche Blutkörperchen sich auflösen und das Blut eine dunkle Farbe und eine teilweise durchsichtige Beschaffenheit annimmt. Innere und äußere Blutungen können die Folge dieser gefahrdrohenden Komplikation sein. Bissetzt ist das Rückfallsfieber fast nur bei schlecht genährten, in ungünstigen äußern Verhältnissen lebenden Individuen, namentlich bei Landstreichern und Vagabunden beobachtet worden; die Krankheit ist zweifellos ansteckend, wird aber nur von Person zu Person, nicht durch die Vermittelung des Bodens und Wassers übertragen. Die Behandlung ist in der Hauptsache eine symptomatische, da weder das Chinin noch die übrigen antipyretischen Heilmittel den eigentümlichen Verlauf der Krankheit zu beeinflussen vermögen. Vgl. Griesinger, Infektionskrankheiten (Erlangen 1864); Wyß und Bock, «Studien über Febris recurrenso (Berl. 1869).