Figulina (lat.), thönerne Gefäße Werke der Töpferkunst. Dessin. Zigur in der Weberei soviel wie Muster oder zigur (ügura) ist in mehrern Künsten und Wissenschaften ein oft gebrauchter technischer Ausdruck. In der Tanzkunst versteht man darunter den nach gewissen Linien beschriebenen Weg, welchen der Tänzer zu nehmen hat. In der Musik nennt man F. jede aus der Zergliederung der melodischen Hauptnoten entstehende Gruppe aufeinander folgender Noten von geringerm Werte, oder auch die Vereinigung mehrerer Neben- und Wechselnoten mit einer harmonischen Hauptnote auf einer und derselben harmonischen Grundlage. Je nachdem das rhythmische oder das melodische Element dabei das bestimmende ist, spricht man von rhythmischen oder melodischen F. Durch die Anwendung der F. wird es dem Tonsetzer möglich, der Melodie mehr Zusammenhang und Ausbildung, mehr Mannigfaltigkeit, Schmuck, Bewegung und Nachdruck zu verleihen, ohne doch deshalb den Grundcharakter zu verwischen und die notwendige Einheit des Ganzen zu verletzen. In der Rhetorik spricht man von Redefiguren und versteht darunter die besondern Formen des Ausdrucks, in denen die Gedanken und Empfindungen als unmittelbarer Erguß eines lebendig bewegten Gemüts sich kundgeben. Der Gebrauch der Redefiguren ist tief in der Natur des Menschen begründet, der gern anschaulich spricht, besonders das minder Anschauliche gern mit einem lebendigen Bilde umkleidet, weshalb wohl keine Sprache ohne figürlichen Ausdruck ist. In den verschiedenen Sprachen sind die Redefiguren sehr verschieden und die Eigentümlichkeit des Nationalstils bei einzelnen Völkern beruht zum großen Teil auf diesem Unterschiede. Gewöhnlich werden sie in solche eingeteilt, welche, ohne den Hauptbegriff zu verändern, nur dem Ausdrucke der Nebenvorstellungen durch Abweichungen von der gewöhnlichen oder rein verstandesmäßi zu erwartenden Darstellungsweise eine größere Anschaulichkeit verleihen, und in solche, welche durch Vertauschung des eigentlichen Begriffs gegen einen uneigentlichen den Begriff wirklich verändern, indem sie statt des Gegenstandes oder mit demselben ugleich sein Gegenbild der Einbildungskraft vorjühren. Die F. der ersten Klasse begreifen das Ungewöhnliche in dem Gebrauche einzelner Wörter und sind zum Teil grammatischer Art (Epitheton, Emphasis, Wiederholung, Ellipse, Asyndeton, Polysyndeton, Annomination, Allitteration und Onomatopöie), oder sie bestehen in der zum Behufe größerer Anschaulichkeit veränderten Wendung und Anordnung ganzer Gedanken (Frage, Apostrophe, Ausruf, Beispiel, Gleichnis, Vergleichung, Periphrase, Antithese, Epanorthosis, Gradation, Hyperbel u. s. w.). Die F. der zweiten Klasse nennt man gewöhnlich Tropen (s. d.), von denen manche jedoch nicht zu den F. zählen; man rechnet dahin die Metonymie, die Synekdoche, Metapher, Personifikation, Allegorie u. s. w. Schon die Alten unterschieden nach jener Beobachtung F. der Gedanken und F. des bloßen Ausdrucks, obgleich es eine F. des bloßen Ausdrucks ohne Rücksicht auf den Gedanken und die Empfindung nicht gibt. Neuere ordneten sie nach dem Zwecke, den der Redner verfolgt, zu belehren und zu bewegen, in demonstrative und pathetische. Die Feststellung der F. ist den Rhetorikern der Griechen und Römer zu verdanken, namentlich Hermogenes, Herodian, Tiberius, Rutilius Lupus, Aquila Romanus und Julius Rufinianus. Eine vollständige Sammlung aller griechischen und römischen F. gab J. Chr. G. Ernesti im Lexicon technologicum graecae et latinae rhetoricae (2 Bde., Lpz. 1795—97). Logische oder syllogistische Figuren heißen in der Philosophie die verschiedenen Formen, welche der Schluß durch verschiedene Stellung des Mittelbegriffs annimmt. srabilität.