Gedankengang einer Rede, einer Dichtung, einer Abhandlung u. s. w. nennt man den kurzen und präzisen Ausdruck ihres Inhalts und seines wesentlichen Zusammenhangs, mag derselbe nun in logischer Folgerung oder in den Associationen der Phantasie bestehen: im letztern Sinne spricht man übertragenerweise auch von dem G. eines musikalischen Kunstwerks. Bei der Auffassung eines G. handelt es sich darum, die Darstellung ihres äußern Schmucks zu entkleiden, die Nebengedanken abzusondern, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu scheiden und die Grundzüge entweder der Komposition oder der Beweisführung rein herauszuheben: daher ist die Reproduktion der Gedankengänge wertvoller Werke ein hervorragendes Bildungsmittel. In der schöpferischen Thätigkeit kommt es darauf an, daß der G. eines Kunstwerks oder einer wissenschaftlichen Arbeit möglichst klar, einfach und einleuchtend sei und durch das Werk selbst sicher, durchsichtig und verständlich zur Darstellung gelange. Die Erfüllung dieser Aufgabe wird um so schwieriger, aber aüch um so lohnender, wenn der Gegenstand die Verschlingung mehrerer Gedankengänge verlangt. 134