Finistere heißt wegen seiner Lage an dem äußersten Westende des Landes ein Departement in Frankreich, welches, einen Teil der ehemaligen Niederbretagne bildend, eine Grundfläche von 6721,67 ꝗkm hat und (1881) 681 564 C. zählt (gegen 666 106 im J. 1872, Zunahme 2,3 Proz.). Französisch wird sehr wenig gesprochen, faft nur bretonisch. Zwei niedrige, in den höchsten Punkten gegen 400 m aufsteigende, aber malerische Bergzüge aus Granitgestein, die Montagnes d'Arréee und die Montagnes noires, durchziehen das Land von Osten gegen Westen. Den Boden bilden Granit, Gneis, Glimmerschiefer und Urthonschiefer. Brest und Chäteaulin haben Tertiärschichten, Ronscavel Kalk und Quimper Kohlen. Die 600 km langen Küsten, nach W. bis in 12 36 östl. L. von Ferro, sind fast überall hoch und steil, von ½½½ Felsmassen und zahlreichen Inselchen, wie z. B. Ouessant und Seins, umgeben und vielfach eingebuchtet, sodaß sie eine Menge von Vorgebirgen, von denen Pointe de St.⸗Matthieu das wesentlichste ist, von Häfen, Baien und Reeden, wie die von Brest, Douarnenez, Forest, Audierne, Anse de Benodet u. a., bilden. Unter den sehr zahlreichen Flüssen sind die Aune, Elorn, Odet, Ellee am bedeutendsten. Der erstere ist durch einen Kanal mit dem Blavet verbunden und bildet einen Teil der großen Schiffahrtslinie von Brest nach Nantes. Auch Teiche und Seen sind in großer Menge vorhanden. Das Klima ist unter dem temperierenden Einflusse des Oceans sehr mild; die mittlere Jahrestemperatur von Brest übertrifft die aller andern Orte des Landes, welche auf gleichem Parallel liefelt Selten fällt das Thermometer unter — 6e, elten steigt es über 23· C. Daher wachsen und gedeihen dort eine Menge von Pflanzen, von denen keine den Winter von Paris auszuhalten vermag. Allein wegen dergeringen Sommertemperatur wächst kein Wein hier, und selbst an den Südgehängen der Arréeberge kommt der Mais nicht immer zur Reife. Die Luft ist feucht; die vorherrschenden Westwinde, die nicht selten in furchtbare Stürme übergehen und Gewitter selbst im Winter zbet. Oee Geaer brinn stets Regen und dicke Nebel. Die Gegend von rest ist als regenreich bekannt; es fallen jährlich 720 mm (in ganz Frankreich im Mittel 770) an 220 Regentagen. Stets ist der Himmel düster und bedeckt. In Quimper und Morlaix fallen 800, an der Bai von Douarnenez 1000 mm. Der mit dem Seetang, Varech, gedüngte Boden des Departements ist sehr mannigfaltig, allein wegen der Vernachlässigung des Ackerbaues nicht sonderlich ergiebig. Man gewinnt indes viel Weizen, dann Roggen, Buchweizen, Hafer und Gerste, sowie Kartoffeln, Flachs, Hanf und Hülsenfrüchte, in manchen Gegenden viel Gemüse, Apfel und Birnen, welche überall zur Bereitung des Ciders verwendet werden. Das Ackerland des Departements umfaßt 2840 qkm. Ausgedehnt sind die Viehweiden und Wiesen, die mitunter drei Heuernten gewähren; doch gibt es auch sehr weite Strecken, die nichts als Heidekraut und Ginster hervorbringen (2700 qkm Sand und Sumpf), nebst Stroh in vielen Gegenden das gewöhnliche Feuerungsmittel auf 28 des Holzmangels. Nur 360 Akm kommen auf Wald. Bedeutende Zweige der Landwirtschaft sind die Rinder⸗, Pferde⸗ und Schweinezucht. 28 ist alles Vieh von kleiner Art, die Pferde aber sehr stark, die Schafe grobwollig. Man gewinnt viel Butter, zieht viel Bienen, und der Honig ist ein Gegenstand der Ausfuhr. Die Fischerei ist sehr ergiebig. Das Departement ist reich an Mineralien. Die silberhalti⸗ — Bleigruben von Huelgoat und Poulladuen im rrondissement von Chäteaulin werden seit 1869 nicht mehr ausgebeutet. Sonst finden sich Eisen, Zink, Wismut, Steinkohlen, Porzellanerde; an 1000 Arbeiter brechen blauen und andern Granit, Porphyr, Serpentin, Schiefer u. s. w. Unter den zahlreichen Mineralquellen sind mehrere sehr wirksam. Das Departement gehört zu den am wenigsten industriellen. Der Gewerbfleiß beschränkt sich hauptsächlich auf Fabrikation von Leinwand von Landerneau, Segeltuch, Tauen, Fischerfahrzeugen, Eisenguß, Papier, Topfwaren, Wachskerzen, Bleiglätte, chem. Produkten, sowie auf Wollzeuge, Leder, Ol, Seife u. s.w. Der Sardellenfang, nächst dem Steinbrechen der bedeutendste Zweig ber Erwerbsthätigkeit, beschäftigt fast 7000 Mann und 1300 Schisse allein in Douarnenez und Concarneau (das auch durch seine Hummern, 1 und Austern berühmt ist) und bringt jährlich 2 Mill. Frs. Der Handel, begünstigt durch mehrere Häfen, gute Landstraßen, 15 schiffbare Flüsse und den Kanal zur Aune Nantes-Brest-Kanal), ist sehr vorteilhaft. Die beiden Eisenbahnen (Paris-Brest und Nantes-Landerneau) haben 218 Em Länge; der kolossale Viadukt von Morlaix auf der erstern ist berühmt. Das Departement hat zur Hauptstadt Quimper, zerfällt in die fünf Arrondissements Quimper, Brest, Chäteaulin, Morlair und Quimperlé, in 43 Kantone und 287 Gemeinden und bildet die Diöcese des Bischofs von Quimper. Man unterscheidet noch jetzt, wie ehemals, das Land Tréguier, Land Leon und Cornouaille. Vgl. Vallin, «Voyage dans le F.„ (Par. 1859); A. Joanne, «Géographie du F.„ (1878); Freminville, Antiquités du F.v (1835).