FeedFinnenkrankheit
HeilkundeBrockhaus 1882

Finnenkrankheit, im weitern Sinne alle Krankheitszustände, welche durch Cysticercen hervorgerufen werden, d. h. durch Blasenwurmvorstufen von Bandwürmern, welche nur einen Scolex oder nur einen einzigen spätern Bandwurmkopf entwickeln. Doch versteht man unter F. meist einen bei Schweinen und jungen Rindern, sowie bei Ziegen vorkommenden, durch Finnen hervorgerufenen krankhaften Zustand. Bei den Schweinen sind es die Schweinefinnen (Cysticercus cellulosae, s. beistehende Fig. 1 und 2), 1. Finne mit vorgestrecktem Kopse. 2. Finneukopf uach Verdauung der Schwanzblase. Larven oder ungeschlechtlichen Vorstufen des Einsiedlerbandwurms (Taenia solium) des Menschen, welche die sog. F. hervorrufen; bei Rindern Blasenwätenwhrüuit noder Finnen eines zweiim Menschen schmarotzenden Bandwurms, der Taenia mediocanellata. Die Ausbildung und Entwickelung von Finnen in dem Muskelfleisch junger Schweine (s. Fig. 3), der Kälber und jungen Rin-MPII II braucht nicht not⸗ * AN. wendig mit deutlich sälligkeit, sehr häufig durch ein Juckgefühl, was die Kranken durch unbändiges Reiben und Scheuern erkennen geben, ferner durch blasse Schleimhäute, durch heisere Stimme, Ausgehen der Borsten, Auftreten wassersüchtiger Geschwülste an verschiedenen Körperstellen unter der Haut; Abzehrung, Schwäche Hinterteil, gesteigert bis zu Lähmungszuständen Hinterhand, und ein sehr erschöpfender Durchfall, die Kräfte des Tieres aufreibt, stellen sich schließlich ein. Unter der Schleimhaut der Zunge und auf Innenfläche der Augenlider der kranken Schweine kann man zuweilen kleine weiße Bläschen sitzen sehen, welche nichts anderes als Finnen sind. Bei Aufnahme vieler Eier des Einsiedlerbandwurms des Menschen seitens eines Schweins kann heftige Darmentzündung bei letztern entstehen, hervorgerufen durch die aus den Bandwurmeiern ausschlüpfenden Embryonen, welche den Darm ihres Herbergers durchbohren müssen, um in ihre weitere Entwickelungsstätte, in die Muskeln des Schweins, gelangen zu können. Ähnliches geschiehte wenn junge Rinder oder Ziegen zahlreiche Eier des Rindsfinnenbandwurms (Taenia mediocanellata) des Menschen genossen haben. Dann zeigen die betreffenden Haustiere drei bis vier Tage nach Aufnahme der Bandwurmeier heftiges Fieber, verminderte oder aufge—⸗ hobene Freßlust, Schmerz beim Drücken auf die Bauchdecken, ein steifes, nur unter großen Beschwerden zu ermöglichendes Gehen; endlich verlieren die Kranken das Vermögen, sich vom Boden erheben zu können, bleiben liegen, zehren ab und sterben endlich, nachdem ein ganz erschöpfender Durchfall eingetreten ist, oder enden durch Herzlähmung. Ist letzteres der Fall gewesen, so findet man bei der Sektion des betreffenden Tieres nicht nur in den Muskeln viele jungen Finnen, sondern solche massenhaft angehäuft im Herzmuskel (akute Cestodentuberkulose). Hauptsektionsresultat bei finnenkrank gewesenen Tieren ist natürlich das Vorkommen von Finnen in Muskeln, Augen, Gehirn, Rückenmark u. s. w. Die F. ist unheilbar. Durch alle Mittel, welche verhindern, daß Schweine, Rinder, Ziegen Glieder der bei Menschen vorkommenden beiden obengenannten Bandwürmer aufnehmen können, wird vorbeugend gegen F.gewirkt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 824Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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