FeedBlasenwürmer
TierreichBrockhaus 1882

Blasenwürmer (Cystica) nennt man eine Entwickelungsstufe der Bandwürmer (s. d.). Der sechshakige Embryo derselben verwandelt sich, an dem Orte EDlade, n wo er sich weiter entwickeln soll, in eine Blase, an welcher, nach innen eingestülpt, der Bandwurmkopf sproßt, sich ausbildet und dann auch meist hervorgestülpt werden kann. Ein solcher Blasenbreiwurm heißt eine Finne (Cysticercus), von welcher zwei Modifikationen vorkommen; die gewöhnliche Finne, bei welcher die Blase mit eiweiß-Conversatiens-Lexikon. 13. Aufl. III. haltigem Wasser angefüllt bleibt, und die Trockenfinne, besonders bei Insekten häufig, wo die Blase einen doppelt eingestülpten Sack ohne wässerigen Inhalt bildet. Alle diese Finnen leben festsitzend in den Organen ihrer Wohntiere, bis dieselben von einem andern Tiere gefressen werden. Im Magen des Fressers angekommen, stößt der Wurm die Blase ab und heftet sich als Bandwurmkopf, der Glieder ea Fu läßt, im Darme an. Zu den gewohnlichen Finnen gehören die Schweinsfinne (Cysticercus cellulosae), die den Kürbisbandwurm des Menschen (Taenia solium) erzeugt, die Rindsfinne (C. mediocannelatae), die den Rinnenbandwurm bildet, die dünnhalsige Finne (C. longicollis) der Waldmäuse, welche die Taenia erassiceps des Fuchses, die Bandfinne (C. fasciolaris) der Hausmäuse, welche die T. crassicollis der Katzen wird. Zu den Trockenfinnen gehört eine Art, die sich in den Hundeläufen (Trichodectes canis) findet und die im Hundedarme den Hundekürbiswurm (Taenia cucumerina) bildet. (Vgl. Finne.) Mia allgemeinen finden sich demnach die B. bei den Pflanzenfressern, die Bandwürmer bei den Fleischfressern. Abweischend von den Finnen sind gestaltet: die Quese (Coenurus cerebralis), im Hirne der Schafe und Rinder. Die Blase wird sehr groß, bis faustgroß und bewirkt durch ihren Druck auf das Gehirn die Drehkrankheit. Statt eines Kopfes sprossen auf dieser Blase viele Tausende von Köpfen, die sich alle im Darme des Hundes, Wolfs zu winzigen Bandwürmern entwickeln. Während die Schweinsfinne zuweilen beim Menschen vorkommt, ist die Quese dort noch nicht konstatiert worden. Dagegen leidet der Mensch häufig am Hülsen⸗ oder Schachtelwurm (Echinococcus). Die Blase erzeugt innere Blasen, auf welchen neue Köpfe sprossen So entstehen große Geschwülste, aus ineinandergeschachtelten Generationen von Blasen gebildet, die je nach dem Orte, wo sie sich ausbilden, oft lebensefährlich werden. Die Köpfe sterben ab, die Blaen wuchern fort und bilden neue Generationen von Köpfen in ihrem Innern. Die Köpfe bilden im Hundedarm einen winzigen Bandwurm —2 echinococcus). Der Wurm entwickelt 2 äufig in der Leber oder den Eierstöcken des Menschen und ist im ersten Falle absolut tödlich. Aus solchen Organen, die dem Messer des Chirurgen zugänglich sind, können die Blasen durch Operation entfernt werden. In vielen einzelnen Gegenden, wie z. B. Island, ist er sehr häufig. Er kommt auch im Körper der Haustiere und der Affen vor.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 129Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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