FeedFliuck (Govaert)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Fliuck (Govaert), Maler, geb. in Kleve 25. Jan. 1615, wurde in Amsterdam Schüler Rembrandts, nachdem er früher bei einem weniger bedeutenden Meister den ersten Unterricht erhalten hatte. Schon in jungen Jahren ein angesehener Künstler, erstreckte er seine Thätigkeit auf diejenigen Zweige des Fachs, welche seine heimatliche Schule um jene Port vor196. Rege kultivierte. So machen also Porträts, og. Regentenbilder, d. h. Gruppendarstellungen öffentlicher Persönlichkeiten, besonders von Gesellschaften, Schützengilden u. s. w., dann religiöse und Genrestücke das Repertoire seiner Palette aus, Arbeiten, in welchen seine Kunst realistischer Auffassung und lebenswahrer Charalkteristik, sowie seine Fertigkeit im Helldunkel häufig an die Qualität Rembrandtscher Schöpfungen heranreicht. Auswärtige Fürsten, wie der Kurfürst von Brandenburg und der Ia Amnt Nassau, machten Bestellungen bei ihm. In Amsterdam sieht man seine treffliche Schützengruppe von 1648, in München die Wachtstube. Biblische Sujets gingen seltener aus seiner Hand hervor; doch besitzt das Louvre in Paris eine schöne Verkündigung der Hirten, das berliner Museum Hagars Verstoßung. F. starb in Amsterdam 2. Febr. 1660. linder, soviel wie Flitter. linder⸗ oder Flitterhaube, mit Goldblättchen (Flindern oder Flittern) behängte Staatshaube der Frauen im Mittelalter. Flinders (Matthew), engl. Reisender, geb. 1770 zu Donington in Lincolnshire, begleitete 1794 den Wundarzt Baß auf seiner Fahrt an der Südostküste Australiens in einem kleinen Kahne, nahm 1798 die Inseln am Osteingange der Baßstraße auf und machte mit Baß die Fahrt durch die Baßstraße und rings um Tasmanien. Auf einer neuen Entdeckungsreise 1801, begleitet von Robert Brown, befuhr er die Südküste Australiens bis Kap Leuwin; 1802 erforschte er die Ostküste von Port Stephens bis Kap Palmerston und das Korallenriff Große Barrière und entdeckte in der Torresstraße die einzige sichere Durchfahrt im N. der Prinz-Wales-Insel; er nahm auch die Küsten des Carpentariagolfs auf. Auf der Rückkehr nach Europa litt er Schiffbruch, wurde aber gerettet und gelangte nach Isle de France, wo ihn die Franzosen gefangen nahmen. Er starb 19. Juli 1814 in London. F. schrieb Voyage to Terra Australias (2 Bde., 1814). Flindersland nannten einzelne Geographen die heutige britische Kolonie Südaustralien (s. d.) zu Ehren des engl. Reisenden Matthew Flinders (s. d.). Flinsberg, sehr langes Gebirgsdorf und stark besuchter Badeort im Kreise und 38 km südwestlich von Löwenberg im Regierungsbezirk Liegnitz der preuß. Provinz Schlesien, im schönen Thale des Queis, 526 meüber der Ostsee, am Fuße des Isergebirges, 18 km von der Station Greiffenberg der Linie Kohlfurt-Altwasser der Preußischen Staatsbahn, hat mit Iser zusammen 1700 E., eine evang. Kirche, eine kath. Kapelle und sehr gute Stahlnellen mit ebenso viel Eisen wie Franzensbad, St. Moritz und Cudowa und ebenso viel Kohlensäure wie Pyrmont und Elster. Der Oberbrunnen war schon 1572 als «Heiliger Brunnen v bekannt und wird zu Bade⸗ und Trinkkuren verwendet; die 1875 nahe bei ihm aufgedeckte neue Quelle hat das Mineralwasser quantitativ und qualitativ wesentlich verbessert. Am Queisufer liegt die alkalische Eisentrintquelle der Niederbrunneno (seit 1826). Außerdem hat F. noch vier andere Quellen, zwei Badehäuser (Leopolds- und Ludwigsbad), Stahl⸗, Moor-, Fichtennadel⸗, Lohebäder, Kaltwasserkur, auch Antatten ene Moltenkur getr neuerdings sind auch Anstalten zur Molkenkur getroffen und F. seiner reinen Luft * auch als klimatischer Kurort besucht worden. Der Ort gehört zur Herrschaft Greifenstein des Grafen von Schaffgotsch. Vgl. Adam, (Bad F.v (Görlitz 1874); Neugebauer, Das Isergebirge und der Kurort F.» (Görlitz 1880). Flinsch (Ferd.), der Gründer eines um die Förderung der Papierfabrikation und des Papierhandels in Deutschland verdienten Handlungshauses, wurde 19. Aug. 1792 zu Blankenberg a. S. geboren, wo sein Vater eine kleine Papierfabrik (eine sog. Papiermühle) besaß. Er war zuerst in einem Handlungshause in Schleiz, dann in Leipzig beschäftigt und gründete mit seinem jüngsten, in der Papierfabrikation Zin Blaut Bruder Heinrich F. (geb. 21. März 1802 in Blankenberg) 20. April 1819 das noch gegenwärtig in Leipzig und Frankfurt a. M. bestehende rerlaaer in Deut Ferdinand F., das erste große Papierlager in Deutschland. Das Haus, das einen raschen Aufschwung nahm und dem später auch der andere Bruder, Karl August F. 4 eb. 28. Aug. 1799 in Blankenberg), beitrat, konnte schon 1. Nov. 1827 unter der Leitung von Heinrich F. in Offenbach ein zweites umfangreiches Etablissement eröffnen, das später nach Frankfurt a. M. verlegt wurde. Wie auf den Papier⸗ und hierdurch auf den Buchhandel, so wirkte Ferdinand F. au auf die (bis dahin in Deutschland fast nur auf Handfabrikate beschränkte) Herstellung des Papiers fördernd und umgestaltend ein. Er kaufte die Papierfabrik von Keferstein in Penig an, erweiterte dieselbe in großem Maßstabe und ergänzte die dort vorhandene vorzügliche Wasserkraft durch Einführung eines engl. aschinenwerks. Bald zeichnete sich das hier gefertigte Papier an Weiße und Festigkeit vor fast allen deutschen Fabrikaten aus. Cine zweite Fabrik begründete er 1841 in seinem Heimatsorte Blankenberg; auch in dieser brachte er ein engl. Maschinenwerk an, aus dessen gewaltigem Getriebe in jeder Stunde ein Centner des schönsten Papiers hervorging. Die Fabrikate des Hauses F. nahmen von Jahr zu Jahr an Güte und Schönheit zu. F. starb zu Leipzig 11. Rov. 1849. ö Seine Brüder, Söhne und Neffen setzten sein Werk mit Erfolg fort. Eine wesentliche Erweiterung erfuhr das leipziger Geschäft, das nebst den Fabriken in Blankenberg und Penig und der inzwischen hinzugekommenen Papiermühle Cospuden in die Hände von Karl August, Gustav (gest. 21. Juli 1875), sowie später von Heinrich und Alexander F. überging, durch die den Anforderungen der Neuzeit eutsprechende vollständige Umgestaltung Penigs 1862 und Blankenbergs 1863 und 1874 (Penig ging 1872 an eine Aktiengesellschaft über), sowiedurch die Errichtung eines dritten Hauptetablissements in Berlin 1863, das den Umsatz nach Norden vermittelt. Im J. 1879 erfolgte der Ankauf der Papierfabrik Weesenstein bei Dresden. Nach deren Umgestaltung arbeitet jetzt dieses Etablissement mit drei Maschinen neuester Konstruktion. Das frankfurter Haus ging auf den jüngsten Bruder Ferdinand F.s, Heinrich (gest. 20. Juni 1865), und dessen Nachfolger über, mit ihm die dazugehörige Papierfabrik zu Freiburg i. Br. Eine 1881 errichtete Filiale in London beschäftigt sich in der Hauptsache mit dem kommissionsweisen Vertrieb deutscher Papierfabrikate. Alle diese in ununterbrochener Thätigkeit begriffenen und fortwährend nsch dem jeweiligen Stande der Industrie, der Wissenschaft und der Technik vergrößerten und verbesserten Etablissements sind in ihrer Art musterhaft eingerichtet. Das frankfurter Haus wurde 1859 noch durch Erwerbung einer seitdem gleichfalls schwunghaft betriebenen Schriftgießerei erweitert. Beide Häuser sind unter einer gemeinsamen Firma thätig. Vgl. Süs, «Das Handlungshaus Ferdinand F. v Prn a. M. 1869). lint, s. Feuerstein. lint, die kleinste und nordöstlichste Grafschaft des engl. Fürstentums Wales, aus zwei durch Denbighshire pon 684. Teilen bestehend, hat im ganzen ein Areal von 684,55 qkm, zählt (1881) 80373 C. und wählt zwei Parlamentsmitglieder. F. ist der am wenigsten gebirgige Teil von Wales, bietet einen anmutigen Wechsel von Felshügeln und romantichen, fruchtbaren Thälern dar. Die wichtigsten lüsse sind die schiffbare Dee im Osten mit dem Alyn im Thale von Mold und der Clwyd im Westen. In den niedern Gründen wechseln Getreidefelder mit vortrefflichen Viehweiden und einzelnen Waldungen ab; überhaupt hat F. verhältnismäßig mehr fruchtbaren Boden als das übrige Wales. Einen Hauptreichtum hat das Land in seinen Mineralien. Das Steinkohlenfeld längs der Dee hat zur Unterlage Kohlenkalkstein und Flöze von 0,6—4,6 m Mächtigkeit. Hier sind beträchtliche Eisenwerke, die aber durch die Konkurrenz der schottischen in Abnahme gekommen sind. Ferner baut man bei Holywell auf Kohlen, Kupfer, Vitriol und, wie besonders auch bei Llan-y-Pander, auf Blei; auch findet sich Galmei und die beste Art von Blende oder Zinksulfurat. Außer der Viehzucht und dem Bergbau beschäftigt sich die Bevölkerung mit Baumwollspinnerei, Töpferei und Seesalzbereitung. Die Hauptstadt ist jetzt Mold, in schöner Lage an dem dreifach überbrückten Deezufluß Alyn und an der Eisenbahn. Der Ort hat das Grafschaftshaus, eine Markthalle und zählt (1881) 4320 E., die Baumwollstoffe und Papier fabrizieren. Etwa 10 km nördlicher am Dee und an der Eisenbahn liegt die Municipalstadt und der Parlamentsborough Flint, früher Hauptstadt, mit 5126 E., einem Stadthause, Grafschaftsgefängnis, Versorgungshause, einem Hafen für kleine Schiffe, der Kohlen und Blei ausführt, und einem besuchten Seebade. Der Ort war früher befestigt, und noch stehen uber dem Flusse auf einer Felsenhöhe die Ruinen einer festen Burg, wo Richard II. gefangen saß und 1399 seine Krone an Heinrich IV. abtrat. In der Nähe sind Kohlen-Ioer und Bleischmelzen. St.⸗Asaph, jetzt ein orf, ist noch Bischofssitz; Rhyl, mit 6034 E., ist ein fashionables Seebad.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 905Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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