FeedFloquet (Charles Thomas)
GeschichteBrockhaus 1882

Floquet (Charles Thomas), franz. Politiker, geb. 5. Okt. 1828 zu Saint-Jean de Luz, im Depart. Untere Pyrenäen, besuchte das Gymnasium Saint-Louis in Paris und dann die Ecole d'administration. Hierauf studierte er die Rechte, wurde 1851 Advokat und gehörte zu den heftigsten republikanischen Gegnern des zweiten Kaiserreichs. Er trat als Verteidiger vor Gericht in vielen polit. Prozessen und erwarb sich als Mitarbeiter an verschiedenen liberalen Zeitungen bald in seiner Partei einen gewissen Einfluß. Im J. 1864 organisierte er mit zwölf andern, Garnier-Pages, Carnot, Herold, Dréo, Ferry u. s.w., einen demokratischen Wahlausschuß und ward deswegen in den sog. «Prozeß der Dreizehno verwickelt. Noch bekannter machte sich F. namentlich dadurch, daß er, als 1867 Kaiser Alexander II. von Rußland bei seinem Aufenthalt in Paris den Justizpalast besuchte, ein Hoch auf Polen ausbrachte. Im Prozeß des Prinzen Pierre Bonaparte wegen der Ermordung Victor Noirs (März 1870) plaidirte F. für die Familie des Toten mit großem Erfolg. Nach dem 4. Sept. wurde er Adjunkt des Maire von Paris, Etienne Arago, nahm aber nach dem Aufruhr vom 31. Okt. seine Entlassung. Vom Depart. Seine in die Nationalversammlung gewählt, stimmte er gegen die Friedenspräliminarien und versuchte, bei dem Aufstand des 18. März 1871, den Bürgerkrieg zu verhindern. Als alle Aussöhnungsversuche scheiterten, legte F. sein Mandat nieder, ward Präsident der Ligue d'union républicaine des droits de Pariso und ging mit Corbon, Clémenceau und Villeneuve nach Bordeaur, wo ein Kongreß der Gemeinderäte zusammenberufen worden war. Angeklagt, Beziehungen zur Commune in Paris zu unterhalten, wurde er in Biarritz verhaftet und im Juni im Schloß zu Pau gefangen gehalten, dann aber wieder freigelassen. Nachdem ihn 1872 und 1874 das 11. Arrondissement in den pariser Gemeinderat gewählt hatte, sandte ihn 1876 dasselbe Arrondissement in die Deputiertenkammer, wo F. der Gruppe der republikanischen Union angehörte. Er beantragte damals die Aufhebung des auf 42 Departements lastenden Belagerungszustandes und eine vollständige Amnestie für die Communisten. Nach dem 16. Mai 1877 war er einer der 363 Abgeordneten der verbündeten Linken, welche den Sturz des Ministeriums Broglie-⸗-Fourtou herbeiführten. Im Jan. 1882 wurde er zum Seinepräfekten ernannt, legte aber im Okt. 2W. Posten nieder. Als im Jan. 1883 infolge des Manifestes des Prinzen Jéröme Napoleon die Prinam, stellte F. den Antrag, allen Mitgliedern derjenigen Familien, welche über Frankreich geherrscht haben, den Aufenthalt auf franz. Gebiet zu untersagen; doch wurde dieser Antrag nicht angenommen. loquet (Pierre Amable), franz. Gelehrter, geb. zu Rouen 9. Juli 1797, studierte in Caen die Rechte, war kurze Zeit Advokat in Rouen und besuchte dann die Urkundenschule in Paris. Von 1828 bis 1843 war er beim königl. Gerichtshof 1½% 1839 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt. Er starb zu Formentin, im Depart. Calvados, 6. Aug. 1881. Von seinen Werken sind hervorzuheben: Choix d'uvres inédites de Bossueto (1828), Histoire du privilége de Saint-Romaino (2 Bde., Rouen 1833), Anecdotes normandeso (1838), Histoire du parlement de Normandien (7 Bde., Rouen 1840—43), Journal du voyage du chancelier Séguier en Normandies (Rouen 1842), Etudes sur la vie de Bossuet jusqu'à son entrée en fonctions en qualité de précepteur du Dauphino (3 Bde., Rouen 1855), „Bossuet, précepteur du Dauphin, fils de Louis XIV, et evèque à la coury (1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 909Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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