Flor und Blancheflor (in latinisierter Form Flos und Blaneflos, d. i. Blume und Weißblume) ist der Name einer vielfach bearbeiteten mittelalterlichen Liebessage. Ihrer ersten Entstehung nach ist dieselbe, wie schon der Name andeutet, eine Personifikation der Rose und der Lilie oder im allegorischen Sinne der Liebe und der Unschuld. Diese ursprüngliche Bedeutung aber ist in den vorhandenen Dichtungen nicht mehr mit Bewußtsein festgehalten, der Stoff vielmehr ganz in der Weise anderer romantischer Dichtungen behandelt. Hauptinhalt derselben ist die von zarter Kindheit an erwachsende Liebe des Helden und der Heldin, Trennung durch den erzürnten Vater des erstern, nach mancherlei Abenteuern glückliche Wiedervereinigung; endlich sterben beide 1 derselben Stunde und ruhen in ein und demselben Grabe. An den alten Kern der Sage erinnert fast nur der Zug, daß sich Flos einmal in einem Blumenkorbe zu der gefangenen Blancflos bringen läßt. Dadurch, daß die Sage als beider Tochter Bertha, die Mutter Karls d. Gr., nennt, knüpft sie an die geschichtliche Karlssage an; doch liegt auch hier eine weit ältere Idee zu Grunde, da dengrh die Reine bedeutet und zu den uralten Sagengestalten der Schwanenjungfrauen gehört. Schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. ist die Sage in Südfrankreich bekannt. Eine altfranz. Bearbeitung des 12. Jahrh. nebst einer neugriechischen hat Immanuel Bekker herausgegeben (Berl. 1844), mit einer zweiten des 13. Jahrh. Ed. du Meril (Par. 1856). Eine niederrheinische Bearbeitung enthält der um 1170 nach dem ältern franz. Gedichte verfaßte Ployriop, von dem nur Bruchstücke erhalten sind (herausg. in der „Zeitschrift für deutsches Altertumv,‚ Bd. 21); eine hochdeutsche 7*7 derselben Quelle verfaßte um 1210 Konrad Fleck, ein Schwabe (herausg. von Sommer, Quedlinb. 1846); eine plattdeutsche ward herausgegeben in Bruns' „Gedichte in altplattdeutscher Spracher (Berl. 1798) und von Waetzoldt (Brem. 1880). Eine neudeutsche Behandlung gibt es von Frau von Knorring, geb. Tieck (Berl. 1822). Dieselbe 190 liegt dem Roman II filocolo o filocoboy von Boccaccio zu Grunde. Anklänge an die Sage finden sich fast bei allen Völkern. Dlura hieß bei den alten Römern sowie sonst in Italien, namentlich bei den Sabinern, die Göttin der Blumen und Blüten, sowie des Frühlings. Sie hatte in Rom seit alter Zeit ein Heiligtum auf dem Quirinal und einen eigenen Priester. Nach Erbauung eines Tempels der Göttin beim Cirkus Maximus im J. 240 oder 238 v. Chr. wurden zu Ehren derselben am 28. April zum ersten mal Spiele (die Ludi Florae oder Florales, auch Floralia genannt) veranstaltet, und 173 v. Chr. wurde beschlossen, daß dieselben alljährlich stattfinden sollten, was dann an immer mehr Tagen, zuletzt vom 28. April bis 3. Mai geschah. Diese Spiele bestanden namentlich in Mimen (s. d.), wobei die ohnehin nur in Mimen auftretenden weiblichen Schauspielerinnen, wenn das Volk es verlangte, die Kleider abwarfen und nackt tanzten, und in Cirkusspielen, bei welchen statt wilder Tiere Ziegen und Hasen gehetzt wurden. Auf Münzen erscheint F. mit Blumen geschmückt. — F. heißt auch einer der Asteroiden. (S. Planeten.)