Akademie, k., frz. académie, engl. academy, griech. dπειονμια, Arsprünglich ein nach dem Heros Akademos benanntes Landgut bei Athen, von demselben dem Staat legirt und dann zu einem Gymnasium eingerichtet, später von Plato zu seinen Vorträgen benutzt. Daher übertrug sich der Name auf höhere Schulen und gilt jetzt noch für Anstalten zur Ausbildung in den Künsten oder Wissenschaften und für die Pflege und das Gedeihen derselben. Die Akademieen für Ausbildung etc. junger Leute bedürfen in der Regel großer Lokalitäten, besonderer Gebäude, der Akademiegebäude; s. d. nächsten Art. Wenn wir hier nicht von den Gebäuden, sondern von den darin unterzubringenden Anstalten reden wollen, so gehören natürlich nur die Bauakademieen hierher. Die älteste bekannte A. wurde in Alexandrien gegründet und blühte gerade zu der Zeit, als die ägyptische Kunst sank. In den ersten christlichen Jahrhunderten, während d. Verfalls römisch. Kunst, waren die Akademien in voller Blüte. Karl der Große versuchte eine A. zu gründen, sie hielt sich aber nicht; die romanische Kunst war im Aufblühen begriffen. Seitdem, während des ganzen Mittelalters, während der Zeit der Cinquecentisten, gab es keine A., die erst mit der Pariser A., im Jahr 1660 von Colbert begründet, wieder ihre Wirksamkeit begannen. Und gleichzeitig sank auch die Kunst. Am aufsallendsten und prägnantesten trifft diese Beobachtung bei der Baukunst ein; worin kann dies nun seinen Grund haben? Sind die angestellten Lehrer ungeeignet, ihre Aufgabe zu erfüllen? Sind zu wenig Lehrer da, so daß sie dem einzelnen Schüler nicht genug Zeit widmen können? Werden zu wenig Vorträge und Vorlesungen gehalten? Wird den Schülern zu viel freie Zeit und zu viel Freiheit in der Art und Weise zu arbeiten gelassen? Werden sie nicht streng genug auf die Regeln der Kunst hingewiesen? Sind die Originale, wonach sie arbeiten, schlecht oder zu wenig? Nein, im Gegentheil, alle diese Fehler sind, wenigstens in der Gegenwart meist sorgfältig und fast vollständig vermieden. Aber betrachten wir einmal ganz kurz den Studiengang eines jungen Architekten in einer Zeit, wo es keine A. gab, z. B. im Mittelalter, und vergleichen wir damit den jetzt gewöhnlich von den Schülern eingeschlagenen akademischen Gang, so wird sich der eigentliche Grund des scheinbar nachtheiligen Einflusses der A. herausstellen. Der Knabe, nachdem er in einer Klosterschule od. sonst- wie durch Privatunterricht bei frommen, würdigen Lehrern die nöthigen wissenschaftlichen, bes.mathematischen, naturgeschichtlichen u. physikalischen Vorkenntnisse gesammelt und tiefe, innige Verehrung, wahrhaftige und aufrichtige Begeisterung für die Schönheit der Gotteswelt und die Lehren seiner Religion eingesogen hatte, erlernte erstzünftig irgend eines der Bauhandwerke, dann wanderte er von Stadt zu Stadt, gewöhnlich blos in seinem Heimatsland, seltener im Ausland, u. studirte an den Bauwerken selbst. Sah er irgendwo Baue, die ihn so recht ansprachen, so suchte er bei dem betreffenden Baumeister als Schüler ein Unterkommen. Hier arbeitete er unter dem Einfluß des geachteten Meisters, ohne von einem durch Regeln schematisirten Stil etwas zu wissen, ohne durch die Ueberfülle von Kenntniß der Bauten alter, längst begrabener Völker irre geführt zu werden. Sein eigenes Talent, ohne welches ihn kein Meister aufnahm, des Meisters väterlicher, nicht pedantischer, weil nicht nach Schematen gegebener Rath, die Bedürfnisse der Gegenwart, die Lebensbedürfnisse des Bauherrn bei profanen, die Ehrfurcht vor der Religion bei kirchlichen Entwürfen waren seine einzigen Leitfäden; die Eigenschaften des vorhandenen Materials, der von ihm durch Arbeiten u. Anschauung kennen gelernte Stand der Technik seine einzigen Hülfsmittel, die gesehenen Baue und die Entwürfe seines Meisters seine einzigen Originale. Durch den Umstand, daß die ihm werdenden Aufgaben mehr und manchfaltiger waren, als die ihm zu Gebote stehenden Originale, konnte er gar nicht mehr mit dem Kopiren auskommen, sondern wurde gezwungen, neue Kombinationen zu erfinden. Die Folgen einer solchen Heranbildung waren natürlich Einfachheit und Klarheit in dem Entwurf, Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit in der Ausführung, Zweckmäßigkeit, Sittengemäßheit, Anpassen an das Klima in der Einrichtung, Originalität und dabei doch immer Stiltreue in der Formgebung. Nachdem er bei mehreren Meistern oder auch blos bei einem einige Jahre lang gearbeitet hatte und so eine feste Richtung, einen bestimmten Charakter gewonnen, begann er seine Wanderung von Neuem, nun in weiteren Kreisen hier und da seine Kräfte versuchend, bis er endlich irgendwo seine bleibende Wohnstätte aufschlug. Diese zweite Wanderung erweiterte den Kreis seiner Anschauungen, ohne ihn in seiner Richtung wankend, in seinen Begriffen unklar zu machen, denn er war bereits zum Mann gereift. Ganz anders jetzt. e deren Söhne Architekten werden sollen, sowie die e Leute selbst, glauben leider, das akadem. Studium müsse so zeitig wie möglich angetreten werden. Infolge dessen weien die Schüler meist schon als Knaben von 15 bis 16 Jahren in die A. ein; die Leiter dieser letzteren haben zwar zum großen Theil den Nachtheil des Studienbeginns in so unreifer Zeit eingesehen, können aber natürlich, da es ja viele frühreife Talente giebt und diesen gerade die A. nicht verschlossen bleiben darf, für den Eintritt nicht wohl ein gewisses Alter bedingen. Sie haben daher zu einem andern Mittel gegriffen. Durch ein strenges Aufnahme-Examen oder durch Zeugnisse nämlich muß der junge Mensch erlangte viel⸗, fast allseitige Kenntnisse nachweisen. In den jungen, gewöhnlich ohne klaren Überblick angefüllten Kopf müssen nun fast im Flug sämtliche Regeln aller bis jetzt dagewesenen Stile, natürlich um leichteren Erlernens willen tabellenartig gestaltet, also fast aller Poesie entkleidet, noch Eingang finden; er muß Entwürfe machen in allen diesen Stilen. Zugleich wird ihm der gesamte Reichthum an Mitteln, die unsere fortgeschrittene Materialienkunde und Technik bieten, ebenfalls in möglichst kürzester Zeit vorgeführt, und ö sobald dies vorbei ist, hält er sich für fähig, in das Leben hinauszutreten. Höchstens macht er vorher noch eine Kunstreise, sieht ebenfalls im Flug die Werke der Griechen, Römer, des frühen Mittelalters und der Renaissance in bunter Reihe an seinem schon durch das unendlich viele und rasch Gelernte halbtrunkenen Geist vorüberziehen und tsbibliothek Heidelberg kehrt dann zurück, um seine Wirksamkeit sogleich zu beginnen; entweder bekommt er nun durch Glück od. Empfehlungen sogleich Baue und bereichert die Welt mit unverdauten, der Bestimmung der Gebäude wohl oder übel angepaßten Kopien des Gesehenen, oder er bekommt eine untergeordnete Anstellung, wo er den ganzen Tag mit Kopiren, Rechnen und Schreiben beschäftigt wird; kurz, er kommt jedenfalls nicht dazu, das Gelernte zu verdauen und Ordnung in seinen Kopf zu schaffen. Fast allgemein pflegt man die Schuld an diesen Uebelständen den N. aufzuburden, während doch lediglich die Studirenden selbst, resp. ihre Eltern, die Schuld tragen. Ein junger Mann, der Architekt werden will, besuche zunächst eine technische Bildungsanstalt oder Baugewerkschule, damit er die Technik unserer Zeit und ihre Hülfswissenschaften, sowie das Technische der Baukunst, das Zeichnen, vielleicht auch die Kunstgeschichte und Hauptmerkmale der früheren Stile, in einfachen, großen Zügen, ohne zu viel Details, aber gründlich kennen lerne. Dann möge er sich in wenigstens einem der Bauhandwerke die nöthige praktische Fähigkeit erwerben. — Wenn er mit diesem praktisch-technischen Kursus fertig ist, bereise ersein Vaterland, besuche die Baue und Ateliers der bedeutendsten Architekten und wähle einen davon zum Muster, in dessen Atelier er nun Arbeit sucht; oder er besuche dann eine A., um sich eine genaue Kenntnis der Stile und Ausbildung in ästhetischer Beziehung zu erwerben, und beschließe endlich sein Studium durch eine langsame, ruhige, wenn auch weniger ausgedehnte Studienreise.