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TechnikBau-Lexikon 1881
Alaundarstellung

Alaundarstellung, f. (Hüttenw.). Zu den technisch wichtigen Alaunsorten rechnet man den Kali⸗, Ammoniak⸗ u. Natron-Alaun. Der Kalialaun wird 1. aus natürlich vorkommendem Kalialaun durch Auflösen der alaunhaltigen Massen in warmem Wasser u mehrmaliges Auskrystallisiren gewonnen; 2. aus Alaunfels und Alaunstein dadurch, daß man diesen Gebirgsarten durch nicht zu starkes Glühen Wasser entzieht, wobei, unter Zurücklassung von unlöslicher Thonerde in Wasser löslicher Alaun entsteht, wenn man den gebrannten Stein unter beständigem Anfeuchten mit Wasser einige Zeit liegen läßt. Dieses Glühen des Alaunsteins wird so ausgeführt, daß man die Steinmassen entweder, wie in Civita-Veechia, in Haufen oder, wie zu Tolfa im Kirchenstaat, in niedrigen Schachtöfen, welche den Kalköfen ähneln, mäßig glüht. S. Fig. 136. Der Ofen wird durch einen über dem Boden befindlichen durchbrochenen Bogen in 2 Abtheilungen getheilt, von denen die obere zu Aufnahme des Alaunsteins durch Oeffnungen a oder b bestimmt und mit 8 Zuglöchern e versehen ist. Der untere Raum steht mit der Feuerung Verbindung, deren Speisung durch die Oeffnung eerfolgt. Die Temperatur muß genau regulirt werden mittels der Zuglöcher o. Nachdem der Röstprozeß nach der einen oder der andern Methode 2—3 Monate fortgesetzt worden ist, werden die geglühten Stücke in gemauerten Behältern täglich mehrmals mit Wasser angefeuchtet und der erhaltene Brei in großen Siedepfannen mit heißem Wasser ausgelaugt. Die Krystallisation geschieht dann in hölzernen Fässern, aus denen man schließlich durch weiteres Abdampfen den kubischen Alaun erhält, auch Alaun roth gen., ein helles Rothbraun, das in der Malerei Anwendung findet. 3. Aus Alaunschiefer und Alaunerde. Hier muß sich zuerst durch Verwitternlassen oder Rösten der Erze schwefelsaure Thonerde bilden, was gewöhnlich in freien Haufen geschieht, deren Sohle der Länge nach aus 28 em. weiten u. 14 em. hohen Kanälen von durchlöcherten Holzschwarten hergestellt ist. Nach diesem Röstprozeß erfolgt die Auslaugung der Erze, entweder ganz im Freien, oder in hölzernen Gefüßen mit Losboden, oder in gemauerten Cisternen, die terrassenförmig untereinander stehen. Durch Gradiren kann man die Lauge noch anreichern od. durch Dornengradirung konzentriren. Die so gewonnene Rohlauge enthält neben der schwefels. Thonerde noch Eisenvitriol, Bittersalz und Gips. — Das Versieden der Rohlauge geschieht a) in bleiernen Pfannen (Schwemsal, Whitby, Goslar u. a. O.), wenn viel freie Säure in derselben enthalten; b) in gußeisernen Alaunkesseln, frz. Chaudron, m. A l'alun, engl. alumpoiler, wenn wenig freie Säure in derselben enthalten. Solche Kessel haben gegen 3 Kbm. Inhalt, halten etwa 2 Jahre, sind noch theurer als die Bleipfannen und man ist der steten Gefahr des Springens ausgesetzt; e) in gemauerten Pfannen mit flachem Gewölbe bei direkter Wirkung des Feuers auf die Oberfläche der Lauge (Falkenau, Schwemsal, Hurlet, Altsattel). Solche Pfannen (Fig. 137) von 2 m. Länge, 2 m. Breite und 1½ m. Tiefe vermögen in 24 Stunden gegen 20,000 Liter Flüssigkeit zu verdampfen. dd sind die Verdampfpfannen, aus Mauerwerk gebildet. Die Flamme streicht, vom Rost pausgehend, über die Oberfläche a der Flüssigkeit in den Pfannen hinweg und entweicht durch e in den Schornstein. hh sind Laugengefäße, aus welchen mittels der Hähne i die Lauge in die Vertiefungen kgeleitet und von da in die Pfannen gelassen wird. m u. un sind verschließbare Oeffnungen, von denen die ersteren zum Reinigen der Pfannen und die anderen als Beobachtungsöffnungen dienen. kist ein Rohr, welches die Lauge aus der höheren Pfanne in die tiefere leitet; o b ein anderes Rohr zum Ablassen der konzentrirten Lauge. In diesen Oefen wird, unter fortwährendem Zulassen frischer Lauge, dieselbe bis auf ungefähr 42 Bé. eingedampft, so daß bei mittlerer Temperatur die Lauge gesättigt ist. Ist die konzentrirte Lauge durch Stehen geklärt, so bringt man die erforderliche Menge Alkalisalz hinzu, um Alaun zu bilden, welcher sich dann in sehr kleinen Krystallen mehlartig, daher Alaunmehl, frz. fleur, f. d'alun, engl. alumpowder genannt, abzieht, wobei dem Dampf durch bes. Röhren Abzug gestattet wird. [Ss.

Fig. 137. Alaunofe mit Pfanne.
Fig. 137. Alaunofe mit Pfanne.
Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 72Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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