Aquädukt, m., lat. aquaeductus, m., aquaeductio, f. aquagangium, n., frz. aquéduc, m., cConduite f. d'eau, engl. aqueduct, conduct. Das Wort A. heißt wörtlich Wasserleitung. Die Römer verstanden darunter auch jede Art der Wasserleitung. Sie waren in der Anlegung derselben bereits sehr weit vorgeschritten. Um die Städte, in deren unmittelbarer Nähe sich keine Quelle vorfand, so bes. Rom, mit gutem Trinkwasser zu versehen, leiteten sie dasselbe in gemauerten Kanälen oft bis 40 Meilen weit herzu. Sie legten diese Kanäle mit möglichst gleichmäßigem Gefälle an, indem sie die Fähigleit des Wassers, in geschlossenen Röhren fast eben so hoch zu steigen, als es vorher gefallen war, nicht gekannt oder doch nicht genugsam gewürdigt zu haben scheinen. Dadurch nun wurden ihre Aquädukte sehr theuer, indem sie die im Wege befindlichen Berge entweder — oft mit großem Umweg — umgingen oder durchgruben, die Thäler aber überbrückten. Viele dieser Aquädukte haben sich noch theils ganz brauchbar, theils in Ruinen erhalten; s. Fig. 222. Die Dimensionen der Pfeiler und der von ihnen getragenen Rundbögen sind meist kaum mittelmäßg, nur in wenigen Fällen großartig zu nennen, sie zeugen aber durch ihre Länge für eine enorme Ausdauer ihrer Erbauer. Einige darunter sind allerdings auch von großartigen Dimensionen, wie 3. B. die von Segovia (s. Fig. 223) und Tarragona in Spanien, aber die Bewunderung, die man diesen Bauten noch im vorigen Jahrh. als unerreichbaren Riesenbauten zollte, ist jetzt bedeutend gesunken, da dieselben durch unsere Eisenbahnbrücken an Breite, Länge u. Höhe im ganzen, bes. aber an Kühnheit in den Einzelheiten der Konstruktion, bei weitem übertroffen werden. Die römischen Aquä2. Aquädukt (Pont du Gard) bei Nimes. dukte bestehen in der Regel aus hohen, schmalen Pfeilern, sehr eng neben einander gestellt u. oben durch Rundbögen verbunden; darüber befindet sich die höchstens 2 m. breite Rinne für das Wasser, eingeschlossen von zwei hohen, aus Ziegeln oder Platten gebildeten Brüstungen; nach oben waren die so gebildeten Kanäle manchmaloffen, manchmal aber auch mit Platten oder durch ein leichtes Tonnengewölbe v. Ziegeln überdeckt, und hatte dann diese Uberdeckung in regelmäßigen Abständen Luftlöcher (lumina). Die Araber kannten jenes Gesetz und legten demgemäß statt der gemauerten Kanäle mit Ueberbrückung der Thäler vielmehr starke, oft bis 1 m. breite Thonröhren mit mächtiger Ummauerung, die sie bergauf und Dendad führten, dabei natür300 Gipfel der Leitung höher lich vermeidend, daß irgend ward als der vorhergehende. Die Klärbassins kannten und verwendeten sie ebenso wie die Römer. Die Deutschen im Mittelalter bauten Wasserleitungen nach demselben System wie die Römer, während die Chinesen, gleich den atsbibliothek Heidelberg Arabern, Röhrenleitungen errichten, freilich nicht aus gebranntem Thon, sondern aus Bambus. Die Bewohner Java's benutzten dazu ausgehöhlte Kokosstämme. Noch im Beginn des vorigen Jahrh. ließ Ludwig XIV. einen A. nach römischem System beginnen, um das Wasser der Eure nach Versailles zu leiten. Ueber die jetzt üblichen Konstruktionsweisen s. Wasserleitung. MSs.] — Unter A. versteht man jetzt gewöhnlich eine Brücke od. Brückengerüst, auf welchem in größerer Höhe über der Erdoberfläche ein Wasserkanal oder ein Wassergerinne fortgeführt wird, frz. aquéduc élevé, zum Unterschied von Rösche (s. d.), aquéduc en terre, der unterirdischen Kanal- oder Gerinnleitung. Für Wassertriebwerke kommen Aquädukte gegenwärtig nur selten in Verwendung und dann nur in mäßiger Höhe und Länge. (o. Wgr.