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ErdkundeBau-Lexikon 1881

Wasser aus der Ferne nach der Stadt leitet, welches man aus Flüssen, aus natürlichen Quellen oder aus gegrabenen Brunnen entnimmt. A. Ueber die Geschichte der Wien siehe den Art. Aquädukt. Zu Ergänzung des dortGegebenen sei hier noch in Figur 3502 Fig. 3502. der Querdurchschnitt einer römischen Wasserleitungsbrücke gegeben, die mit einer Straßenbrücke verbunden ist. B. Entnehmung und Hebung des Wassers. Entweder liegt die Entnehmungsstelle für das Wasser höher oder tiefer als der damit zu versorgende Ort; in letzterem Fall hebt man es meist zunächst durch eine Wasserkunst in ein Bassin, Hochreservoir. Diese Wasserkunst kann, dafern das Wasser aus einem Fluß gewonnen wird, durch den „Fluß selbst oder durch Dampf getrieben werden und besteht in der Regel aus einem Saugwerk; man kann aber auch ein Druckwerk oder ein vereinigtes Saug⸗ u. Pumpwerk, eine hydraulische Presse, ein Paternosterwerk, ein Schöpfrad oder irgend welche andere Wasserhebmaschine dazu anwenden; s. darüber d. Art. Stauung, Wehr und pantano. Die Wahl der Wasserhebmaschine und die Art der Einrichtung derselben hängt vom Bedarf sowie von der dadurch bedingten, für den Wasserhub verlangten Geschwindigkeit, von der lokal nöthigen Hubhöhe u. manchen anderen Lokalverhältnissen so ab,daßallgemein gültige Vorschriften darüber zu geben kaum möglich sein dürfte. Man hebe das Wasser aber mindestens so hoch, daß man bis zum Ort seiner Bestimmung auf je 100 m. Eutfernung ½ m. Fall habe. Vielfach hat man, neuerdings z. B. auch in Leipzig, von direkter Hebung auf ein unmittelbar in der Nähe der Wasserkunst gelegenes Hochreservoir abgesehen und statt dessen das Wasser mittels einer Druckpumpe od. einer Presse gezwungen, unmittelbar aus der Entnehmungsstelle durch eine Röhrfahrt nach dem entfernten, auf irgend einem von Natur hohen Punkt angelegten Reservoir bergan zu laufen; dies ist aber nur auf kurze Entfernungen ohne Risiko, denn der Druck auf die Röhrenwandungen ist sehr bedeutend, Stockungen in der Maschine oder sonstige, selbst kleine Beschädigungen an einer solchen Einrichtung verursachen leicht großen Schaden u. bringen oft ganze Ortschaften in Gefahr, sowohl in Gefahr, überschwemmt zu werden, als ganz besonders in die Gefahr, einige Tage ohne Wasser zu sein. II. Die Leitung selbst kann geschehen: 1. in Kanälen oder Gerinnen. Dabei muß die W. einen fortwährend gleichmäßigen Fall haben und also nach Art der römischen Aquädukte geführt werden; s. d. betr. Art. u. d. Art. Kanal. Aehnlich waren die Ween der Aegypter, Azteken, Toltekenre.; . d. betr. Stilartikel. In flachen Gegenden verursacht eine solche Anlage allerdings wenig Schwierigkeiten, in Gebirgen jedoch wird sie sehr kostspielig. Uebrigens ist es, wenn das Wasser zum Trinken dienen soll, stets nöthig, diese Kanäle forgfältig u. in genügender Höhe mit Mauerwerk, Erdauffüllung od. dgl. zu versehen, damit das Wasser nicht zu warm werde. — 2. Röhrenleitungen. Diese verdienen vor jenen jedenfalls den Vorzug, denn einerseits wird das Wasser besser vor Verunreinigung geschützt, anderseits kann man es bergauf und bergab leiten. Dabei ist freilich zu berücksichtigen, daß der Druck auf die Röhrenwandungen zwischen zwei Höhepunkten stärker wird; ferner darf auch der Gipfel keiner Zwischenhöhe zu größerer Höhe ansteigen als der Ort, wo das Wasser in die Röhrenleitung eintritt, dasern nicht das Wasser durch eine Pumpe in die Röhre gedrückt wird, wodurch dann der Druck auf die Röhrenwandungen noch bedeutend vermehrt wird; die im Art. Arabisch erwähnten Wen sind nach diesem Prinzip erbaut. Auch die chinesischen W.en bestehen aus Röhren. Diese Röhren nun können bestehen a) aus Bambus (s. d.), wie bei den Chinesen, wobei eine vollständige Dichtung aber kaum möglich ist, auch der innere Druck auf die Röhrenwandungen nur sehr gering sein darf; b)aus Holz; diese sind zwar durch Bronzeringe an den Stößen, durch Theeren etc. zu dichten, bekommen aber leicht Risse u. sind auch dem Verfaulen ausgesetzt; e) aus Metall, bes. Gußeisen und Stein; d) aus gebranntem Thon. Näheres über Vorzüge und Nachtheile, Stärke etc. solcher Röhren s. in d. Art. Röhre, Rohr, Hydrostatik, Piézometer re. Je dichter die Röhren sind, um so eher kann man von den oben erwähnten Vortheilen Gebrauch machen; f. auch d. Art. Siphon. Vor Eintritt in die Stadt nun, oder auch vor Eintritt in die Röhrenleitung selbst, leitetman das Wasser in ein großes Bassin (Wasserkastell), welches wasserdicht ausgemauert und durch ebenfalls wasserdichte Mauern in mehrere Abtheilungen getheilt ist. In die erste Abtheilung tritt das Wasser oben ein und sickert durch ziemlich groben Kies, tritt unten unter der Mauer hindurch in die nächste, steigt dort durch etwas feineren Kies wieder in die Höhe, tritt oben in die dritte, unten in die vierte, wo es durch sehr feinen Kies wieder aufsteigt und, nur um Weniges unter seiner ersten Eintrittshöhe, weiter läuft. Man kann auch die Zwischenmauerungen weglassen und dann füllt man das Bassin mit Lagen verschieden feinen Kieses, so daß der d gröbste oben, der feinste unten ist; oben tritt dann das Wasser ein und unten läuft es durch Oeffnungen in der f Mauer in seitwärts an dieselben befestigte Röhren, die i unten mit einem Schlammsack versehen sind und in denen es wieder aufsteigt, um von da aus durch einzelne Röhren f in der Stadt vertheilt zu werden; s. d. Art. Röhrwasser. Um die Dimensionen einer W. zu berechnen, dienen alsd Mäßstab: Steigung und Länge der W. und die daraus zu berechnende Geschwindigkeit des Wassers (s. d. Art. Geschwindigkeit und Strom), sowie die Einwohnerzahl der Stadt und der daraus hervorgehende Wasserbedarf (s. d.). Je umsichtiger und sorgfältiger eine W.angelegt wird, um so weniger Reparaturen und Unterhaltungskosten wird sie bedürfen, und man darf daher bei ihrer Anlage nicht zu sehr sparen wollen; s. Bewegung C. II. Zur praktischen Ausnutzung einer W. in den Häusern gehören noch manchfache Vorrichtungen, sogenannte Wasserleitungsgegenstände. Zuerst befindet sich meist beim Einfluß der städtischen Wasserleitungsröhren ins Haus ein Haupthahn; von hier aus gehen dann die Steigeröhren in die verschiedenen Geschosse, in denen sich sodann Ausläufer über Waschbecken, Goßsteinen etc. befinden, sowie in Garten und Hof Hydranten, Auslaufbrunnen etc. Diese Vorrichtungen sind so manchfach und so verschieden, daß es gerathen ist, stets bei Entwerfung des Hauses sich gleich mit einem Lieferanten in Vernehmen zu setzen, um beim Bau für die Steigeröhren, Vertheilungsröhren, Ablaufröhren u. dgl. die geeigneten Lokalitäten auszusuchen und die betreffenden Durchlässe offen zu lassen, auch aus den verschiedenen Mustern Auswahl zu treffen, daß es aber zugleich unmöglich erscheint, hier einen Ueberblick zu geben. Hauptbezugsquellen sind u. A.: G. Braun u. Comp. in Frankfurt a. M., Paul Stumpf in Mainz, F. Butzke u. Comp. in Berlin, A. Helbig u. Otto Wilhelmy in Leipzig. III. W. heißt auch hier und da der Speiseapparat der Dampfkessel.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 457Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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