Aquädukt (lat. aquae ductus) bezeichnet wörtman darunter eine Brücke, welche bestimmt ist, Wasser über ein Thal, eine Schlucht, eine Straße, einen Fluß u. s. w. hinwegzuführen. Das Bauwerk kann zur Wasserversorgung größerer Städte, also zu Wasserleitungszwecken, bestimmt n es kann einen Fabriks⸗ oder Schiffahrtskanal in uch schließen, in welchem Falle man den A. häufig au Kanalbrücke nennt; endlich kann es sich wohl auch allein darum handeln, Wasser, welches einer bestehenden Kommunikationslinie Schaden bringen könnte, über dieselbehinwegzuleiten. Dem Material nachkönnen die A. aus Stein, Holz oder Eisen konstruiert sein. Steinerne A. entstanden, namentlich für Wasserleitungszwecke, schon frühzeitig. Sie setzten sich meist aus hohen, in mehrern Etagen übereinanderstehenden Bogen zusammen, welche die mit Stein-Bdtrte! überdeckten Kanäle trugen. Die größten Werke dieser Art haben die Römer a Mren A. Das Quellhaus, an welchem die Leitung ihren Anfang nahm, hieß Caput aquae, das Ende derselben bildete ein großes Reservoir (Castellum); nicht selten befanden sich auch längs der Leitung kleinere Reservoirs, teils um schon vor dem Endpunkte des A. Wasser zu können, teils um bei Reparaturen die Revision zu erleichtern. Das gesammte Leitungswesen der Stadt wurde von eigenen Beamten verwaltet, welche besonders seit Augustus trefflich organisiert waren (Curatores aquarum nebst den Unterbeamten). über die röm. Wasserleitungen ist noch eine interessante Schrift aus dem Altertume erhalten von Frontinus, De aquis urbis Romaes; vgl. dazu Lanciani, Le acque e gli aquedottio (Rom 1880). In der Stadt Rom selbst sind unter den antiken Wasserleitungen besonders wichtig diejenige der Aqua Appia (meist unterirdisch, 312 v. U von demselben Appius Claudius angelegt, der die berühmte Appische Straße erbaute), des Anio vetus (273 v. Chr.); der Marcia (146 v. Chr.); der Tepula (127 v. Chr.); der Julia und Virgo (unter Augustus) u. s. w., namentlich aber die unter Caligula (37 — 41 n. Chr.) begonnenen und unter Claudius (41—54 n. Chr.) vollendeten Arkaden von 32 m Höhe in der Doppelleitung der Aqua Claudia und Anio novus zu erwähnen; in den röm. Provinzen sind besonders hervorzuheben die im alten Hispanien erbauten A. von Segovia (zwei Stockwerke, 33½m Höhe), Alcantara über den Tajo (43,6 m rinin 31½1 m größte Spannweite, 1,62 m Scheitelstär e im Gewölbe), Chelves (16,2m hohe Pfeiler, 8,75 m Bogenspannung), Merida über den Albaregas (drei Stockwerke, 24,8 m Höhe, 4½5 m Bogenspannung), Tarragona (zwei Stockwerke, 29,81 m Höhe), dann in Gallien der A. von Metz (22, m) hoch und besonders der Pont du Gard oder die Brücke bei Nimes (Nemausus). Dieser letztere geradezu klassische Bau (s. Abbildung 1) wurde, wie allgemein angenommen, unter dem Feldherrn Agrippa (63— 13 v. Chr.) errichtet und gilt als eins der kühnsten und dre Buithe 9 schönsten Brückenwerke der Römer; die Brücke esteht, wie die von Merida, aus drei Etagen mit einer größten Bogenweite von 24 m und einer Maximalhöhe von 48,½ m über der Flußsohle. Weitere Reste von A. befinden sich in den röm. Wasserleitungen von de Lyon und Paris, welch letztere unter Julian (360C n. Chr) ausgeführt wurden. Ferner müssen noch e die röm. Wasserbrücken bei Konstantinopel, z. B. 2 die von Kaiser Hadrian angelegte und von Theodo-k. sius restaurierte, sowie die Reste der röm. Wasser-E leitung zu Mainz (Zahlbacher Wasserleitung) er⸗ b wähnt werden. Andere A. dieser Art in Kleinasien,‚ u Nordafrika (Lambaese), Griechenland stammen aus röm. Zeit. Im Gegensatz zu den von den Römern ö erbauden A. bestehen die der griech. Blüteperiode angehörigen Wasserleitungen meistens nur aus ů unterirdischen, in den Felsboden gegrabenen Kanälen mit Luftschachten: so die athenische Leitung, welche vom Hymettos und Pentelikon her der Hauptstadt das Wasser zuführte und ein kompliziertes unterirdisches Röhrennetz bildete, das zum Teil noch Wunter der benutzt wird. nter dem Gotenkönige Theodorich d. Gr. entstand der A. von Spoleto in Umbrien, dessen Höhe 130 m beträgt; er wird als das höchstragende Brückenbauwerk der Welt angesehen. Zehn Rundbogen von 21½ m Spannweite, auf denen 30 kleinere Bogen ruhen, bilden den Bau. WI späterer Zeit entstanden in Frankreich der A. bei rles (1558), ferner der bei Arcueil neben den Ruinen eines früher erbauten (1624). Im 17. Jahrh. errichtete man die nach Versailles führenden A. von Marly und Buc und begann den kolossalen A. Maintenon. Unter der Aufsicht Vaubans hohe eine dreifache, oben fast 5 km lange, 71 m Bogen erbaut werden, um die Wasser der Eure in die Bassins und Künste der Gärten von Versailles zu leiten. Die Herstel in der untersten Bogenreihe kostete allein 22 Frs. Der Bau blieb unvollendet. In neuester Zeit sind neben vielen andern die A. von Roquefavour bei Marseille (1847), der Croton-A. bei Neuyork (183742), die A. der wiener Wasserleitung bei Baden, Liesing (1870—73) u. s. w. entstanden. Die Ausdehnung Hes Netzes der Schiffahrtskanäle in Frankreich, Hroßbritannien und Deutschland hat gleichfalls zu iner Reihe von größern Bauwerken dieser Art Veranlassung geboten, z. B. die A. des Bridgewateranals Über den Irwell, des Sarrekanals u. s. w. Eine besondere Art von A. hat der moderne Eisenbahnbau geschaffen, Werke, welche angelegt werden, um z. B. einen Gebirgsbach mit seinem Geschiebe über der Bahn hinweg abzuleiten u. s. w. Solche — Beauten finden sich mehrfach in — eine Schlucht, einen Fluß, über sodaß sich Steinbogen nicht zur Ausführung eignen, so ist man häufig zur Konstruktion eiserner Kasten geschritten, die den Kanal umfassen und in sich selbst die nötige Tragfähigkeit besitzen. Diese Kasten ruhen entweder auf Steinpfeilern oder werden an Ketten aufgehangen, die sich über den Fluß spannen, wie dies in ähnlicher Weise bei Kettenbrücken der 00 ist. Gußeiserne A. der erstern Art finden sich schon in. BDei England. In neuerer Zeit hat man, wie im Brückenbau allgemein, so auch hier das Schmiedeeisen an Stelle des Gußeisens treten lassen; so findet man neben andern einen eisernen A. bei Saaralben in Deutsch-Lothringen. Eine Schwierigkeit, welche gegenwärtig noch nicht ganz gehoben ih, bildet die Iudan Kanas des wasserdichten Anschlusses des A. an das Kanalbett im Terrain, da das Eisen infolge seiner Ausdehnung bei Temperaturänderungen eine starre Verbindung mit den festern Widerlagern nicht zuläßt. Ein Seitenstück der A. bilden die für Eisenbahnbauten in der neuern Zeit nötig gewordenen Viadukte (s. d.). ů