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TechnikBau-Lexikon 1881

Balg, m., 1. frz. gousse, engl. slough, eig. jeder hohle, weiche, zur Hülle eines andern dienende Körper. — 2. frz. soufflet, m., engl. bellow, ital. mantice, im plur. Bälge oder Balgen, s. v. w. Blasebalg (s. d.) u. Gebläse, d. h. der Raum, wo man die Luft, welche dem Feuer zugeführt werden soll, ansammelt u. verdichtet, damit sie dann in schneller nek Heidelberg DFC Strömung auf das Feuer wirke. Bei den Kolbengebläsen, im Gegensatz zu der Art, wo Wasser die Stelle des Kolbens vertritt, ist die Kolbenbewegung entweder gradlinig oder absetzend kreisförmig; bei der ersten Gattung steht die Wandung des Balges fest, bei der kreisförmigen Bewegung aber besteht der Kolben sowie die zwei mit demselben Unter einem spitzen Winkel zusammenstoßenden Wände aus Bretern, die anderen Wände hingegen aus einem möglichst dichten, aber biegsamen und in Falten gelegten Stoff. Während der einen Richtung der Bewegung öffnet sich eine Art von Ventilen, während eine andere Art sich schließt, u. zwar dienen diese beiden Arten dazu, um 1. äußere Luft in den luftleeren Raum des Balges einströmen zu lassen, 2. diese Luft durch die Balgdeute (s. d.) dem Feuer zuzuführen. Wird nun die Luft nur bei der einen Richtung der Kolbenbewegung, d. h. nur auf einer Seite des Kolbens, eingesogen, ist also nur ein B. vorhanden, so heißt das Gebläse einfach wirkend; wird die Luft aber auf beiden Seiten des Kolbens abwechselnd, also bei beiden Richtungen der Kolbenbewegung eingesogen, resp. ausgestoßen, sind daher zwei Bälge angebracht, so heißt das Gebläse doppelt wirkend. Zu den Gebläsen mit geradliniger Kolbenbewegung gehört das Kasten- u. das Cylindergebläse, auch Windlade genannt, bei welchem sich in einem Kasten, resp. Cylinder, ein Kolben in derselben Weise bewegt, wie der Kolben im Cylinder der Dampfmaschine. Hier ist der bewegliche Kolben zum luftdichtern Verschluß mit einem Liderungsring versehen. Bei den ledernen Kastenbalgen ist hingegen der Kolben sehr häufig fest an dem gefalteten Mantel des Kastens; das ganze Gebläse hat die Form der Ziehharmonika, der Mantel legt sich zusammen, um die Luft auszustoßen. Bei den Spitzbalgen findet absetzend kreisförmige Bewegung statt, die Bälge haben mehr Ahnlichkeit mit den Blasebälgen in unseren Zimmern, bes. bei den ledernen Spitzbalgen, frz. soufklet de cuir, engl. leathern bellows. Bei den ganz hölzernen Spitzbalgen, auch Schwinderling, bellows, hat der Kasten ringsum feste Wände und die Gestalt eines Prisma von kreisausschnittförmigem Querschnitt; je nachdem sich nun der Kasten oder der Kolben um eine feste, in der scharfen Kante des Prisma angebrachte Achse dreht, unterscheidet man zwei Arten, und zwar heißt die letztere Art mit festem Kasten u. drehbarem Kolben auch Windholmgebläse. — Weisbach giebt im 3. Theil seiner Mechanik (S. 1009 und 1010) Abbildungen für doppeltwirkende Leder⸗ u. Cylinderbälge; s. auch d. Art. Blasebalg und Gebläse. 3. Bei einer Orgel liegen gewöhnlich mehrere Bälge neben einander, welche den Wind gemeinschaftlich in einen Kanal blasen, der ihn der Orgel zuführt; man setzt die B. gewöhnlich durch als Hebel wirkende Balken, welche ein dazu bestimmter Mann (Balgtreter) tritt, in Bewegung, bei ganz kleinen Werken aber werden sie durch Riemen gezogen oder mittels einer Kurbel emporgehoben. s.)

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 228Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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