FeedGeblüse
TechnikBau-Lexikon 1881

Geblüse, n., Gebläsmaschine, f. frz. machine soufflante, soufflerie, f., engl. blowingengine, blast, blast-engine, Vorrichtung zur Zuführung von Luft, namentlich bei Schmelzöfen etc.; sie werden durch die Gebläsmaschine od. Blasemühle (s. d.) in Bewegung gesetzt. A. Einrichtung des Gebläses selbst. Man unterscheidet nach ihrer Konstruktionsweise: a) Balggebläse, s. d. Art. Blasebalg u. Balg. bp) Kastengebläse od. Cylindergebläse (s. d.), frz. soOufflet cylindrique, s. 2 caisse, engl. blowing-cylinder, chest-ellows, wo der Wind durch Hin- und Herziehen eines Kolbens in einem Kasten, resp. Cylinder erzeugt wird, wirken gleichmäßiger u. sind weniger Reparaturen ausgesetzt als die Blasebälge. Man macht die Cylinder (Fig. 1832 u. 1833) in der Regel aus Gußeisen, doch giebt es auch hölzerne; s. d. Art. Windlade. Ein Reservegebläse sollte nie fehlen, dafern man nicht zu Erzeugung ununterbrochener Luftströmung ein doppelt wirkendes Gebläse anbringt, indem sich über u. unter dem Kolben Ventile (a bo, a b e) befinden, von denen hei dem durch den Pfeil angedeuteten Kolbengang à als Saugventil, b“ und 4 als Druckventil in Wirkung treten, a- b u. aber durch Kautschukringe geschlossen werden. Noch regelmäßiger wird der Gang, wenn man den Luftstrom in einen stehenden, oben nur durch einen mit Gewicht beschwerten Kolben geschlossenen Cylinder führt und erst aus diesem weiter leitet. Die Windmengen, die ein Cylindergebläse liefert, findet man durch Multiplikation der Geschwindigkeit mit der Fläche des Kolbens; doch muß man den Verlust durch die Undichtheit, Reibung re. berücksichtigen. Am besten bedient man sich der Gebläsemesser, s.d. Art. Balgprüfer. e) Flügelgebläse od. Centrifugalgebläse, s. d. Art. Centrifugalgebläse und Ventilator. a) Schraubengebläse od. Spiralgebläse, frz. cagniardelle, f., engl. screw-blast-machinè, auch“ Cagniardelle (s. d.) genannt. Von der gewöhnlichen Wasserschnecke unterscheidet sie sich dadurch, daß sie tiefer als diese im Wasserkasten liegt und die Spindel A B Fig. 1834 sich entgegengesetzt dreht, so daß nicht das Wasser gehoben, sondern die bei Beginn der Umdrehung durch das Gewinde bei A abgeschnittene Luftmenge allmählich nach OC' C“ etc. und endlich in die Gebläsröhre Dgedrängt wird, wobei sie zugleich wegen der Verkleinerung der Räume durch das Wasser immer mehr komprimirtwird. e) Dampfstrahlgebläse zu Förderung des Dienstes der Schornsteine; kommen als Exhaustor unter dem Namen Schornsteinventilator u. als Ventilator unter dem Namen Dampfstrahlunterwindgebläse zur Anwendung. Die ersteren( Fig. 1835) werden im Schornstein angebracht, wenn dieser nicht Zug genug hat. E E sind eine Reihe von Düsen, deren eine in die andere eintritt; der in die unterste durch das Dampfrohr Reingeführte Dampf reißt die Luft mit sich fort und bildet in und um die Düsen einen luftverdünnten Raum, in den nun der aus G kommende Rauch lebhaft eintritt u. durch G abgeführt wird; D muß bei A A oder B B gut am Schornstein gedichtet sein. — Die Unterwindgebläse, welche Brennmaterial und Schornsteinhöhe sparen, werden an dem Unterende B (Fig. 1836) mit dem luftdicht verschlossenen Aschenfall in Verbindung gesetzt, möglichst nahe an der Feuerung; a ist das Dampfrohr, b der Ablaßhahn für Kondensationswasser, e eine Dampfspindel zum Reguliren des Dampfzutritts, & endlich die Düsen, durch welche die Luft angesaugt und dem Aschenfall zugeführt wird; s. auch d. Art. Generator und Regenerativfeuerung. B. Einbringung des Gebläses, bes bei Hochöfen. Häufig noch wird bei den Hochöfen die Gicht (. d.) so verengt, daß ihre Weite oft nur ½/ von dem Durchmesser des Kohlensackes beträgt. Solche Konstruktion ist aber höchst unzweckmäßig, indem dadurch der Zug in der Gicht verstärkt und folglich das Brennmaterial verzehrt wird, bevor es tief genug im Schacht niedersank, um die Schmelzung der Erze zu bewirken. Auch ist der Bedarf an Brennmaterial bei einer erweiterten Gicht viel geringer als bei einer engeren. Man gebe daher dem Schacht von dem Kohlensack bis zur Gicht wenigstens gleiche Durchmesser. Nachstehende Veränderung der Windführung läßt sich bei jedem Hochosen ohne Schwierigkeit anwenden. Sie besteht darin, den einströmenden Wind, die Gebläsluft, frz. vent des soufflets, engl. blast-air, durch Einführung einer inneren Röhre in die Düse zu theilen. Soll dann der ringförmige Windstrom weniger gepreßt sein als der innere, so wird durch Erweiterung der inneren Röhre am hinte ren Ende der Querschnitt der ausströmenden Luft verengt. Soll hinsbibliothek Heidelberg gegen d der ringförmige Windstrom stärker gepreßt sein als der centrale, so wird das hintere Ende der inneren Röhre enger gemacht als das vordere. Wenn man verlangt, daß der innere Windstrom und der äußere ringförmige eine verschiedene Temperatur, also kalte u. warme Gebläsluft, frz. ir froid et chaud, engl. cold and hot blast, haben soll, so muß man die innere Düse nach hinten zu aus der äußeren herausführen, für jede ein besonderes Zuleitungsrohr anlegen und eins davon über Feuer leiten; s. Form. Fig. 1835. Dampfstrahlgebläse. Unterwindgebläse..

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 407Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6