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BaukunstBau-Lexikon 1881

Barnstein, m. (Ziegelb.), wahrscheinlich eigent Barrenstein; so heißen 1. große Rinnensteine, aus de man durch Zusammenfügung Viehtröge bildet. — 2. Ziüberhaupt. — 3. Für Bernstein. SiETIoTHHEK item Varockstil, m., frz. sbyle baroque, m., baroque, m., lcher engl. baroque-stylé, ital. barocco, span. barruecco. oßen Keine Stilbenennung enthält so deutlich und treffend als diese zugleich die Kritik des mit ihr belegten Stils. Obige que, Worte bedeuten nämlich zunächst etwas Verkrüppeltes, hrei-Verschobenes, dann auch eine Bruchperle, eine verschobene, den, schieflänglich runde, mit unregelmäßigen Auswüchsen bemast setzte Perle. Der mit dieser Benennung belegte Stil verist; hältsich zurRenaissance ebenso wie die Gothik des 15.Jahrh. ndi⸗ zum edlen gothischen Stil. Seine Anhänger wollten ihm ssen allerdings den schönklingenden Namen Hochrenaissance nast od. auch Spätrenaissance usurpiren; darüb. s. Art. Renaissegel sance. Die strenge Renaissance mit ihren aus den römiiffs-schen Bauresten, soweit sie damals bekannt waren, abgefrz. leiteten Schematen u. Schönheitstabellen konnte sich nicht Ark- allzu lange halten, weil die Regeln derselben eines vollinge ständigen inneren Organismus u. desjenigen Haltes ent-Ver⸗ behrten, den ein Stil durch Herauswachsen aus psychischem und physischem Bedürfnis der bauenden Völker u. des aus dem Zustand der Technik gewinnt. Sie war u blieb Fig. 428. Der Palast Balbi in Venedig. (Zu Art. Barockstil.) eden vielmehr den damals herrschenden Sitten u. Anschauungen heier gegenüber ein oktroyirter Stil, der den Künstlern unnatürder lichenge Grenzen für ihr Schaffen zog. So kam es denn, daß 3, einzelne hochbefähigte, geniale Männer, an ihrer Spitze Sein Michel Angelo Buonarotti, schon um 1550 diese Grenzen kiger durchbrachen u. in Einzelheiten von den durch jene Regeln d. vorgeschriebenen steifen Linien abgingen, um nach ihrer subjektiven Vorliebe aus den ohnehin aller inneren Nothů wendigkeit entbehrenden Baugliedern ein neues, zwar der A- inneren Logit entbehrendes, aber doch geistreich geformtes Ganzes zusammenzusetzen. Was sie nun im Volls. v. gefühl ihrer künstlerischen Kraft sich, u. zwar in graziöser, kräftiger u. malerischer Weise erlaubten, das glaubte eine „im Menge kaum mittelmäßiger Künstler ebenfalls thun zu dürfen, und so entstand jener Stil, oder vielmehr, genauer nne. genommen, jene Stilverunstaliung, welche besonders von tlichca. 1620 bis über das erste Viertel des 18. Jahrh. hinaus enen ganz Europa mit ihren unregelmäßigen Gebilden überiegel deckte, fast alle nationale Eigenthümlichkeit erdrückend. Nicht zu leugnen ist übrigens, daß einige der in dieser Zeit aufgeführten Gebäude, Dank den reichbegabten Künstlern, so ist die sie entwarfen, ungemein malerischen Effekt machen, ja losig daß dieser Stil überhaupt bei weitem mehr Gelegenheit zu in de malerischer Durchbildung des Details, zu malerischer Ge-gebi staltung der Dispositionen, zu genialem Vortrag u ele⸗ den ganter Koketterie bietet als die Renaissance; aber da er gan, an sich eben ein Gehäuf von Willkürlichkeiten ist, da ihm verkvor allen Dingen alle höhere Idee mangelt, er also dem eigentlichen Wesen der künstlerischen Schönheit fremd ist, BERG O Universitatsbibliothek He Formen bis zum Unsinn u. zur Geschmackein Schritt. An Stelle der Einfachheit trat Schwülstigkeit, die Phantasie bethätigte sich nicht mehr durch Idealisirung des Bedürfnisses u. des Nützlichen, sondern durch dekorative Verdeckung des Unsinns, durch eine Fülle bewegter Linien u. heftige Lebendigkeit in den Einzelformen. Der Charakter der Architektur ward pomphafte Prahlerei, hinter der sich innere Leere der Empfindung vergebens zu verbergen sucht. In der kirchlichen, mit reichen Mitteln geförderten Baukunst waren die Jesuiten die eigentlichen Tonangeber v. 1568 an (Kirche del Gest in Rom) bis in das 18. Jahrh. hinein. Die Fagaden ihrer Kirchen zeigen in der Regel zwei Säulenstellungen über einander, doch so, daß die obere gegen die untere bedeutend kleiner ist; bei basilikenartiger Anlage fällt die obere über den Seitenschiffen weg. An die Stelle der Halbgiebel sowohl als der Strebebogenzwischen Seitenschiff u. Mittelschiff treten bei Basilikenanlagen so- wie bei Kuppelbauten verkehrte Konsolen od.sonstige willkürlich geschwungene Schnörkel, die häufig nach oben in Pilasterkapitälen enden. Die Glockenthürme bestehen aus Geschossen, Säulenstellungen; dabei ist zwischen Geschossen oft gar kein organischer Zusam-Die Dispositionen der Säulenstellungen ebenso auf das Manchfachste, als die fast Schwingungen der Wand-u.Architrav-Innern wird die Kuppel zwar beibevielfach vval, ja in den wunderlichst ge-Kurven im Grundriß sowohl als im Profil die Kreuzgewölbe sind fast ganz durch Tonnengewölbe, Spiegelgewölbe etc. verdrängt und Gliederung des Raumes durch eine übermäßige mehr verborgen als vollzogen. Der Sinn Verhältnisse, richtige Abwägung von Flächen erhält sich nur bei einzelnen Meistern; aber selbst bei diesen nimmt die über die Disposition überhand. Säulen, und Pilaster, fast nur dekorativ versich nach allen Richtungen hin vor u. Hauptkörper und bedingen eine Menge Ver-Windungen der Gesimse; Giebel werunterbrochen u. verlieren dadurch allen Sinn; rollen sich wie Papierspäne zusammen, Könsolen und andere unsinnige Dinge e WI, ersetz en die Säulen hier u. da, Hoder sie werden gewunden MMMMals die Fenster und ihre Formen der klassischen Antike hineinwäre. Den Gipfelpunkt erreichte dieses mini, jenem mit reicher Phantasie begabten, aber halb wahnsinnigen, von Neid gegen Bernini gequälten Menschen (er ermordete sich 1667 mit dem für Bernini geschliffenen Dolch). So lange es nun noch von Zeit zu Zeit solche mächtige Individuen gab, erhielten sich wenigstens die bedeutenden Verhältnisse, die derbe, allezeit schlagfertige Behandlungsweise, das leidenschaftl. Schwingen der Glieder, die geniale, oft tollkühne Willkür, die den Stoff, mit Verachtung aller Nothwendigkeit, zu allerlei tollen Formenzwang Aber die genialen Männer mangelten allmählich, Verstand und Kalkül brachen sich Bahn, das Leben und mit ihm die Architektur wurde auf Fig. 432. Bussola im Vorzimmer zu eine Zeit lang nüchtern, um sich bald darauf nochmals in den noch tolleren Strudel einer alle Regeln verachtenden Willkür und wollüstigen Spielerei zu werfen; darüber s. d. Art. Rococo. Der B. verbreitete sich von Italien aus nach allen Seiten, od. vielmehr, dieselbe Ausartung, die in Italien ausbrach, ergriff aus? gleichen oder ähnlichen Ursachen auch in anderen Ländern die Renaissance. Während man die Herrschaft des B.s in Italien in die Zeit zwischen 1570 u. 1715 setzen kann, wäre sie für Spanien etwa von 1610—1740, für Frankreich von 1580—1720, für England von 1650—1720 anzunehmen. Deutschland kommen Bauten im B aus der Zeit von 1620 — 1740 vor. Wir geben in beistehenden Figuren einige Beispiele dieses Stils, und zwar in Fig. 428 den Palast Balbi in Venedig, 1582 - 90 von; Alessandro Vittoria erbaut. Fig.“ 429 ist ein Konsol nach P. Andrea Pozzo (aus dessen Buch über Perspektive 1688), Fig. 430 ein Cartouche und Fig. 431 eine Agraffe aus der tollsten Zeit des B.s (um 1700), Fig. 432 die sogen. Bussola im Vorzimmer des Sals der Cap des Raths der Zehn im Dogenpalast; zu Venedig von ca. 1650, Fig. 433 die Karlskirche inWien, von Vischer v. Erlach 1716—1737 erbaut, die hier und da schon an den Rococostil anstreift, Fig. 434 das Grab HEIDELBERG O Universitatsbibliot Karlskirche in Wien. eine Partie des 1711 von Pöpelmann begonnenen Zwin Torricelli (1643); ferner Baroskop, baroscopium, genannt; Instrument, Größe des Luftdrucks zu messen. unterscheidetzwei Hauptarten: 1. das Oneckauf dem Prinzip der kommunizirenin der Hauptsache aus einem Uför-Glasrohr, dessen einer etwa 1 m. hoher, luftleer gemachter Schenkel eine Queckwelche mit der im kürzeren u. weiteren Quecksilbermasse in Verbindung Schenkel oben offen ist, so treibt der die Quecksilbersäule im längeren empor, um so höher, je stärker der Luftman aus der Höhe dieser Quecksilberzwischen 63 u. 76 em. differirt, die somit die Dichtigkeit der Luft beder kurze Schenkel gleiche Weite mit dem langen hat, so heißt das B. ein Heberbarometer; bei Erweiterung des kurzen Schenkels wird es zum Gefäßbarometer u. wenn man einen Zeiger nach Fig. 440 daran anbringt, ein Rad-B. 2. Das Aneroid-oder holosterische Barometer beruht auf der Elastizität der Metalle, weshalb es auch noch Metallbarometer od., nach seiner Form, Dosenbarometer genannt wird. Es besteht nämlich im wesentlichen aus einer luftleeren Metalldose, die zum Theil so dünnwandig u. elastisch ausgeführt ist, daß bei der geringsten Veränderung des äußeren Luftdruckes durch die Bewegung der dünnen Dosenwand mittels eines geeigneten Mechanismus ein Zeiger über einem Zifferblatt gedreht u. die Größe des Luftdruckes an einer Skala nachgewiesen wird. besteht aus zwei weiteren, durch ein enges Rohr kommunizirenden, beim Gebrauch senkrecht gerichteten Glasrohren. Das enge Verbindungsrohr ist an sich aber zum Theil auch erweitert, wie Fig. 436 zeigt, wo dieser Theil gesondert in größerem Mäßstab dargestellt ist. Bei tritt der engere Theil in den erweiterten Theil b des Verbindungsrohres hinein. Es hat dies den Zweck, daß beim Umkippen des Instrumentes (Fig.437), wie es beim Transport wohl vorkommen kann, keine Luftblasen in den luftleer zu haltenden Theil des Hauptrohres gelangen können. Wie Fig. 438 zeigt, ist das Instrument für den Transport von einem metallenen Gehäuse umschlossen. Trotzdem ist aber das Quecksilber-B.seiner Länge wegen zum Höhenmessen unbequem, weshalb man sich mit der möglichsten Vervollkommnung des Aneroidbarometers befaßte, indem dieses in der Größe einer Taschenuhr herzustellen ist. Das erste Aneroidbarometer scheint gegen Ende des vorigen Jahrh. von Conté, Direktor der asrostatsichen Schule zu Meudon, konstruirt worden zu sein, wenigstens ist davon, als von einer neuen Erfindung, im Bulletin des sciences par la sOciété philomatique (floréal, an VIde la République) die Rede. Dies Instrument bestand aus einer Schale von starkem Eisen oder Kupfer, über deren hohle Seite ein entgegengesetzt gewölbtes, dünnes und biegsames Stahlblech luftdicht befestigt war, gegen welches von innen eine Anzahl sehr elastischer Federn sich stemmte. Da der Hohlraum zwischen Schale u. Blech möglichst luftleer gemacht war, so wirkte der äußere Luftdruck auf das Blech, während dessen Elastizität die ursprüngliche Form desselben zu erhalten strebte. Die Bewegungen des Bleches wurden durch ein Hebelwerk auf einen Zeiger übertragen. Das Aneroid-B. wurde später von Vidi und Bourdon verbessert. Vidi behielt die luftleere, biegsame Blechdose bei, während Bourdon statt derselben ein gebogenes Metallrohr von flach elliptischem Querschnitt als luftleeren, durch den äußeren Luftdruck biegsamen Körper verwendete. Ein derartiges Aneroid-B. zeigt Fig. 439 in wirklicher Größe. Neuerdings sind diese Metall-B. so verbessert worden, daß sie rücksichtlich genauer Angabe der Luftdruckveränderung den Quecksilber-Ban nicht nachstehen u. daher eben so gut wie diese zum Höhenmessen zu benutzen sind, wobei sie noch den Vorzug der sehr bequemen Größe und Form haben. Ein derartiges sehr zuverlässiges u. genaues B. wird seit einigen Jahren von J. Goldschmid in Zürich angefertigt; dasselbe ist mit Schraubenmikrometer versehen u. erlaubt infolge dessen äußerst feine Bestimmungen der Luftdruckveränderungen. Die Zuverlässigkeit derbarometrischen Höhenmessungen überhaupt ist keineswegs eine hohe. Bei der Messung mittlerer Höhen von etwa 2000 m. kommen dabei Unterschiede von 300 und mehr Meter nicht selten vor, Differenzen von etwa 30 m. gehören aber zur Regel. Nach den Angaben des Hrn. A. Pich, Assistenten an der Wiener Sternwarte unter Direktor von Lüttrow, ist nicht einmal eine barometrische Höhenbestimmung desto sicher zahlreichere Beobachtungen sie sich begründet, indem sehr häufig durch das Hinzutreten neuer Daten das Resultat sich von der Wahrheit entfernt. Es bedarf hier noch die Theorie einer wesentlichen Ergänzung, bis die gewonnenen Ergebnisse sich den durch trigonometrische Messungen erhaltenen zur Seite stellen dürfen, denn diese haben vor jenen nicht nur den Vorzug weit größerer Genauigkeit, sondern entsprechen überdies einer Hauptforderung heutigerWissenschaft dadurch, daß man hier aus der Operation selbst immer auf den Grad der erreichten Genauigkeit schließen kann. Fig. 439. Aneroidbarometer. Fig. 440. Radbarometer. Mit Bezug auf das Quecksilber-B. unterscheidet man zwei Methoden des Höhenmessens: die Benzenbergische und die Halley'sche. Die erstere ist auf das Gesetz basirt, das bei den kommunizirenden Röhren zur Geltung kommt, und lautet: die Höhen der Flüssigkeitssäulen in kommunizirenden Röhren verhalten sich umgekehrt wie die spezifischen Gewichte der Flüssigkeiten. Bei Halley's sogenannter logarithmischer Methode ist dagegen davon ausgegangen, daß (ebenfalls nach dem Mariotte'schen Gesetz) gleichen Theilen der mit der Erhebung abnehmenden Quecksilbersäule Luftschichten zugehören, deren Dichten nach immer gleichem geometrischen Verhältnis wachsen, so daß also die Barometerstände die Logarithmen der ihnen zukommenden Erhebungen von der Erdoberfläche bilden. Da nun der Barometerstand bei 0 C. vom Meeresspiegel 9 = 760 mem. ist, und bei 11, m. Höhe (B) um 1 mm. sinkt, so wäre der zu messende Höhenunterschied das nfache und mfache der Höhe hausdrücken und n de m angenommen ist. Ueber die genauere Berechnung unter Sbibliothek Heidelberg Rücksicht auf Temperatur etc. muß auf physikalische Handbücher verwiesen werden. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Quecksilber- und Aneroid-B. liegt darin, daß letzteres den Druck der Luft angiebt, ohne wie ersteres von der Schwerkraft influirt zu werden, denn die Quecksilbersäule wird in gleicher Weise wie die darüber lastende Luftsäule mit der Vexänderung der Schwerkraft — also bei der Bewegung vom Aquator nach dem Pol zu — sich im Gewicht verändern, so daß für eine und dieselbe Luftsäule das Quecksilber-B. unter jeder Breite dieselben Angaben liefern wird, was beim Aneroid-⸗B. nicht der Fall ist. Würden also Aneroid- und Quecksilber-B. für eine bestimmte Breite ganz gleiche Angaben liefern, so könnte dies bei einer Veränderung dieser letzteren nicht mehr der Fall sein, und es werden die Unterschiede in den gleichzeitigen Angaben beider Instrumente den Veränderungen der Schwere proportional sein. Hieraus ergiebt sich, daß man das Aneroid-B. auch zu Bestimmung der Veränderungen der Schwerkraft für verschiedene Orte zwischen Pol und Aquator benutzen kann, wenn man seine Angaben gleichzeitig mit denen eines

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 257Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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