Bohlendach, u., frz. Comble m. à planches courbées, ist ein solches,dessen Konstruktion hauptsächlich aus Bohlenbibliothe Heidelberg 0 bögen besteht. In der Regel haben solche Dächer auch äußerlich eine gebogene Durchschnittsfläche. Ist es darauf abgesehen, möglichst viel Bodenraum zu gewinnen, so sind diese Dächer von großem Vortheil. Für die Konstruktion selbst giebt es verschiedene Verfahren. Bei der ältesten, von dem französischen Architekten Philibert de l'Orme schon im Jahr 1561 bekannt gemachten und deshalb nach ihm benannten Bohlenkonstruktion werden die zum Tragen des Deckmaterials bestimmten Bogenrippen aus neben einander gestellten und durch Vernagelung unter sich verbundenen kurzen Bohlen in der Weise zu einem Bogen gebildet, daß die kurzen Bohlenstücke, auf halbe Länge wechselnd, mit den Stoßfugen über einander gestellt und auf beiden in einander greifenden Flächen ebenfalls genagelt werden. Fig. 770 stellt eine solche Bohlenrippe, frz. Courbe, k., Courbé-chevron, mn., bei erstmaliger Uebereinandersetzung mit ihrem Einsatz in der Schwelle u. den Einschnitten u. Schlitzen zu Aufnahme der zu Verspannung der Bogenrippen dienenden Längenriegel dar. Der Querschnitt der Bohlenrippen wird auf die Weise bestimmt, daß man das unterste Glied als einen Pfosten OTHHEK Ybetrachtet, welcher die der ganzen Bogenrippe zukommende fBelastung zu tragen hat. Wegen der durch das Ausarbeiten der inneren und äußeren Bogenlinien bewirkten 1Unterbrechung der Längefasern werden die Bohlen möglichst breit, dabei aber, wegen der durch öfteres In⸗ und „Uebereinandergreifen bewirkten größeren Steifigkeit, von 1geringer Dicke angewendet. Die nach diesem System von Moller 1822—27 ausgeführte Kuppel der katholischen Kirche zu Darmstadt hat einen Durchmesser von 33½ m. „Die Bohlenrippen gehen dabei nicht alle auf die ganze Art. Bohlendach. Fig.7 (Isich anschließen. Die der obere Theil nur aus drei Bohlen besteht. Die Zwischenrippen haben eine durchgehende Breite von drei Bohlen. Aus Fig. 772 ist die Längenverbindung der Bohlenrippen unter sich ersichtlich. AA sind durchlaufende Binderrippen und B ist eine der nur auf der Höhe durchgehenden Zwischenrippen. Zunächst werden die Rippen durch Quergurte 0c frz. liernes f. pl. transversales, verbunden. Die Bewegung der Rippen nach außen wird verhindert durch die Ringe oder Gurtbänder, frz. liernes entaillées, bb, welches aus Eichenholz, 10 em. hoch, 2½ em. dick sind u. die Kuppel auf ähnliche Art umgeben, wie die hek Heidelberg * 150 Das Aufspalten der einzelnen Bohlen, aus denen die Rippen der Kuppel bestehen, wird dadurch verhindert, daß; unmittelbar an den durch die Gurtbänder bb gehenden l Keilen 50 em. lange Schrauben ee Fig. 772 von rundem, em. starkem, gezogenem Eisendraht angebracht sind, welche die inneren u. äußeren Gurtbänder verbinden u. so die dazwischen liegenden Bohlenrippen zusammenpressen. De l'Orme bestimmte die Dimension der Bohlen bei 7,30 m. Durchmesser auf 21 em. Breite u. 2 cm. Stärke; bei 11½ m. Durchmesser auf 27 cem. Breite u. 4 m. Stärke; bei 19, m. Durchmesser auf 35 em. Breite u. 5 cm. Stärke. Am meisten zu befürchten ist das Setzen oder Senken der Bohlenrippen, da dieselben aus vielen einzelnen und kurzen Stücken bestehen u. auch bei der sorgfältigsten Bearbeitung nicht alle Stoßfugen mit gleicher Genauigkeit schließen. Um die Nachtheile der Ungleichheit des Setzens zu vermeiden, sind die Gurtbänder mit ihrer halben Holzdicke in den Rippen eingelegt, dergestalt, daß sie mit der hohen Seite tragen. Jede Senkung einer einzelnen Rippe theilt sich auf diese Art den nebenstehenden Rippen mit, kann aber weder nach oben noch nach unten fortwirken, sondern bleibt zwischen den nächsten oberen und unteren horizontalen Gurtbändern eingeschlossen. Diese Konstruktion hat sich nach dem Los⸗ Fig. 774. schlagen der Unterstützungsgerüste auch nicht um eine Linie gesenkt u. bis heute unverändert erhalten. Ein neu aufgestelltes Bohlenkonstruktionssystem, welches von dem französischen Ingenieur Emy im J. 1825 bekannt gemacht wurde u. nach dem Erfinder das Emy'sche genannt wird, weicht von dem Delorme'schen wesentlich dadurch ab, daß die Bohlen von möglichst großer Länge genommen und nicht auf die hohe Kante gestellt, sondern auf ihre flache Seite über einander gelegt, dann gekrümmt und unter sich durch umgelegte Eisenbänder u. durchgehende Schrauben verbunden werden. Fig. 7783 stellt ein von Emy ausgeführtes Sprengwerk dar, welches eine Spannweite von 23 m. hat, den Dachstuhl einer Reitbahn zu Libourne bei Bordeaux. Die Bogen bilden bei diesem System nicht die Decke des Raumes als Gewölbe, sondern sind nur der Hauptbestandtheil eines gesprengten Dachbinders. Die Bohlenrippen für sich allein würden bei dem Bestreben der Bohlen, in ihre natürliche Lage zurückzukehren, ihre Form verändern. Um sie in ihrer Form zu erhalten, gehen von senkrechten Wandpfosten, Widerlagssäulen, frz. jambes de force, und von den Bundstreben, frz. arbalétriers, des über der Bogenrippe befindlichen Dachstuhles aus Doppelzangen, frz. moisès normales, nach dem Mittelpunkt des Bogens gerichtet, über denselben hinweg, welche durch Ueberschneidung und durchgehende Schrauben den Bogen in der richtigen Krümmung erhalten, zugleich aber auch die Belastung gleichmäßig auf den Bogen vertheilen. Die Widerlagssäulen sind doppelt, sitzen mit dem Bogen auf einer gemeinsamen Schwelle, nehmen vom Fuß an den Bogen nach Fig. 774 zur Hälfte seiner Stärke auf und sind mit dem Bogen am Fuß durch ein umgelegtes Eisenband verbunden, welches mittels einer auf der Rückseite durch eine vortretendeVerkröpfung gehenden Schraube fest angezogen werden kann. Zur Längenverspannung sind über dem Bogen mehrere Längenriegel, jedesmal deren zwei, welche durch Schrauben unter sich u. mit den Doppelzangen verbunden sind, angebracht. Der Bogen besteht hier aus fünf auf einander gelegten Bohlen von 13 em. Breite und 5½ enn. Dicke, ist zwischen jeder Doppelzange mit einem verschraubten Eisenband umschlossen und, in gleichen Abständen zwischen den Eisenbändern und den Zangen, in der Mitte auf die Hochkante zusammengeschraubt. Man kann Bohlendächer begreiflicherweise noch auf mancherlei andere Art konstruiren. Daß dieselben sehr —— einerseits mit nur unbedeuten2 —der Ersparnis verbunden, anderseits aber doch nur ein gegen Solidität u. Wahrheit verstoßender Nothbehelf. s.