FeedBrennstoff
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Brennstoff, m., Brennmaterial, n. frz. Combustible, m., engl. fuel. A. Natürlichesrennstoffe. Der Werth eines Brennmaterials ist von verschiedenen Faktoren abhängig: 1. Von der Entfernung zwischen dem Ort seines Vorkommens u. dem seiner Verwendung, von der größeren oder geringeren Kohäsion seiner Theile und damit von seiner Transportfähigkeit, indem diese es bestimmt, ob der Transport überbrennung eine größere oder kleinere Menge Wärme zu erzeugen. Diese Fähigkeit, die Heizkraft der verschiedenen Brennmaterialien, ist zunächst in relativer Beziehung wichtig. Erzeugt nämlich die passend gewählte Einheit E von zwei verschiedenen Blen K und A“ bei Verbrennung des ersteren die Wärmemenge K, bei der des andern die Wärmemenge K“, und sind pu. p respektive Preise dieser Einheit von A und A“, so müßte sein K: K. =p: P.. Ist nun etwa auf dem Markt der Preis von A“ höher, als nach dieser Gleichung resultirt, so würde dieses letztere Material zu theuer sein. — Aber auch die absoluten Werthe der Wärmemengen, welche von Brennmaterialien bei ihrer Verbrennung erzeugt werden, haben, falls sie in geeigneter Weise erhalten worden sind, hohe Wichtigkeit. Ist nämlich das Wasserquantum in Pfunden, welches zum Betrieb einer Dampfmaschine od. zu einem andern technischen Zweck in der Zeit tverdampftwerden soll, u. verdampft die Einheit Eseines bestimmten Bies unter gleichen Umständen das Wasserquantum g (welches hier als der der Einheit E zukommende Heizeffekt erscheint), so ergiebt sich der Aufwand Xan B. für diese Zeit durch die Gleichung Xg. Unter der Heizkraft eines Bees versteht man demnach die Anzahl von Wärmeeinheiten (Kalorien), welche ein Gewichtstheil (Pfund, Kilogramm re.) bei vollständiger Verbrennung entwickelt. Um die Heizkraft eines B.es auf praktische Weise zu ermitteln, hat man auf dessen Feuchtigkeitszustand (Wassergehalt) u. Gehalt an unverbrennlicher Substanz (Aschensubstanz) Rücksicht zu nehmen. Um den Wassergehalt zu bestimmen, trocknetman eine abgewogene Menge des B.es, etwa 100 Pfd., bei 100 C. so lange, bis keine Gewichtsverminderung mehr eintritt, was durch wiederholtesWägen zu bestimmen ist; das zuletzt bleibende Gewicht notirt man u. seine Differenz mit dem ursprünglichen Gewicht ergiebt den Wassergehalt(bei 100 Pfd. ursprünglichem Gewicht in Prozenten). Zu Bestimmung des Aschegehaltes sind etwa 2000 Pfd. des Bes in der Feuerungsanlage regelrecht zu verbrennen u die Rückstände anAscheu. Linder abzuwägen, wobei man noch 2% zu diesem Rückstand als Flugasche hinzurechnet. Durch Abzug des Wassergehaltes vom ursprünglichen Gewicht des B.es wird dessen wahrer Gehalt an brennbarer Substanz und somit dessen relativer Heizwerth ermittelt. — 1. Zu direkter Bestimmung der Heizkraft der Ble ergaben die von tüchtigen Technikern, so von Plairfair u. dela Boche in England, von Dr. Brix u. Dr. E. Hartig in Deutschland etc., angestellten Verdampfungsversuche die Durchschnittsresultate in Tabelle IJ. Demnach ist also in runden Zahlen der Heizwerth von 1 Pfund Steinkohle 2 Pfd. Holz, 2 — ¼ Pfd. Torf, = 2 Pfd. Name des Brennstoffes. Würme⸗ stoff giebt Dampf don Eichen⸗ u. Buchenholz 3000⁰ Kiefernholzkohle .. 6800⁰ Braunkohle (Lignit) 4000 270 Steinkohhe beste Qualität. 800⁰ 8,0 tät; oder es entsprechen 1 Klafter Kiefern⸗ oder Tannenholz (1200 Zollpfd. (108 Kubikfußerhein. = 3,339 Cbm.) 3½ Tonne gute 1 Klafter Buchen⸗ oder Eichenholz — 2. Wassergehalt der Brennstoffe. Lufttrockenes Holz enthält 18 20 % Wasser; Steinkohlen unmittelbar nach der Gewinnung 3,/8, später mehr; Braunkohlen 25—45%/ und Torf ca. 25¾. Holz giebt beim Verbrennen einen größeren Heizeffekt, wenn es getrocknetist, Stein-u. Braunkohle einen höheren im ungetrockneten Zustand, bes. können und müssen einzelne Sorten der letzteren feucht sein, wenn sie gut hitzen sollen. Tabelle II. giebt an, wie viel durchschnittlich 1 Gewichtstheil B. im getrockneten oder ungetrockneten Zustand Dampf in Gewichtstheilen bei vollständiger Verbrennung zu erzeugen vermag. — 3. Gehalt an Asche. Der unverbrennliche Rückstand ist bei der Verbrennung in gewöhnlichen Feuerungsanlagen größer als in der chemischen Analyse. — Nach letzterer ist bei Braunkohlen 6—18 /, bei Torf 10 /8. — 4. Bezüglich der Verwendung der Bie bes. zu technischen Zwecken ist in Betracht zu ziehen, ob man mit denselben die höchstmögliche Temperatursteigerung od. die größtmögliche Wärmemenge erhalten will, und man unterscheidet hiernach den pyrometrischen und den calorimetrischen Effekt der Brennstoffe. Der calorimetrische Effekt entspricht der schon oben erwähnten Heizkraft (auch Heizeffekt, Heizwerth genannt) und giebt also die Anzahl von Wärmeeinheiten an, welche die Gewichtseinheit des Brennmaterials bei vollkommener Verbrennung zu entwickeln fähig ist, u. der pyrometrische Effekt giebt die Anzahl von Temperaturgraden an, welche ein in die dicht über dem Brennmaterial anzeigen würde. Als Mäß für die Wärmeeinheit wird hier die Wärmemenge angenommen, welche zur Temperaturerhöhung von 1kg. Wasser um 10. bei mittlerem Luftdruck aufgewendet werden muß, als Maßstab für den pyrometrischen Effekt die Skala des hunderttheiligen Thermometers. Der calorimetrische Effekt wird erreicht, wenn man dem entzündeten B. in den Feuerraum so reichlich Luft elle J. Benennung und Größe. Zollpfund. Tonne = 4,¾ Schffl. 6⁴ 145⁵ Klafter 4½ Cbm. 2200 34⁴⁰ Tonne 4, Schffl.125 28⁴ bibliothe Heidelberg OFC zuführt, daß derselbe jedenfalls vollständig verbrennt. Die hierzu nöthige Luftmenge muß die 2—4fache, als die theoretisch berechnete sein, und man kann durchschnittlich annehmen, daß die in der Praxis zur vollständigen Verbrennung erforderliche Luftmenge pro kg. B. beträgt für lufttrockenes Holz und Torf. lS. vollständig trockenes Holz und rauntöle Holzkohle und Kohks Steinkohhe 22 Der pyr ometrische Effekt wird erreicht, indem man dem B. nur wenig Luft zuführt, selbst auf die Gefahr hin, keine vollständige Verbrennung desselben zu erreichen. Um hierbei an B. möglichst zu sparen, hat man zu diesem Zweck die Gasfeuerung eingeführt, bei welcher man zuerst den B. unter sehr geringer Luftzuführung einer Art trockener Destillation unterwirft, d. h. ihn in gasige, brennbare Produkte umwandelt und diese letzteren mit der zu ihrer vollständigen Verbrennung gerade ausreichenden Luftmenge im Heizraum der Feuerungsanlage verbrennt. Es geschieht dies deshalb, weil Gase sich viel gleichmäßiger und inniger mit Luft vermischen lassen, als feste B., durch welche Vermischung die vollständige Verbrennung ohne Luftüberschuß behufs der größten Temperatursteigerung allein möglich ist. Zu gleichem Zweck hat man neuerdings den B. (Steinkohle od. Kohks), in feines Pulver verwandelt, mit einem Luftstrom in den schon heißen Feuerraum geblasen, wo alsdann eine sogenannte Molekularverbrennung mit größter Hi 5. Bedarf an renustoffen. Um 1000 Mauersteine zu brennen, Länge erfordert; 1000 Mauer⸗ 910 1000 Dachziegel zusammen erfordern 253 ebm. Holz. Um 1000 Ziegel mit Torf zu brennen, braucht man 1500 Torfstücke; jedoch ist der Torf so ver schieden, daß auch 2000 Stück auf das Tausend Ziegel gebraucht werden. Nach obiger Tabelle läßt sich leicht der Bedarf für andere Materialien berechnen. Der Torf bewirkt jedoch, trotz seines geringen Brennwerthes, in gleichem drnrn mehr als das Holz, daher man 290 bei einer wohlangelegten Zugfeuerung die Wikung des Feuers höher als mit Holz treiben kann. Betr. der Steinkohle hat sich erwiesen, daß durch das Anfeuchten derselben kurz vor der Verwendung eher eine Erhöhung als Verminderung des Heizeffekts eintritt. B. Künstliche Brennmaterialien. 1. Man mengt 15 Th. Kohlenstein, 1½ Th. Alaunauflösung, ½ Th. Salpeter u. 83 Th. Thon. — 2. Sogen. Pariser Kohle. Abfälle von Feuerholz, Kohlen, Kohlenstaub etc., mit Steinkohlentheer gemengt, zermalmt, in Cylinder geformt u. geglüht. — 3. Künstliche Steinkohle. In einem besonders dazu eingerichteten Apparat werden in Thon eingehüllte Vegetabilien, als Sägespäne, Blätter, Stengel, Späne etc., gepreßt u. einer Temperatur von 200—300C. ausgesetzt. (Comptes rendus.)

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 478Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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