FeedCellulose
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Cellulose, k., 1. die Holzfaser, der Pflanzenzellstoff, Holzstoff, bildet die Wandungen der mit Stärkemehl, Chlorophyll etc. angefüllten Pflanzenzellen, und ist im Holz mit der sog. inkrustirenden Materie verbunden. In reiner Form ist die C.weiß, geruch⸗ u. geschmacklos, unlöslich in Wasser, Alkohol u. Aether, in verschiedenen Säuren u. verdünnten Alkalien, dagegen in Kupferoxyd-Ammoniakflüssigkeit löslich zu einer klaren dunkelbraunen Flüssigkeit, aus welcher sie durch Salzsäure wieder als weiße Masse ausgeschieden wird. In konzentrirter Schwefelsäure quillt sie anfangs auf u. löst sich dann vollständig. Auf Zusatz v. Wasser scheiden sich aus der Lösung weiße Flocken aus, die durch Jod blau gefällt werden. Beim Erwärmen mit gehemmtem Luftzutritt wird die C.zersetzt, es entwickeln sichtheils gasförmige, theils theerig⸗-ölige Produkte (Holztheer),sowie eine saure wässerige Flüssigkeit (Holzessig). Durch Einwirkung von Feuchtigkeit bei gehemmtem Luftzutritt geht dieCin Braunkohle, Torf etc. über, durch eine Mischung von Salpetersäure und Schwefelsäure in Nitrocellulose (Schießbaumwolle, Pyroxilin), die mit Aether und Alkohol zu Kollodium wird. Die C. enthält in 100 Theilen: 44, Kohlenstoff, 6,, Wasserstoff, 49,, Sauerstoff und hat die Formel 2 HII0 Ofo. — 2. Neuerdings nennt man so auch künstliches Holz aus auf chemischem Wege blosgelegten Holzfasern. Schon lange u. vielfach hat man Versuche gemacht, knetbare oder gießbare Kompositionen zu finden, welche, nachdem sie durch Pressen, Gießen oder dergl. in Form architektonischer Verzierungen gebracht sind, dann thunlichst die Eigenschaften des Holzes annehmen sollten. Schon im späteren Mittelalter begannen diese Versuche und Bestrebungen; in der Renaissancezeit häuften sie sich. Eine ganze Reihe von erhaltenen Arbeiten des 15.bis 17. Jahrhunderts bezeugen es, wie weit man es damals darin gebracht hatte, sehr dünne Fourniere, Hirnholzplatten etc. so zu erweichen, daß sie eine Prägung aushielten. Auf ähnlichem Wege erzeugte die Ornament-wood-Company ihre Artikel; das bois durci, welches von Latri in Paris, nach der Erfindung eines Deutschen, Holzmann, fabrizirt ward, bestand aus bekanntlich sehr albuminreichem Thierblut u. Sägespänen. Andere banden die Sägespäne durch Vermengung mitHarzpulver, wobei man sogar Aderungen durch Zusammenkneten verschiedenfarbiger Kugeln oder Platten aus solchem Gemenge erreichte. Dr. Wiederhold rieth, das Välte'sche Holzzeug mit Leimlösung zu pressen u. nach dem Trocknen mit Leinölfirniß zu tränken. Speith kochte Sägespäne weicher Hölzer mit einer Lösung von Leim und Wasserglas. Die finnischen und norwegischen Holzpappen lieferten eben so wenig, wie die oben genannten, gute Resultate. Neuerdings nun ist es einem Deutschen, dem Fabrikanten Harraß, gelungen, Kunstholz zu fabriziren, welches allen billigen Anforderungen genügt, indem die auf chemischem Wege blosgelegte Holzfaser, C., leichter, ja gieriger sich mit dem in Berührung mit ihr gebrachten Bindemittel, Albumin, verbindet, als mit den bis her zu solchen künstlichen Holzmassen verwendeten Bindemitteln, so daß die Masse fester wird als die auf mechanischem Wege erhaltenen Holzzeuge, Holzstoffe, Holzmassen etc. Die Bloslegung geschieht durch Kochen in konzentrirter Natron⸗ od. Aetzkalilösung unter einem Dampfdruck von etwa 10 Atmosphären. Die Ornamente aus dieser C., durch die Fabrik von B. Harraß in Böhlen bei Großbreitenbach hergestellt, sind scharf und ausdrucksvoll in sauber gravirten Metallformen geprägt. Die Haltbarkeit und Elastizität ist mindestens dieselbe wie die harten Holzes; je älter namentlich die Fabrikate werden, desto härter und fester werden dieselben, und sind infolge dessen nicht so für Stoß und Druck empfindlich, wie Stuck-u. Papiermachearbeiten. Temperalurwechsel, ungünstige klimatische Verhältnisse üben keinen HEIDELBERG O Université Einfluß auf diese Erzeugnisse, dieselben sind sehr wenig hygroskopisch, reißen u. springen daher beim Trockenwerden nicht. Dennoch lassen sie sich hobeln, bohren, feilen, schleifen und poliren, vergolden etc. wie Naturholz, ferner in jede Holz⸗ und Tapetenfarbe setzen, so daß selbige in der künstlerischsten Weise an Stelle der wirklichen Holzschnitzerei da Anwendung finden können, wo öftere Wiederholung derselben Form am Platze ist. Besonders wichtig für das Bau⸗ und Dekorationsfach ist die Leichtigkeit dieser Masse und das bequeme und sichere Befestigen derselben an Plafonds, Wänden etc. durch Anleimen, Nageln oder Anschrauben. Ein theilweises Herabfallen, Ausbrechen, Bröckeln etc. ist nicht zu befürchten, wie dies bei Stuck vorkommt, wohl aber ist das Abnehmen leicht, ebenso das Lackiren derselben in irgend einer andern Farbe. Die Preisesind nur unwesentlich höher als die der Konkurrenzfabrikate in Stuck, Papiermache etc., und bedeutend billiger als die der Holzschnitzerei. Wenn ein Gegenstand, der z. B. auf eine gehobelte Fläche aufgeleimt werden soll, nicht ganz genau aufliegt, so braucht man nur, wenn derselbe nicht genug Biegsamkeit haben sollte, solchen in einer Ofenröhre etc. etwas zu erwärmen, sodann auf eine glattgehobelte Fläche zu bringen u. bis zum vollständigen Erkalten gutzu beschweren. Durch dieselbe Manipulation kann man auch die auf gerader Fläche ruhenden Pressungen in eine geschweifte Lage bringen; man nehme aber die Biegung nur langsam vor, damit die Gegenstände nicht brechen. Vor dem Aufleimen schleife man die Rückseite der Ornamente erst auf grobem Schleif-oder Sandpapier ab. Etwa freistehend anzuwendende Gegenstände lassen sich auch mit Fournieren hinterlegen; dieselben erscheinen sodann voll, täuschend ähnlich denen aus wirklichem Holz. Maon bestreiche zu diesem Behuf die Verzierungen ringsum an den Stellen wo sie Auflage haben, gut mit kräftigem Leim, lege sie sodann auf das dazu abgepaßte Fournier u. bringe das Ganze so lange unter Schraubzwingen, bis der Leim trocken geworden ist. Hierauf schneide man das ringsum vorstehende Fournier mittels einer Laubsäge ab. Vor dem Auftragen der Anstreichefarben müssen sämtliche Ornamente erst gut von Staub gesäubert und dann zweimal mit einer dünnen Harzlackfarbe bestrichen werden. „Dieser zweifache Anstrich muß sauber erfolgen, auch die Farben müssen zart aufgetragen u. bes. gut ausgestrichen werden, um die feinen Konturen nicht zuzuschmieren. Die Grundirfarbe für holzfarbigen Anstrich muß in reinem Terpentinöl äußerst fein gerieben sein u. dann der Grundfarbe des nachzuahmenden Holzes entsprechend gemischt werden. Ist der zweimalige Grundanstrich nun gehörig fest und trocken, dann bringt man die sog. Maserfarbe auf (aus Bier und dem nöthigen Farbstoff, den man zu der Holzmaser nöthig hat). Rasch hinterher zieht man nun mit geeigneten Pinseln die Masern u. läßt dann die Bierfarbe gut trocknen. Hierauf streicht man mit mittelstarkem Harzlack und weichem Härpinsel den Gegenstand einmal an. 1Dabei muß man indes, damit man die Masern beim „Lackiren nicht wieder wegwischt, sehr leicht und rasch 9darüber hinstreichen und darf nie eine Stelle zweimal e berühren. Ist dieser Harzlackanstrich trocken, so werden „die lackirten Ornamente noch mit aufgelöstem Schellack u. „Spiritus in ganz leichter Weise überstrichen. Will man „liebermatten Glanz haben, so löst man etwas weißes Wachs k in französischem Terpentinöl auf und bestreicht damit die „überschellackten Gegenstände, läßt sie so lange staubfrei „liegen, bis das Terpentinöl verflogen ist und bürstet dann ⸗miteiner feinen, weichen Bürste (Hutbürste paßt am besten) 9den Gegenstand gleichmäßig matt. Für Imitation vonNuß⸗ ⸗„baum benutze man als Grundfarben: ca. 3 Theile Goldk ocher u. ca. 1 Theil Bleiweiß in Harzlack u. Terpentinöl ⸗gerieben; als Maserfarbe:Kasselerbraun in Bier aufgelöst; n— Für Mahagoni als Grundfarbe: Bleiweiß mit Goldtatsbibliothek Heidelberg ocher u. etwas Terra deSienna gebrannt; als Maserfarbe: Terra de Sienna gebrannt. Für Eichenholz als Grundfarbe: Bleiweiß mit Chromgelb und etwas Orange; als Maserfarbe: Terra de Sienna gebrannt, mit etwas Umbraun vermischt. Für manche Zwecke kann man Nußbaumfarbe durch einfaches Anstreichen der ohnehin etwa nußbraunen Ornamente mit verdünntem Asphaltlack sehr leicht, bequem und billig herstellen;in diesem Falle schellacke man die rohenOrnamente vor dem Asphaltanstrich erstzweimal. Uebrigens wirdman nicht immer nöthig haben, die Artikel zu streichen, da die braune Farbe derselben zu vielen Zwecken an sich sehr gut paßt und recht elegant aussieht, bes. wenn man die Ornamente mit Bronzepulver. welches in Lack eingerührt ist, leichtüberwischt, so daß nur die erhabenen Stellen goldig, silberig oder dergl. bronzirt erscheinen. Sehr gute Wirkung wird auch erzielt, wenn man vor dem Bronziren das Ornament mit hellem Grün od. sonstiger Patinafarbe streicht, diesen Anstrich auf den vorstehenden Theilen sofort, so lange er noch naß ist, abwischt und dann erst bronzirt.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 19Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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