FeedCementdach
AllerleiBau-Lexikon 1881

Cementdach, u. 1. Dachdeckung in Holzcement; s. Detdchen und Holzeement. — 2. Deckung mit Cementdachplatten, erfunden von Peter Jantzen in Elbing. Dieselben haben die Form von welligen Ziegeln mit 2Nasen, s. Fig. 1071, sind 47em. lang, 28 Cm. breit u. 16m. stark. Gewicht eines qm. Deckung ca. 37 kg. — 3. Deckung mit Cementdachsteinen, von Burchard in Swine6 mm. dick. Die Dachlattung wird 30 bis 35 œ½m. weit gemacht, Neigung mindestens 20%, die zu Abdeckung von Gewölben, z. B. Kasematten, Kellern unter freiem Himmel etc., bestimmte Sorte ist 2½ em. stark u. erfüllt ihren Zweck vollständig. — 4. Staudacher Cementdachplatten, ähnlich den vorigen, aus Romancement hergestellt, s. Cement A. I. — 5. Cementgußdach von Dr. H. Frühling (Reichspatent Nr.5430). Eine Mörtellage aus 1Gew.⸗Th. Portlandeement od. auch gutem Romaneement u. 2 Th. Sand ist bei 1em. Stärke für einen Wasserdruck von 0, m. Höhe undurchlässig. Direktes Aufgießen auf Holz ist wegen des Aufsaugens des Wassers durch das Holz „Werfe ens des letzterenetc., unthunlich. Auch ein Lufgießen i in große Fl ächen auf Dachpappenunterlage beseitigt die Gefahr des Reißens bei Temperaturwechsel etc. nicht. Dr. Frühling verfährt deshalb so: die Schalung, wie für Pappdach vorgerichtet, wird dergestalt mit solcher belegt, daß die Pappenden sich nur berühren, nichtüberdecken, und die Stöße werden mit stark getheertem Papier unterlegt und dann genagelt. Dann theilt man die Dachfläche hoch) in Felder, bei steilen Dächern etwa 20 em., jedoch nicht über 50 em. breit und lang, die man mit Sand dünn bestreut, mit steifem Cementmörtel füllt, abstreicht und mit Schlagholz u. Kelle komprimirt. Dachrinnen werden erst in Schalung vorgebildet; Firstwulste und Bruchsimse für Mansardendächer auf Pappunterlage (eventuell unter vorheriger Einschlagung großer Nägel) in Cementmörtel gezogen, wobei die Winkelbleche, die man hieretwas breiter nimmt, als Schablonenlehre dienen. Bei Eintritt von Regenwetter, vor Ablauf der ersten 24 Stunden nach Anfertigung, belege man mit Pappen, Bretern etc. Bei starker Sonnenhitze begieße man das Dach nach 24 Stunden, und dann häufig weiter, eine Woche lang. Der Preis stellt sich. excl. Schalung und Dachpappe, auf etwa 1½½ Mark und das Gewicht ebenso auf 24½ kg., die Wasseraufnahme auf etwa 2, kg. pro qm. Der Aufguß empfiehlt sich bes. als Ueberzug für ältere nicht mehr ganz dichte Dachpappdächer. Crmentdraht, cementirter Kupferdraht, s. Kupferdraht. Eementguß, un. I.s. Cementdach5. —2. Auch zu Gußwaren wird der Portlandeement nur selten rein verarbeitet, der mit Sand versetzte allmählich bei niedrigeren Zusätzen dieselbe, bezw. Gneisernd dieselbe Festigkeit erreicht, zudem dann auch zuverlässiger gegen die sog. Härrisse ist, die bei reinen Cementsachen, sobald sie dem Wetter ausgesetzt werden, nach nicht allz ulanger Zeit unangenehm hervportreten. Bei Gegens känden in Zimmern, Hausfluren etc. tritt dieser Uebelstand bei gutem Cement selbst nach Jahren nicht auf. Gleichwohl wäre Venn von reinem Cement auch hier meist eine Materialvergeudung, da man durch Zumischung ganz feinen Sandes mindestens gleich schönes Aussehen wie von reinem Cement erhält und dabei die Sachen billiger und zuverlässiger gegen das Entstehen von Härrissen herstellt. Der Porlandeement läßt sich bequem in alle Formen gießen und wird dann steinhart, oiel wasserdichter wie Gips, mit meist grauer Farbe und obne sein Volumen zu verändern, resp. doch in nicht stärkeren Grade als andere Baumaterialien eben auch. Reiner Cemient dehnt sich immerhin viel stärker als Sandmischungen. Bei stärkerer Volumenausdehnung liegt kein normaler Cement vor. Um bei Gegenständen, die im Freien bleiben, das Entstehen jener Härrisse möglichst zu vermeiden, nimmt man zweckmäßig den Mörtel so wenig fett, als es in Hinsicht aus anderen Rücksichten noch angeht, da reiner Cement sich im Wetter am schlechtesten frei von Härrissen hält. Ferner ist es weit besser, die Sachen einzustampfen, resp. zu pressen, statt sie, wie meist heute noch üblich, zu gießen. Die Modellspesen sind im ersten Fall allerdings höher, dafür aber der Cementverbrauch viel geringer. Durch die viel größere Lockerheit und die Nothwendigkeit erheblich fetteren (früher nur reinen Cement⸗) Mörtels zum Guß wird das Auftreten von Härrissen sehr befördert. Je rauher die Sachen gelassen werden, desto weniger Härrisse stellen sich ein, da dieselben vor allem in der Glasur, ähnlich wie bei der Emaille in eisernen Töpfen, sich zeigen. Sollen die Gegenstände doch glatt sein, so stampfe man mit feinem Sand ein, 1 Th. Cement mit 2—4 u. selbst 5 Th. feinem Sand, je nachdem. In Zimmern, auch in Hausfluren etc. können ferner diverse mosaikartige Gegenstände (Cementmosaik), sehr schöne Marmorimitationen, sogenannte Terazzosachen, hergestellt werden, und zwar aus reinem Cement mit Marmor-,bezw. anderen Steinstückchen. Nach einigem Erhärten wird das Ganze geschliffen und polirt. Im Freien gilt das oben Gesagte auch für solche Sachen. Grabmonumente, Statuen etc., die mit wenig Sand und zwar rauh oder, wenn glatt, so mit Feinsand hergestellt sind, verfallen mit der Zeit an Luft, Regen u. Sonne einem mehr od. weniger unschönen Aussehen. In der Erde u. an feuchten Orten, sowie bei gewöhnlicher Mauerung, halten sich alle Cementarbeiten ganz intakt, ertragen da starke Unbilden des Wetters sehr gut, so z. B., wenn sie einmal erhärtet sind, auch Frost viel besser als Sandstein. Auch die oben erwähnten Härrisse sind bei gutem Cement für die Haltbarkeit meist unbedenklich. Bei Regen verschwindet das Härrißnetz, beim Abtrocknen trittes wiedervor. Solche Sachen, wie Tröge, größere Ornamente, Sockel etc., bekommen oft einen ordinären Kern, d. h. dort relativ viel Sand und Schotter und einen fetteren Vorguß, so daß nach außen die Sachen gut aussehen und doch billig zu stehen kommen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 23Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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