FeedCementation
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Cementation, f., frz. cimentation, f., engl. Sementation, converting (Hüttenw.). Von den verschiedenen Cementationsprozessen sind die bekanntesten die Cementation des Eisens (s. d. Art. Brennstahl, Cementstahl und Eisen), die Umwandlung des Kupfers in Messing, das Verstählen eiserner Geräthe etc. Letzteres kann geschehen durch Glühen zwischen Kohlenpulver, Blutlaugensalz etc. Die oberflächliche Umwandlung des Kupfers in Messing geschieht einfach dadurch, daß man das Kupfer im Zinkdampf od. mit Zinkerzen glüht. Der gewöhnliche Cementationsprozeß besteht darin, daß man das betreffende Metall zwischen pulverförmigen Körpern, im Cementirpulver, frz. poudre f. C6mentatoire, engl. cementing-powder, gewöhnlich schichtenweise in geschlossenen Gefäßen, Thonbüchsen oder Oefen (Cementiröfeu, Brennstahlöfen, frz. kourneau à cémenter, engl. converting-fournace) glüht. Cementbeton. Zum Betoniren nimmt man zweckmäßig 1 Th. Cement u., je nachdem der Beton viel zu halten hat, 1, 2, 3, 4 od. mehr Th. Sand. Dazu kommt dann Schotter, Kies oder Knack, auch Ziegelbrocken, und zwar als meist günstigste Regel gerade das doppelte Quantum des beigegebenen Sandes; also z. B. 1Th. Cement, 2 Th. Sand, 4 Th. Schotter oder 1 Th. Cement, 4 Th. Sand, 8 Th. Schotter etc. Bei hohen Sandzusätzen, also etwa von 4 od. 5 Th. an, wo der geringe Cementantheil sich ungenügend gleichmäßig mit dem vielen Sand mischen würde, kann man dem Cement an 10 - 50 % (um somehr, je sand-u. schotterreicher der Beton werden soll) gewisser indifferenter Bestandtheile zumischen. Es wird damit wesentlich an Cement gespart, ohne Beeinträchtigung der Festigkeit; dieselbe wird im Gegentheil noch erhöht. Diese Zumischungen machen nämlich den sonst bereits zu mageren Mörtel viel fetter u. damit auch viel fester, und zwar vor allem deshalb, weil die Poren viel mehr geschlossen und die sich berührenden Oberflächen der Partikel sehr vermehrt werden. Namentlich kann er dann ohne Schaden viel eher dem Wasser ausgesetzt werden, während der mit reichlichem Zuschlag hergestellte Beton ohne jene Substanzzumischung zunächst sehr leidet. Als solche indifferente Zusätze bei hohen Sandzusätzen empfehlen sich als am billigsten und am allgemeinsten zu erlangen: Fettkalk (gewöhnl. Kalkbrei!, Schlemmkreide, ganz fein gemahlenes Ziegelmehl, desgl. Hohofenschlacke. Die ersteren beiden liegen für gewöhnlich am nächsten. So würde z. B. eine Betonzusammensetzung von 1 Th. Cement, ½ Th. Aetzkalkpulver, 6 Th. Sand, 12 Th. Schotter namentlich im Wasser eine merklich höhere Festigkeit geben, als eine Mischung von blos 1 Th. Cement mit obigen Quantitäten Sand u. Schotter. Ja selbst 1½ Th. Cement dürfte da oft noch gegen 1 Th. Cement plus ½ Th. Aetzkalk oder Schlemmkreide nachstehen, weil das Cementpulver viel weniger zart ist, es hier aber vor allem bei hohen Sandmengen auf Porenschluß und schützende Umhüllung der Cementpartikel gegen im Ueberschuß eindringendes Wasser ankommt, durch welches die Cementtheilchen zu zu großen Volumen aufgeschwemmt, dadurch zerfressen und erheblich in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt werden. HEIDELBERG O Universitat:

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 23Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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