FeedDampfheizung
TechnikBau-Lexikon 1881

Dampfheizung, f. frz. chauffage m. à vapeur, engl. steam-heating, heatingby steam, ist am vortheilhaftesten anzuwenden, wenn Dampf zu benutzen ist, der bereits zu Erzeugung von Triebkraft (Retourdampf von Dampfmaschinen) gedient hat, andernfalls ist ein besonderer Dampfkessel aufzustellen. In den zu heizenden Räumen werden horizontale od. vertikale Röhren v. entsprechendem Durchmesser angebracht, welche als Kondensatoren des Dampfes dienen, dessen Wärme sie an die umgebende Luft abgeben. Das kondensirte Wasser wird aus den Röhren in ein Reservoir geleitet. Aus den Röhren sowie aus den damit verbundenen Dampfröhren ist die atmosphärische Luft abzuführen, was durch kleine Röhrchen von 1½ em. Weite, die mit Hähnen verschließbar sind, geschieht. Zweckmäßig ist es, die Kondensatoren (Dampfröhren) so einzurichten, daß ein Theil des kondensirten Wassers zurückbleibt u. als Wärmereservoir dient. Die Leistungsfähigkeit der D. ergiebt sich aus folgender Betrachtung: 1kg. Dampf enthält 640 Wärmeeinheiten; geht das kondensirte Wasser mit ca. 60 Grad fort, so giebt 1 kg. Dampf 580 Wärmeeinheiten ab; ist demnach Wdie Menge der stündlich zur Heizung zu liefernden Wärmeeinheiten, so ergiebt sich die stündliche Dampfmenge zu 9598 Erfahrungsmäßig kondensirt bei 15 Grad des umgebenden Raumes 1 qm. Röhrenfläche stündlich nachstehende Dampfmengen: Gußeiserne Röhren, horizontal, ohne Anstrich 1,1 kg. Schmiedeiserne Röhren, horizont. „ Kupferröhren, horizontal, ohne Anstrich oder 1 gm. Röhrenfläche im Mittel pro Stunde 0, Pfd. Dampf. Nach Schinz kann man annehmen, daß 1 qm. eiserne Röhrentransmissionsfläche in Luft von 15 Grad etwa 140—160 Wärmeeinheiten stündlich ergiebt, d. h. es ist auf 26—32 Cbm. Raum 1 qm. Röhrenfläche anzunehmen. In Fabrikräumen kann man bis 60cbm. Raum auf 1qm. Röhrenfläche rechnen, während man in Trockenstuben von 30—40 Grad Temperatur 8—5 cbm. Raum pro qm. Röhrenfläche annehmen muß. Um bei D. möglichst größten Effekt zu erzielen, erstrebe man: hohe Temperatur des Dampfes, also Anwendung von gespanntem od. überhitztem Dampf; — geringe Wandstärke der Röhren u. Oefen; — regelmäßigen Ablauf des Kondensationswassers; — rasche Strömung des Dampfes in den Heizröhren; — Fernhalten der Luft aus den Dampfräumen; — Leitung der zu erwärmenden Luft nach den Heizflächen; — Anlage von Dunstzügen. Die Röhren sollen innen u. außen mit Anstrich versehen sein, sind auf 8 Atmosphären zu prüfen; meist haben sie 4 — 4½ m. Länge; die gangbarsten Sorten sind folgende: 102 73 5 127 9j3 6/50 152, 1 —2 750 Das Kondensationswasser soll, so lange es in den Heizröhren verbleibt, in gleicher Bewegungsrichtung mit dem Dampf fortlaufen. Die relativ tiefsten Punkte der Dampfröhren werden mit Wassersäcken versehen und, soweit sie zu einer Abtheilung der Heizanlage gehören, durch Gasrohre verbunden, um in ein gemeinschaftliches Wasserableitungsrohr zu münden. Erlaubt es das System der Heizung nicht, das Kondensationswasser direkt in den Dampfkessel zurücklaufen zu lassen, so ist es zweckmäßig, dasselbe in einen Sammelbehälter zu leiten, um es von da wieder zur Speisung des Kessels zu verwenden. An den höchsten Stellen der Leitung werden Hähnchen zum Ab-SIBIIOTHEK HEIDOELBERG O Universitat lassen der sich anfammelnden Luft angebracht; hinter diefen Hähnchen müssen jedoch Rückschlußventile vorhanden sein, welche verhindern, daß zu Zeiten einer Vacuumbildung in der Rohrleitung atmosphärische Luft durch die geöffneten Hähne in den Dampfraum eintrete. Dasselbe ist auch bei allen anderen Ausmündungen ins Freie nothwendig, insbesondere bei den Kondensationswasser-Ableitungsröhren. Was die Leitung der zu erwärmenden Luft nach denHeizflächen anbelangt, so führt man zweckmäßig vom Kamin her an den Heizröhren entlang Kanäle, welche mit einem Ausströmungsspalt u. einem Regulirschieber am Anfang versehen sind. In der Anlagestellt sich D.theurer als Luftheizung, jedoch besitzt sie dagegen entschiedene Vorzüge, nämlich leichte Bedienung von Seiten des Heizers, leichte Regulirung der Temperatur, Gleichheit der Temperatur an allen Stellen der Leitung, geringen Brennmaterialverbrauch, geringe Feuersgefahr u. s. w. Mehr s. Heizung.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 125Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

In anderen Lexika 1

Alle Lexika nebeneinander →

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6